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Wenn der liebliche Sommer sich dem Ende zuneigt, wird das Rausgehen mit Kindern oft mühsamer und auch etwas weniger vergnüglich: Das Anziehen dauert länger, draußen ist es kalt und vielleicht auch regnerisch und es braucht manchmal einiges an Überwindung, um die Nase vor die Tür zu bekommen.
Aber auch im Herbst lohnt es sich für Kleine und Große, die unglaublichen Veränderungen in der Natur zu erleben. Abgesehen von einem Feuerwerk der Farben und dem herrlichen Laubduft in der Luft gibt es nämlich auch im Herbst so einiges zu tun.
Und nach Montessori sollten wir alle, besonders aber unsere Kinder, der Natur ohnehin bei jedem Wetter die Stirn bieten.
Viel braucht es dafür nicht. Wie zu allen anderen Jahreszeiten gilt auch im Herbst: Die unberührte Natur ist selbst die beste Lernumgebung und bedarf eigentlich keiner Vorbereitung.
Die Herbst-Aktivitäten auf einen Blick
| Aktivität | Ab wann | Wo |
|---|---|---|
| Ein Feuer machen und darauf kochen | ab 3 Jahren mit Begleitung, Feuermachen ab etwa 6 | draußen |
| Einen Unterschlupf für Tiere bauen | ab 3 Jahren | draußen |
| Laub rechen und den Garten winterfest machen | ab 2 Jahren | draußen |
| Naturschätze sammeln und sortieren | ab 1,5 Jahren | draußen und drinnen |
| Den Wald lesen lernen | ab 4 Jahren | draußen |
| Blätter pressen und bestimmen | ab 3 Jahren | drinnen |
| Vogelfutter selber machen | ab 2 Jahren | drinnen |
| Kastanien und Nüsse verarbeiten | ab 2 Jahren | drinnen |
| Ein Apfel- oder Kartoffelfest veranstalten | jedes Alter | draußen |
Ein Feuer machen (und darauf kochen)

Instinktiv wollen wir unsere Kinder von Feuer lieber fernhalten – dabei ist es sogar für Säuglinge ein äußerst faszinierendes Schauspiel. Schon Kleinkinder können einen vorsichtigen Umgang mit dem Feuer erlernen und zugleich mit seinen schönen Seiten vertraut gemacht werden.
An einem kühlen Herbsttag zeigt sich, dass ein Lagerfeuer immer noch die gleichen Funktionen erfüllt wie für die Menschen, die es sich als erste zunutze gemacht haben: Es wärmt kalte Hände und Füße ebenso wie das Herz; es zieht Menschen an und wird so zum Mittelpunkt aller gemeinschaftlichen Tätigkeiten; es spendet Licht und Fröhlichkeit; und selbstverständlich kann man auch darauf kochen!
Das kannst Du gebrauchen:
- Lagerfeuerspieße für Stockbrot
- Klappbares Grillrost & Camping Kochtopf für Lagerfeuer
- Evtl. eine sichere Feuerstelle, z.B. eine Feuerschale
Ein Freiluftpicknick ganz ohne Gas und Strom verbindet uns mit unseren Ursprüngen und ist damit eine zutiefst „kosmische“ Aktivität. Und außerdem schmeckt alles, was am Feuer gekocht wird außergewöhnlich lecker: Tee oder Punsch, Suppen und Eintöpfe, Pfannkuchen und Stockbrot sind nur einige Dinge, die mit der richtigen Ausrüstung problemlos gelingen.
Kindergartenkinder helfen meist gerne bei den Vorbereitungen und können mit etwas Vorsicht auch schon ihr eigenes Stockbrot backen. Ab dem Schulalter wird in den meisten Montessori-Institutionen auch das Feuermachen gelehrt und viele Kinder beherrschen es schon mit acht oder neun Jahren perfekt (besonders herausfordernd wird es ohne die Verwendung von Papier).
Den Respekt vor dem Feuer lernen die jungen AbenteurerInnen dabei fast automatisch mit.
Einen Unterschlupf für Tiere bauen

Über die Lebensgewohnheiten und das Verhalten von Tieren zu lernen gehört für viele Kinder zum schönsten Aspekt der kosmischen Erziehung. Im Herbst ist genau die richtige Zeit, um sich im Detail anzusehen, wie die verschiedenen Tiere überwintern, und ihnen dann auch gleich dabei zu helfen.
Im eigenen Garten können Laub- und Komposthäufen sowie Stapel aus Ästen und Zweigen zum Unterschlupf für verschiedene Insekten, Schnecken und kleine Säugetiere werden.
Für Igel gibt es spezielle „Pensionen“ aus Holz oder Keramik, die man kaufen oder selber bauen kann; oooooder man baut es einfach selber: Eine Anleitung findest du hier.
Das kannst Du gebrauchen:
- Fertiges Igelhaus
- Anleitung: Igelhaus selber bauen
- Fertiges Insektenhotel mit Innenansicht
Insekten und größere Tiere wie Waschbären oder Eichhörnchen fühlen sich in Totholz besonders wohl, daher lohnt es sich, auch abgestorbene Bäume stehen zu lassen.
Insektenhotels wie dieses hier werden im Winter ebenfalls gerne von Bienen & Co. genutzt. Außerdem ist der Herbst auch genau die richtige Zeit, um eine Futterstation oder ein Häuschen für Vögel zu kaufen oder zu bauen, damit dann den Winter über fleißig gefüttert werden kann.
Vogelfutter selber machen

Wenn die Insekten weniger werden, wird das Futterangebot für Vögel knapp. Eine Futterstelle im Herbst vorzubereiten heißt für Kinder: Sie tun etwas, dessen Wirkung sie den ganzen Winter über beobachten können.
Das Grundrezept ist einfach: Rindertalg oder Kokosfett schmelzen, abkühlen lassen, bis es cremig wird, und dann Körner unterrühren — Sonnenblumenkerne, Haferflocken, Hanfsamen. Die Masse kommt in Tontöpfe, ausgehöhlte Apfelhälften oder einfach an einen Tannenzapfen.
Was nicht hineingehört: Brot, Salziges und Gewürztes. Brot quillt im Magen der Vögel auf, Salz vertragen sie schlecht. Auch das lässt sich Kindern gut erklären — sie merken sich solche Regeln meist besser als Erwachsene.
Aufgehängt wird die Futterstelle katzensicher und mit Blick vom Fenster aus. Dann lohnt sich das Hinsehen auch im Januar noch.
Wer es fester mag, baut ein Häuschen dazu. Als Bausatz wird schon das Zusammenbauen zur Arbeit für das Kind — Schrauben eindrehen, Dach ausrichten, den Platz im Garten aussuchen. Wer viele Vögel erwartet oder das Haus gut einsehbar aufstellen will, nimmt gleich die große Ausführung.
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- Rindertalg oder Kokosfett, Sonnenblumenkerne, Haferflocken
- Tannenzapfen, kleine Tontöpfe oder ausgehöhlte Äpfel
- Schnur zum Aufhängen
Laub rechen und den Garten winterfest machen

Ähnlich wie im Haus halten Kinder auch im Garten gerne Ordnung und helfen oft mit Vergnügen beim Aufräumen mit, und zwar besonders leidenschaftlich in der sensiblen Phase für Ordnung (also im frühen Kindergartenalter).
Dazu ist eigentlich nur Gartenwerkzeug in Kindergröße nötig: Ein Rechen ist ein absolutes Muss, auch Harke und Schaufel sind eine sinnvolle Anschaffung. Im Herbst neigt sich das Gartenjahr zwar dem Ende zu, aber auch nach der letzten Apfel- oder Kohlernte gibt es noch eine ganze Menge zu tun.
Im Gemüsegarten können Kinder Unkraut jäten und dabei helfen, die winterharten Gemüsepflanzen warm einzupacken. Auch Rosenbüsche und andere Sensibelchen müssen für den Winter abgedeckt werden – das können auch die Kleinsten gut nachvollziehen und kümmern sich oft hingebungsvoll um ihre Pflanzenfreunde. Wenn ihr viele Bäume im Garten habt, macht das Laub natürlich einiges an Arbeit, aber auch dabei hilft dein Sohn/deine Tochter wahrscheinlich gerne.
Das könntest Du gebrauchen:
- Schubkarre für Kinder
- Gartenwerkzeug für Kinder
Die Laubhäufen könnt ihr dann den Winter über liegen lassen, damit auch die tierischen Gartenbewohner ein warmes Plätzchen haben. Der Herbst ist außerdem keine schlechte Zeit, um einen Komposthaufen anzulegen. Baumschnitt, Laub und Gras können so gleich sinnvoll verwertet werden, und außerdem ist es einfach faszinierend zu beobachten, wie aus Abfall allmählich wertvolle Pflanzerde wird.
So praktisch all diese Tätigkeiten sind, so viel kann dein Kind auf diesem Wege auch über die Natur lernen.
Naturschätze sammeln und sortieren

Der Herbst ist wohl die Jahreszeit, in der es am Boden am meisten zu entdecken gibt – man muss nur einsammeln, was die Natur uns vor die Füße wirft. Auch wenn man bei kaltem Wetter gerne in Bewegung bleiben möchte, solltet ihr so manchen Spaziergang nur diesem großartigen Universum an Fundsachen widmen.
Von bunten Blättern über Nüsse, Eicheln und Bucheckern bis hin zu trockenen Blüten und Tannenzapfen entgeht Kindern oft kaum etwas von den verschwenderischen Gaben der Natur kurz vor ihrer Winterruhe. Die Beobachtung der Natur verlagert sich im Herbst oft ein wenig von den Prozessen hin zu den Dingen, während alles langsam zum Stillstand kommt.
Das könntest Du gebrauchen:
Das hat den Vorteil, dass das Betrachten und Lernen gut auch zu Hause stattfinden kann. Das gesammelte Material kann zunächst ausgiebig erforscht werden. Kastanien und andere Früchte dürfen ruhig einmal aufgebohrt und genauestens untersucht werden – gerne auch unter der Lupe oder dem Mikroskop.
Und anschließend kann es natürlich zum Basteln oder als Dekoration verwendet werden (Stichwort: Kunst aus Naturmaterialien). Manche Kinder legen auch gerne Sammlungen an, in denen sie ihre wichtigsten Fundstücke sortieren und aufbewahren; dazu eigenen sich besonders gut Boxen oder Vitrinen mit vielen kleinen Fächern wie etwa der Kasten mit 9 Fächern von Montessori Lernwelten – aber auch ein simpler Eierkarton kann denselben Zweck erfüllen.
Damit die Fundstücke zu Hause nicht in einer Kiste verschwinden, bekommen sie einen festen Platz: In unseren 18 Montessori Tablett-Ideen für den Herbst zeigen wir, wie aus gesammelten Kastanien, Eicheln und Blättern eine Übung wird, die Kinder immer wieder holen.
Den Wald lesen lernen

Ein Waldspaziergang verändert sich völlig, sobald ein Kind weiß, wonach es suchen kann. Aus „wir gehen spazieren“ wird eine Expedition: Wer hat diese Nuss angeknabbert? Warum liegt hier eine Feder? Was wächst da an der Rinde?
Kinder im Kindergarten- und frühen Schulalter sind für diese Art des Suchens besonders empfänglich. Sie brauchen dafür kein Vorwissen — es reicht, wenn jemand die richtigen Fragen stellt und gemeinsam mit ihnen nachschaut.
Praktisch sind Karten, auf denen abgebildet ist, was man finden kann. Das Kind sucht, vergleicht und entscheidet selbst, ob es eine Übereinstimmung gefunden hat. Genau diese Selbstkontrolle ist ein Grundgedanke der Montessori-Materialien: Das Kind braucht niemanden, der bestätigt, dass es richtig liegt.
Was ihr findet, muss übrigens nicht mit. Ein Foto oder ein Häkchen auf der Karte reicht — und der Pilz bleibt stehen, wo er hingehört.
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Blätter pressen und bestimmen

Gesammelte Blätter verlieren nach wenigen Tagen ihre Farbe und rollen sich ein — es sei denn, man presst sie. Das ist eine der wenigen Herbstarbeiten, die drinnen stattfindet und trotzdem direkt mit dem Draußen zu tun hat.
Zum Pressen braucht es nichts Besonderes: Zeitungspapier, ein paar schwere Bücher, zwei Wochen Geduld. Kleine Kinder legen die Blätter selbst zurecht, größere führen Buch darüber, wann welches Blatt eingelegt wurde.
Spannend wird es beim Bestimmen. Ahorn, Eiche, Buche, Kastanie — die häufigsten Blattformen lassen sich schon von Vierjährigen sicher unterscheiden, wenn man sie nebeneinanderlegt. Wer mag, klebt die gepressten Blätter anschließend in ein Heft und schreibt den Namen daneben.
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- Zeitungspapier und schwere Bücher
- ein Heft oder Karton zum Aufkleben
Kastanien und Nüsse verarbeiten

Kastanien einsammeln ist das eine — sie danach zu verwenden, das andere. Und genau da wird aus dem Sammeln eine Übung des praktischen Lebens.
Kleine Kinder sortieren: nach Größe, nach Farbe, nach glatt und rau. Sie füllen um, schöpfen mit einem Löffel von einer Schale in die andere, zählen. Das klingt banal, beschäftigt Zweijährige aber erstaunlich lange und schult Hand und Auge gleichzeitig.
Größere Kinder knacken Walnüsse und Haselnüsse. Ein echter Nussknacker gehört dazu — kein Spielzeug, sondern das Werkzeug, das auch Erwachsene benutzen. Das Ergebnis kann direkt gegessen oder in einem Kuchen weiterverarbeitet werden.
Aus den Resten entstehen dann fast von selbst Kastanienmännchen, Ketten aus aufgefädelten Eicheln oder eine Waage, auf der Nüsse gegen Kastanien gewogen werden.
Kastanien schöpfen, Nüsse knacken, Kürbiskerne waschen – für drinnen findest Du diese Übungen ausführlich bei den Tablett-Ideen für den Herbst, jeweils mit Materialliste und passendem Alter.
- zwei Schalen und ein Löffel zum Umfüllen
- ein echter Nussknacker, keine Spielzeugversion
- Ahle oder Handbohrer für Kastanienmännchen, ab etwa 4 Jahren
Ein Apfel- oder Kartoffelfest veranstalten

In vielen Montessorikindergärten und –schulen ist das Kartoffelfest ein Fixpunkt im Herbst; es ersetzt oder ergänzt vielerorts das Erntedankfest und hat sowohl einen praktischen als auch einen feierlichen Aspekt. Wenn eure Familie nicht gerade selbst einen Kartoffelacker oder einen Apfelgarten besitzt, gibt es vielleicht in der näheren Umgebung jemanden, der bei der Ernte etwas Hilfe brauchen kann und als Entschädigung ein paar Kilo der Ausbeute verschenken möchte.
Das könntest Du gebrauchen:
- Gartenwerkzeuge zum Graben
- Eine Kinder Schubkarre
Besonders lustig wird es natürlich, wenn mehrere Familien zusammenhelfen oder ihr zumindest noch einige andere Kinder dazu einladet. Am Kartoffelacker werden grundsätzlich liegengebliebene Kartoffeln eingesammelt, auf der Apfelwiese das Fallobst. Nach getaner Arbeit bereitet man dann gemeinsam einige leckere Gerichte zu, die am besten auch noch draußen verspeist werden.
Das kann zum Beispiel eine dampfende Kartoffelsuppe oder süßes Apfelmus sein; am offenen Feuer können Folienkartoffeln (ergänzt mit einigen leckeren Saucen) oder Bratäpfel zubereitet werden. In einer Zeit, da viele Obst- und Gemüsesorten rund ums Jahr immer verfügbar sind, spüren und lernen Kinder etwas ganz Grundlegendes, wenn sie sich an der jährlichen Ernte beteiligen und auch merken, wie viel Arbeit in die Produktion von Lebensmitteln investiert werden muss.
Und wenn der Winter kommt?
Vieles von dem, was ihr im Herbst gesammelt habt, trägt euch durch den Winter: Kastanien und Nüsse zum Sortieren, gepresste Blätter zum Bestimmen, die Futterstelle vor dem Fenster. Was drinnen weitergeht, braucht dann einen Platz – am besten einen, an den das Kind selbst herankommt. Wie so ein Montessori-Regal aussehen kann, haben wir an anderer Stelle gezeigt.
Und wer im Herbst auf den Geschmack gekommen ist, gemeinsam etwas zu tun, findet in der Küche das ganze Jahr über Gelegenheiten dazu – vom Apfelschneiden bis zum Tischdecken.