Montessori
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Sensible Phasen nach Montessori

Maria Montessori hat beobachtet, dass die Entwicklung des Menschen in verschiedenen Phasen verläuft. Innerhalb dieser Entwicklungsstufen gibt es bestimmte Sensible Phasen.

Sensible Phasen sind Zeiten, in denen der Mensch besonders offen und empfänglich (aufnahmebereit) ist, eine bestimmte Fähigkeit zu erwerben. In dieser Zeit gelingt es ohne grosse Anstrengung, mit Leichtigkeit, etwas zu lernen, wenn entsprechend die Gelegenheit dazu gegeben wird. Zu einem anderen Zeitpunkt würde das Kind das Gleiche mit sehr viel grösserem Aufwand und weniger Freude lernen müssen.

Kennzeichen einer sensiblen Phase ist die selektive Wahrnehmung, die dem/der Lernenden die notwendigen “Dinge” ins Blickfeld rückt. Montessori vergleicht die Sensible Phase mit einem einzelnen Scheinwerfer, der die Bühne beleuchtet. So wie in diesem Lichtkegel alles klar und deutlich gesehen werden kann und der Rest eher im Halbschatten verbleibt, beleuchtet die selektive Wahrnehmung alles, was für den Entwicklungsschritt notwendig ist.

Da Kinder ja nicht kognitiv über diese Erkenntnis verfügen, kein Kind uns sagen: “Mami, zur Perfektionierung meines Gleichgewichtssinns, muss ich jetzt da mehrmals drüber balancieren.”, stellt sich die Frage:

Wie können Sensible Phasen erkennt werden?

Die Zeit von der Geburt bis zum 6. Lebensjahr ist geprägt von der Entwicklung der basalen Fähigkeiten. Der Säugling, der in neun Monaten im Mutterleib bereits eine Fülle an Fähigkeiten erworben hat, steht am Beginn aller wichtiger Dinge, die er als Erwachsener einmal brauchen wird. Seine Sinne und seine motorischen Fähigkeiten warten darauf, jeden Tag ein wenig zu wachsen und reifen zu können. Übertroffen wird dies nur von seinem unendlichen Bedürfnis nach Liebe, Schutz, Geborgenheit, Wärme und Nahrung. Sind diese Bedürfnisse ausreichend erfüllt, nützt es seine Zeit zum ständigen Lernen.

Die wesentlichen Sensiblen Phasen im Alter von 0-3:

Bewegung
In dieser Zeit steht vor allem die Hand-Hand, sowie die Hand-Auge-Koordination im Vordergrund. Außerdem nimmt das Kind Dinge und Personen, die in Bewegung sind, besonders wahr.

Ordnung
Das Kind entwickelt ein besonderes Bedürfnis nach Orientierung. Es ist empfänglich für gewisse Ordnung, z.B. für Regeln und Rituale die wiederkehren und auch Ordnung hinsichtlich, dass gewisse Dinge ihren festen Platz haben.

Die Dinge in der Umgebung sollen so geordnet sein, dass sie einen festen Platz haben. Das hilft dem Kind, die Lage der Gegenstände im Raum zu erkennen und sich an die Stelle zu erinnern, wo jedes Teil sich befindet. In einer klaren räumlichen Ordnung ist es leichter eine Beziehung zwischen den Dingen herzustellen. Es kann sich beim Erforschen der Umgebung zunehmend leichter zurecht finden. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Kind von sich aus Ordnung hält, im Sinne von ordentlich sein.

Durch Rituale und Klarheit in Bezug auf Raum und Zeit, lernt das Kind das anfängliche Chaos der unbewusst absorbierten Eindrücke (siehe auch: absorbierender Geist), zu ordnen und so immer mehr von der äusseren zur inneren Ordnung zu finden. Es erfährt Halt, Sicherheit und Orientierung, die es für seine Entwicklung braucht. Gerade deshalb ist es in dieser Zeit sehr wichtig, darauf zu achten, die Kinder an Regeln und Grenzen im täglichen Miteinander heran zu führen. In diesem Alter sind Kinder besonders aufgeschlossen und dankbar für Wegweiser, die wir ihnen als verantwortungsvolle Erwachsene zeigen.

Sprache
In der ersten Phase (0-3 Jahre), absorbiert das Kind die Sprache unbewusst. In dieser Phase ist daher nicht nur das Aufnehmen der gesprochenen Sprache durch den Gehörsinn von Bedeutung, sondern auch die visuelle Beobachtung des Sprechenden durch das Kind.

Mathematische Grunderfahrungen
Durch die Entwicklung und Erfahrung des eigenen Körpers, der immer bewusster wahr genommen wird, macht das Kind erste mathematische Erfahrungen: Ich habe 1 Nase, 2 Hände, 2 Füsse, 10 Finger etc.

Eine bewusste Körperwahrnehmung ist Grundlage für das Erlernen und Beherrschen von späteren mathematischen Kompetenzen.

Der Absorbierende Geist
Der Begriff “Absorbierender Geist” wurde von Maria Montessori geprägt. Beschrieben wird damit die unbewusste und unfiltrierte Aufnahme von Eindrücken aus der Umgebung. Vergleichbar mit einem Schwamm der alles aufsaugt.

Beispiel der Sensiblen Phase für das Laufen lernen:

Gesteuert durch den inneren Antrieb und Ansporn hat jedes Kind den Willen Laufen zu lernen. Es wird in mit Energie und unbeirrbarer Ausdauer von sich aus üben. Die Kinder probieren solange bis sie endlich geschafft haben, was schon in ihnen verankert ist: genau zu dieser Zeit das Laufen zu lernen.

Sie üben unablässig ihre Wahrnehmung (wo kann ich mich zum Hochziehen festhalten) und die Grob- und Feinmotorik (Arm-, Bein-, Fingermuskulatur), bis sie die Bewegungen koordinieren können und sich diese automatisiert haben.

Sie erforschen somit ihre Umwelt und bauen eine Vorstellung von den Dingen auf. Die Welt wird be-griffen – vom Greifen zum Be-Greifen. All diese Übungen bedeuten Entwicklung, zunehmende Selbständigkeit und Unaghängigkeit.

Kinder werden nicht müde immer wieder aufzustehen wenn sie fallen, ausser Eingriffe von aussen wirken ein, etwas ständiges Helfen, festhalten, tragen. Das stört die natürliche Entwicklung des Kindes.

Der genaue Zeitpunkt für das Auftreten einer Sensiblen Phase ist individuell – Jedes Kind ist anders und jedes Kind hat sein eigenes Lern- und Entwicklungstempo.

Beim Laufen lernen bedeutet dies bspw., dass nicht jedes Kind bis zu einem bestimmten Lebensmonat laufen kann. Ein Kind tut dies früher, ein anderes später. Trotzdem wird es Laufen lernen. Voraus gesetzt es ist körperlich und geistig dazu in der Lage.

Angebote die diese Sensible Phase unterstützen:

  • Dem Kind Möglichkeiten schaffen, sich gefahrlos an Dingen hochzuziehen
  • Den Entwicklungsverlauf nicht vorwegnehmen – Vom Drehen auf Bauch und Rücken, über das Robben und Krabbeln, hin zum Sitzen und erst dann zum Aufstehen.
  • Dem Kind Gelegenheit geben, wenn es fällt, selbst wieder aufzustehen
  • Nicht nur ebene Strecken zumuten, auch Hügelchen erklimmen lassen
  • Klettern, Kullern, Rutschen ermöglichen

Sensible Phasen im Alter von 3-6 Jahren:

Bewusstseins-Entwicklung
Die Entwicklung des Bewusstseins durch Aktivitäten in der Umgebung (Begreifen durch “Greifen”, Vesrtehen durch “Handeln”). Das Kind nimmt seine Umwelt immer bewusster wahr. Es entdeckt die Unterschiede im Naturkreislauf. Es setzt mit der Umwelt auseinander.

Vervollkommnung
In dieser Sensiblen Phase vervollkommnet es seine Sprache mehr und mehr. Die Sprache wird differenzierter, der Wortschatz erweitert sich, Ausdruck und Aussprache perfektionieren sich.

Dasselbe gilt für die Bewegung: Sie wird zielgerichteter, die Grobmotorik festigt sich, die Feinmotorik bildet sich weiter aus.

Das Kind ist jetzt noch empfänglicher für eine äussere Ordnung. Gegenstände haben ihren ganz bestimmten Platz. Das Kind übernimmt schon kleinere Aufgaben und Arbeiten. Es hilft gerne in Haus und Garten mit.

Die mathematischen Grunderfahrungen erweitern sich: es ordnet zu, paart, sortiert, reiht, kategorisiert etc.

In dieser Zeit zeigt das Kind meist grosses Interesse am Scheiben und später Lesen.

Die Entwicklung sozialer Fähigkeiten
Erste festere Freundschaften bilden sich. Kinder, die bereits in Kindergruppen sind, entwickeln ein erstes Zusammengehörigkeitsgefühl. Diese Phase ist bei Kindern, die schon vor dem 3. Lebensjahr regelmässig eine kleine Gruppe besuchen, wesentlich früher erkennbar (meist ab 2 1/2 Jahren).

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monty

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