Ein Lerntablett ist nichts Kompliziertes: ein Tablett, darauf genau eine Aufgabe mit allem, was dazugehört. Zwei Schalen und ein Löffel. Zahlenkarten und Wäscheklammern. Das Kind holt es sich aus dem Regal, arbeitet daran, so lange es will, räumt es auf und stellt es zurück. Weil alles an seinem Platz liegt, braucht es dafür niemanden – und genau das ist der Punkt.
In der Vorschulzeit werden diese Tabletts oft plötzlich sehr beliebt. Die Kinder spüren selbst, dass sich etwas ankündigt, und wollen Aufgaben, die nach etwas aussehen. Nur entsteht das, was die Schule wirklich verlangt, selten am Arbeitsblatt: eine kräftige Hand, ein Blick, der Formen unterscheidet, die Geduld, an einer Sache zu bleiben. Das wächst an konkreten Dingen, die Widerstand leisten und die man anfassen kann.
Die folgenden zwölf Tabletts sind nach vier Bereichen sortiert: Zahlen und Mengen, die Schreibhand, das genaue Sehen und die Ausdauer. Fast alles dafür liegt schon bei Dir herum – Eierkartons, Wäscheklammern, Grieß, Knöpfe, Eisstäbchen. Zu jedem Tablett steht dabei, was das Kind dabei tatsächlich übt und wie Du es schwerer machst, wenn die Übung zu leicht wird.
Zahlen und Mengen
In der Vorschulzeit geht es noch nicht ums Rechnen, sondern um etwas Einfacheres und Wichtigeres: Eine Sieben ist kein Kringel auf dem Papier, sondern sieben Dinge, die man anfassen kann. Diese drei Tabletts bringen Ziffer und Menge zusammen.
Wäscheklammern an die Zahl

Auf dem Tablett liegen Karten mit den Ziffern von eins bis zehn, daneben eine Schale voller Holzwäscheklammern. Das Kind nimmt eine Karte, schaut sich die Zahl an und klemmt so viele Klammern an den Kartenrand, wie die Ziffer sagt.
Damit das ohne Erwachsenen funktioniert, male auf die Rückseite jeder Karte die passende Anzahl Punkte. Wer unsicher ist, dreht um, zählt nach und dreht wieder zurück. Das Kind holt sich seine Bestätigung selbst und muss dafür niemanden fragen.
- Ein Tablett mit erhöhtem Rand
- Zehn feste Karten aus Karton mit großen Ziffern
- Auf der Rückseite dieselbe Anzahl gemalter Punkte
- Rund 55 Holzwäscheklammern
- Eine flache Schale für die Klammern
Das übt Dein Kind dabei
Eine Wäscheklammer aufzudrücken verlangt Daumen, Zeige- und Mittelfinger gleichzeitig – exakt die drei Finger, die später den Stift halten. Kinder, die viel klammern, bekommen die Kraft dafür nebenbei, ohne je einen Stift in der Hand gehabt zu haben.
Was man dem Tablett nicht ansieht: Das Kind übersetzt hier ein Symbol in eine Menge, und das ist ein großer gedanklicher Schritt. Die gemalte Vier auf der Karte hat nichts mit vier Klammern zu tun, außer dass wir es so vereinbart haben. Genau diese Vereinbarung begreift das Kind beim Tun.
Wenn es zu leicht wird: Dreh die Aufgabe um: Schreib die Ziffern auf die Klammern und male die Punktemengen auf die Karten. Oder leg Karten mit den Zahlen elf bis zwanzig dazu, dann muss das Kind beim Zählen über den Zehner hinweg.
Ziffern mit Knete auslegen

Male die Ziffern groß auf Kartonkarten, jede einzeln, mit einem dicken Stift. Das Kind rollt aus Knete dünne Würste und legt sie auf die Linie, bis die Zahl vollständig ausgefüllt ist.
Setz an jeden Zahlanfang einen kleinen roten Punkt. Er sagt dem Kind, wo es beginnt – und zwar dort, wo auch der Stift später ansetzt. Ohne diesen Punkt legen Kinder die Vier gern von unten nach oben, und das gewöhnt man ihnen später mühsam wieder ab.
- Karton oder feste Karteikarten in DIN A5
- Ein dicker schwarzer Filzstift für die Ziffern
- Ein roter Punkt als Startmarkierung auf jeder Karte
- Knete in einer Dose
- Ein Tablett, auf dem eine Karte samt Knetdose Platz hat
Das übt Dein Kind dabei
Knete rollen ist harte Arbeit für die flache Hand und den Handballen. Wer eine gleichmäßig dünne Wurst hinbekommt, dosiert seinen Druck – dieselbe Dosierung entscheidet später darüber, ob ein Kind das Papier durchdrückt oder kaum eine Spur hinterlässt.
Weniger offensichtlich ist, dass die Ziffer beim Legen im Körper hängen bleibt. Das Kind fährt die Form langsam ab, spürt die Kurve der Zwei und die Ecke der Sieben. Wenn es die Zahl Wochen später schreiben soll, erinnert sich nicht nur das Auge, sondern auch die Hand an den Weg.
Wenn es zu leicht wird: Nimm die Karte weg und lass das Kind die Ziffer frei auf das Tablett legen. Oder leg neben die fertige Zahl die passende Menge Knetkugeln – drei Kugeln neben die Drei.
Perlen auffädeln nach Zahl

Auf dem Tablett liegen Zahlenkarten, eine Schale mit Holzperlen und ein paar Pfeifenputzer. Das Kind zieht eine Karte und fädelt genau so viele Perlen auf, wie darauf steht. Am Ende wird der Pfeifenputzer umgebogen, damit nichts herunterrutscht.
Wenn mehrere fertige Schnüre nebeneinander auf dem Tablett liegen, entsteht ganz von selbst das nächste Gespräch: Welche ist am längsten? Warum ist die mit der Acht länger als die mit der Fünf? Du musst nichts erklären, das Kind sieht es.
- Pfeifenputzer oder feste Schnürsenkel mit hartem Ende
- Holzperlen mit großem Loch
- Zahlenkarten von eins bis zehn
- Eine Schale für die Perlen
- Ein Tablett mit Rand, damit nichts wegrollt
Das übt Dein Kind dabei
Auffädeln ist eine der wenigen Übungen, bei denen beide Hände etwas Verschiedenes tun müssen: Eine hält den Draht ruhig, die andere führt die Perle heran und trifft das Loch. Diese Arbeitsteilung zwischen Halte- und Führhand braucht ein Kind später bei jedem Blatt, das es mit einer Hand festhält und mit der anderen beschreibt.
Der zweite, unsichtbare Teil steckt im Zählen. Weil jede Perle einzeln durch die Finger geht, kann das Kind nicht raten oder schätzen. Es zählt zwangsläufig eins zu eins mit – und merkt sofort, wenn es sich verzählt hat, weil die Perlen in der Hand nicht aufgehen.
Wenn es zu leicht wird: Gib ein Muster vor: abwechselnd rot und blau, immer zwei gleiche hintereinander. Oder lass das Kind zwei Schnüre machen und den Unterschied mit dem Finger abzählen.
Die Schreibhand vorbereiten
Bevor ein Kind einen Stift sicher führt, braucht die Hand Kraft, Ausdauer und einen verlässlichen Griff. Nichts davon entsteht am Arbeitsblatt. Hier arbeitet die Hand an Material, das Widerstand leistet – und keines der drei Tabletts sieht nach Üben aus.
Schwünge in der Grießschale

Streu in eine flache Schale oder ein Backblech eine dünne Schicht Grieß, gerade so viel, dass der Boden bedeckt ist. Daneben liegen Karten mit Schwungmustern: Wellen, Schlaufen, Zacken, Spiralen. Das Kind sucht sich eine Karte und zieht das Muster mit dem Zeigefinger in den Grieß.
Danach hebt es die Schale kurz an, schüttelt einmal – und die Fläche ist wieder glatt. Genau dieses Zurücksetzen macht die Übung so beliebt. Kinder, die sich auf Papier nicht trauen, malen im Grieß ohne zu zögern.
- Eine flache Schale oder ein Backblech mit Rand
- Zwei Handvoll Grieß, Mehl oder feiner Sand
- Sechs Karten mit einfachen Schwungmustern
- Ein kleiner Handfeger für das, was danebengeht
Das übt Dein Kind dabei
Der Grieß leistet Widerstand, und der Finger spürt sofort, ob er zu fest drückt oder zu leicht gleitet. Diese Rückmeldung fehlt beim Stift auf Papier fast völlig. Nebenbei kommt die Bewegung aus dem ganzen Arm statt nur aus den Fingern – große Schwünge vor kleinen, so herum lernt die Hand.
Der eigentliche Gewinn ist aber, dass es hier keinen Fehler geben kann. Nichts bleibt stehen, nichts muss ausradiert werden, keine misslungene Zeile schaut das Kind vorwurfsvoll an. Unter dieser Bedingung arbeiten Kinder mutiger und wiederholen viel häufiger – und Wiederholung ist genau das, was die Schreibbewegung braucht.
Wenn es zu leicht wird: Lass das Kind mit dem stumpfen Ende eines Pinsels statt mit dem Finger arbeiten, das kommt der Stifthaltung näher. Später die Buchstaben des eigenen Vornamens, einer nach dem anderen.
Schneidestreifen mit Linien

Schneide Papier in Streifen von etwa fünf Zentimetern Breite und zeichne quer darüber Linien: auf den ersten gerade, auf den nächsten Zickzack, auf den schwersten weiche Wellen. Das Kind schneidet die Linien nach, die Schnipsel wandern in eine kleine Dose.
Wirf die Schnipsel nicht weg. Aus ihnen wird am nächsten Tag ein Gesicht geklebt, ein Mosaik, ein Baum. Kinder schneiden deutlich sorgfältiger, wenn sie wissen, dass das Ergebnis noch gebraucht wird.
- Papierstreifen, auf denen quer gerade, gezackte und gewellte Linien aufgemalt sind
- Eine Kinderschere mit stumpfen Spitzen
- Eine kleine Dose oder Schale für die Schnipsel
- Ein Tablett, damit die Streifen an einem Ort bleiben
- Wahlweise Klebestift und ein Blatt für eine Collage
Das übt Dein Kind dabei
Beim Schneiden macht jede Hand etwas anderes: Die eine öffnet und schließt die Schere in einem gleichmäßigen Rhythmus, die andere dreht das Papier so, dass die Linie immer vor der Schere liegt. Das Drehen ist der Teil, den Kinder am längsten üben – viele schneiden zunächst nur geradeaus und wandern mit dem ganzen Körper um das Papier herum.
Was diese Übung von den meisten anderen unterscheidet: Ein Schnitt ist endgültig. Man kann ihn nicht zurücknehmen, wie man eine Klammer wieder abnimmt. Kinder merken das schnell und werden von allein langsamer – die Schere erzieht zur Konzentration, ohne dass jemand dazu etwas sagen muss.
Wenn es zu leicht wird: Male Formen statt Linien auf: erst ein großes Quadrat, dann einen Kreis, zuletzt einen Stern mit Innenecken. Der Kreis ist schwerer als er aussieht, weil das Papier ständig gedreht werden muss.
Äpfel sticken

Zeichne auf ein Stück feste Pappe oder auf Stickgaze im Rahmen einen kahlen Baum. In die Krone stichst Du vorher zwanzig bis dreißig Löcher. Das Kind nimmt eine stumpfe Wollnadel mit rotem Faden und setzt in jedes Loch einen Stich.
Nach einer Weile hängt der Baum voller roter Punkte. Kinder arbeiten daran erstaunlich lange, oft über mehrere Tage hinweg – lass das begonnene Werk deshalb einfach auf dem Tablett liegen, statt es abends abzuräumen.
- Ein Stickrahmen mit grober Gaze oder ein Stück feste Pappe
- Ein aufgezeichneter kahler Baum
- Vorgestochene Löcher in der Baumkrone
- Eine stumpfe Wollnadel
- Rote Wolle, in armlange Stücke geschnitten
Das übt Dein Kind dabei
Beim Sticken verschwindet die Hand unter dem Material. Das Auge sieht das Loch, aber die Nadel muss unten blind wieder gefunden werden. Das Kind arbeitet also einen Moment lang nur mit dem Tastsinn – eine Erfahrung, die es sonst kaum macht und die die Fingerspitzen aufmerksamer werden lässt.
Der zweite Gewinn liegt in der Wartezeit. Nach jedem Stich muss der ganze Faden durchgezogen werden, und das dauert. Es gibt keine Abkürzung, kein Schneller. Kinder, die das eine halbe Stunde lang durchhalten, haben etwas geübt, das sich mit keinem Spiel erzwingen lässt: Sie bleiben bei einer Sache, obwohl sie langsam vorangeht.
Wenn es zu leicht wird: Lass das Kind die Löcher selbst vorstechen – mit einer Prickelnadel auf einer Korkunterlage, entlang einer Linie, die es vorher gemalt hat. Danach sticken andere Kinder auf seiner Vorlage.
Sehen, ordnen, vergleichen
Wer später b von d unterscheiden soll, muss vorher gelernt haben, dass die Lage einer Form etwas bedeutet. Bei diesen Tabletts sortiert, ordnet und vergleicht das Kind – und schult dabei genau den Blick, den Lesen und Schreiben verlangen.
Sortieren im Eierkarton

Klebe oder male in jede Mulde eines Eierkartons einen Farbpunkt, zwei Mulden pro Farbe. Daneben steht eine Schale mit gemischten Knöpfen, Perlen oder kleinen Bausteinen. Das Kind sortiert alles in die passenden Mulden, bis die Schale leer ist.
Nimm nicht zu viele Farben auf einmal. Vier reichen für den Anfang, sechs sind für Vorschulkinder gut, mehr wird zur Fleißarbeit. Die Sachen dürfen ruhig unterschiedlich groß und geformt sein – das macht die Übung sogar besser.
- Ein Eierkarton für zwölf Eier
- Klebepunkte oder Filzstifte in vier bis sechs Farben
- Eine Schale mit gemischten Knöpfen, Perlen oder Bausteinen
- Ein Tablett, auf dem beides nebeneinander passt
Das übt Dein Kind dabei
Sortieren klingt banal, verlangt vom Kind aber eine echte Entscheidung: Es muss sich auf ein Merkmal festlegen und alle anderen übergehen. Wenn ein roter Knopf und ein roter Baustein in dieselbe Mulde gehören, obwohl sie ganz verschieden aussehen, dann hat das Kind verstanden, dass hier die Farbe zählt und nicht die Form. Das ist der Anfang jeder Ordnung, später auch der im Kopf.
Beobachte, wie ein Kind vorgeht, wenn es die Übung zum dritten Mal macht. Am Anfang greifen fast alle blind in die Schale und suchen dann die passende Mulde. Irgendwann kippt es: Das Kind fischt gezielt erst alle roten heraus, dann alle blauen. Es hat sich eine Strategie gebaut, ohne dass jemand ihm eine gezeigt hätte.
Wenn es zu leicht wird: Sortiere nach zwei Merkmalen gleichzeitig – große rote Knöpfe in die eine Mulde, kleine rote in die andere. Oder schreib Zahlen an die Mulden, dann muss die Anzahl stimmen und nicht die Farbe.
Handumrisse mit Farbklammern

Leg Deine Hand auf Pappe, fahre sie mit dem Stift nach und schneide den Umriss aus. Auf jede Fingerspitze kommt ein anderer Farbpunkt. Das Kind sucht aus einer Schale die passende Wäscheklammer und klemmt sie auf den richtigen Finger.
Mach drei oder vier solcher Hände mit unterschiedlicher Farbreihenfolge, dann kann das Kind nicht auswendig lernen, sondern muss jedes Mal neu hinschauen. Fast alle legen irgendwann ihre eigene Hand daneben und vergleichen – lass sie, das gehört dazu.
- Feste Pappe und ein Stift zum Umfahren
- Eine Schere für die Umrisse
- Farbige Klebepunkte oder Filzstifte für die Fingerspitzen
- Wäscheklammern in denselben Farben
- Eine Schale und ein Tablett
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind arbeitet die fünf Finger der Reihe nach ab und muss dabei die Stelle behalten, an der es gerade war. Diese Ordnung von einer Seite zur anderen ist noch nicht selbstverständlich – viele Vierjährige springen und übersehen dann einen Finger. Genau das fällt hier sofort auf, weil eine Fingerspitze leer bleibt.
Der unauffällige Teil ist die Sprache. Kaum ein Kind macht dieses Tablett schweigend. Es sagt Daumen, sagt der kleine hier, legt die eigene Hand daneben, zählt. Wenn Du dabeisitzt und die Namen beiläufig mitsprichst, lernt es Daumen, Zeigefinger und Ringfinger, ohne dass es je eine Übung dazu gebraucht hätte.
Wenn es zu leicht wird: Ersetz die Farbpunkte durch die Ziffern eins bis fünf, dann klemmt das Kind nummerierte Klammern an. Oder gib ihm Punkte und Stift und lass es selbst eine Hand für ein anderes Kind vorbereiten.
Muster mit Eisstäbchen nachlegen

Male auf kleine Karten Muster aus zwei bis vier farbigen Strichen: ein Kreuz, ein Dach, ein liegendes V, einen Zickzack. Daneben liegen Eisstäbchen in denselben Farben. Das Kind zieht eine Karte und legt das Muster darunter nach.
Fang mit zwei Stäbchen an. Der Unterschied zwischen einem Strich, der nach rechts kippt, und einem, der nach links kippt, ist für viele Fünfjährige noch keine Selbstverständlichkeit. Erst wenn das sitzt, lohnen sich drei und vier Stäbchen.
- Holz-Eisstäbchen, mit Filzstift in vier Farben angemalt
- Kleine Karten mit aufgemalten Mustern
- Eine flache Schale für die Stäbchen
- Ein Tablett mit genug Fläche zum Legen
Das übt Dein Kind dabei
Hier geht es um die Lage im Raum. Ein schräger Strich nach links und einer nach rechts bestehen aus demselben Material und sehen trotzdem verschieden aus – wer das nicht zuverlässig unterscheidet, verwechselt später b und d, p und q. Das Tablett übt diese Unterscheidung an Stäbchen, wo sie noch keine Folgen hat.
Nebenbei lernt das Kind etwas, das für die Schule fast noch wichtiger ist: hin und her zu schauen. Blick auf die Karte, Blick auf das eigene Muster, wieder zurück, prüfen. Genau diese Bewegung braucht es später beim Abschreiben von der Tafel, und sie fällt Kindern schwer, die sie nie geübt haben.
Wenn es zu leicht wird: Lass das Kind die Karte zehn Sekunden anschauen und dann umdrehen – gelegt wird aus dem Gedächtnis. Oder gib zwei Karten gleichzeitig, die nebeneinander nachgelegt werden müssen.
Ausdauer und Konzentration
Die Fähigkeit, zwanzig Minuten an einer Sache zu bleiben, ist das, was Erzieherinnen und Lehrerinnen im ersten Schuljahr am meisten vermissen. Sie lässt sich nicht ermahnen, nur üben – an Aufgaben, die so gut sind, dass ein Kind von selbst dranbleibt.
Schatzsuche in der Sandwanne

Füll eine flache Wanne mit Sand, Salz oder Grieß und vergrabe darin acht bis zehn kleine Gegenstände: Glasnuggets, Muscheln, Knöpfe, eine Büroklammer, einen kleinen Schlüssel. Dazu legst Du ein kleines Sieb und eine Schale für die Funde.
Der entscheidende Teil ist die Karte daneben, auf der alle versteckten Dinge abgebildet sind. Ohne sie wühlt ein Kind ein paar Minuten und ist fertig. Mit ihr wird aus dem Wühlen eine Aufgabe, die erst endet, wenn wirklich alles gefunden ist.
- Eine flache Wanne oder ein tiefes Tablett
- Sand, feines Salz oder Grieß
- Acht bis zehn kleine, gut unterscheidbare Gegenstände
- Ein kleines Küchensieb oder ein Löffel
- Eine Schale für die Funde und eine Karte mit allen abgebildeten Dingen
Das übt Dein Kind dabei
Sieben ist eine erstaunlich genaue Bewegung. Zu schnell, und der halbe Sand landet neben der Wanne; zu langsam, und nichts fällt durch. Das Kind reguliert sein Handgelenk fortlaufend nach – und entdeckt dabei, dass sich manche Dinge auch blind ertasten lassen, ohne dass es hinsieht.
Was das Tablett heimlich trainiert, ist das Behalten. Das Kind muss immer wieder zur Karte zurückschauen, abgleichen, was schon in der Schale liegt, und sich merken, wonach es noch sucht. Diese Art, ein Ziel im Kopf zu halten, während die Hände etwas anderes tun, ist genau die Fähigkeit, die im ersten Schuljahr bei mehrteiligen Aufgaben gebraucht wird.
Wenn es zu leicht wird: Vergrab Buchstaben- oder Zahlenplättchen statt der Gegenstände. Das Kind legt die Funde sortiert nebeneinander – der Reihe nach oder zum eigenen Namen zusammengeschoben.
Symbole suchen und abdecken

Male auf ein Blatt Papier ein Raster aus etwa fünfzig Feldern und verteile darin bunt durcheinander vier einfache Zeichen: einen Punkt, ein Kreuz, eine Welle, ein Dreieck. Steck das Blatt in eine Klarsichthülle, dann hält es länger.
Das Kind zieht ein Kärtchen mit einem der vier Zeichen und legt auf jedes passende Feld einen Muggelstein. Wenn es meint, fertig zu sein, geht es das Blatt noch einmal Zeile für Zeile durch. Fast immer findet es dabei noch eines.
- Ein Blatt Papier mit einem selbstgemalten Raster aus etwa fünfzig Feldern
- Vier einfache Zeichen, gemischt in die Felder verteilt
- Eine Klarsichthülle als Schutz
- Vier Kärtchen mit je einem der Zeichen
- Eine Handvoll Muggelsteine oder Wendeplättchen
Das übt Dein Kind dabei
Ein Blatt systematisch abzusuchen muss man lernen. Kinder springen anfangs kreuz und quer und übersehen die Hälfte. Wer merkt, dass es leichter geht, wenn man Zeile für Zeile arbeitet, hat die Grundbewegung gefunden, mit der später auch eine Textzeile gelesen wird.
Der schwierigere Teil ist unsichtbar: Das Kind muss ein Zeichen im Kopf behalten und alle anderen übergehen, obwohl sie auffällig danebenliegen. Diese Fähigkeit, etwas Interessantes bewusst nicht zu beachten, ist der Kern von Konzentration – und sie ist bei jedem Kind unterschiedlich weit, ganz unabhängig davon, wie klug es ist.
Wenn es zu leicht wird: Zwei Zeichen gleichzeitig suchen, mit zwei Farben Plättchen. Oder eine Sanduhr danebenstellen und das Kind gegen die eigene Zeit vom letzten Mal antreten lassen, nicht gegen ein anderes Kind.
Murmelbahn im Kartondeckel

Auf dem Tablett liegen ein Schuhkartondeckel und eine Schale mit Naturmaterial: Rindenstücke, kurze Zweige, Korken, halbe Walnussschalen. Das Kind legt daraus schräge Rampen in den Deckel, stellt ihn auf und lässt eine Murmel von oben laufen.
Erst wird nur gelegt und getestet, immer wieder. Geklebt wird zuletzt, wenn die Bahn steht – bei Heißkleber übernimmst Du das, doppelseitiges Klebeband kann das Kind selbst. Wer zu früh klebt, verliert die Möglichkeit, etwas zu ändern, und das ist der interessanteste Teil der Arbeit.
- Ein Schuhkartondeckel
- Rindenstücke, kurze Zweige, Korken, halbe Walnussschalen
- Zwei oder drei Murmeln
- Doppelseitiges Klebeband oder Heißkleber für den letzten Schritt
- Eine Schale für das Material
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind stellt hier eine Vermutung auf und prüft sie sofort: Wenn ich die Rinde so lege, rollt die Murmel bis dorthin. Meistens stimmt es beim ersten Mal nicht – die Schräge ist zu flach, der Abstand zu groß. Es korrigiert und probiert erneut. Diese Schleife aus Idee, Test und Änderung ist Naturwissenschaft im Kleinen, lange bevor sie so heißt.
Was Erwachsene daran oft übersehen: Kaum ein Kind baut so eine Bahn schweigend. Es erklärt, warum die Murmel liegenbleibt, sagt, dass die Rinde zu gerade liegt, holt sich Rat. Das Tablett ist damit auch ein Sprachanlass, und zwar für die schwierige Sorte Sätze, die eine Begründung enthalten.
Wenn es zu leicht wird: Stell eine kleine Dose ans Ende der Bahn, die getroffen werden muss. Oder gib zwei Murmeln unterschiedlicher Größe – die schwere braucht eine andere Schräge als die leichte.
Damit ein Lerntablett auch benutzt wird
Ein Tablett, eine Aufgabe. Das ist die wichtigste Regel und die, gegen die am häufigsten verstoßen wird. Sobald auf einem Tablett zwei Dinge gleichzeitig möglich sind, verliert es seine Klarheit, und das Kind fängt an zu wechseln, statt zu bleiben. Alles, was gebraucht wird, gehört drauf – auch der kleine Handfeger für den Reis, der danebengeht.
Führe ein neues Tablett einmal in Ruhe vor. Setz Dich neben das Kind, nicht gegenüber, und mach die Übung langsam einmal vor, ohne dabei zu erklären. Worte und Bewegung gleichzeitig sind für ein Vierjähriges zu viel; es schaut dann auf Deinen Mund statt auf Deine Hände. Danach schiebst Du das Tablett hinüber und gehst weg.
Sechs bis acht Tabletts im offenen Regal auf Kinderhöhe reichen völlig. Alles andere bleibt im Schrank und kommt später wieder. Wenn ein Tablett zwei Wochen lang niemand mehr angefasst hat, tausch es aus – und stell es in zwei Monaten noch einmal hin, oft ist es dann wieder interessant.
Korrigiere nicht mit. Wenn ein Kind die Klammern an die falsche Zahl steckt, sag nichts, sondern merk Dir, dass die Kontrollpunkte auf der Rückseite noch fehlen oder dass die Übung noch zu schwer ist. Das Material soll den Fehler zeigen, nicht Du. Ein Kind, das seinen Fehler selbst findet, macht weiter; eines, das verbessert wird, hört auf.
Zum Tablett gehört das Aufräumen. Reis zurück in die Schale, Klammern in die Dose, Tablett ins Regal – so, wie das nächste Kind es vorfinden soll. Das ist kein Ordnungsdrill, sondern der Teil, in dem eine Arbeit für das Kind ein Ende bekommt. Ohne diesen Abschluss bleibt jedes Tablett unfertig, egal wie gut vorher gearbeitet wurde.
Häufige Fragen
Ab wann lohnen sich Lerntabletts?
Ab etwa zwei Jahren, dann allerdings mit sehr einfachen Übungen: schütten, löffeln, sortieren. Die Tabletts in diesem Artikel sind für die Zeit ab vier gedacht, wenn Kinder ein Ergebnis anstreben und eine Aufgabe zu Ende bringen wollen. Das Alter ist immer nur ein Anhaltspunkt – entscheidend ist, ob Dein Kind die Bewegung schon schafft, ohne dass Du helfen musst.
Wie viele Tabletts sollen gleichzeitig zur Auswahl stehen?
Sechs bis acht. Bei mehr Auswahl beginnen Kinder zu wandern: Sie holen etwas, machen zwei Griffe, stellen es zurück und holen das nächste. Weniger im Regal führt fast immer zu längeren Arbeitsphasen. Wechsle lieber häufiger einzelne Tabletts aus, als alles gleichzeitig anzubieten.
Mein Kind macht dasselbe Tablett zwanzigmal hintereinander. Ist das in Ordnung?
Das ist sogar das beste Zeichen, das es gibt. Wiederholung heißt, dass die Aufgabe genau richtig liegt – nicht zu leicht, nicht zu schwer. Unterbrich das nicht mit Lob oder mit einem Vorschlag für etwas Neues. Erst wenn die Übung flüssig und ohne Anstrengung läuft und das Kind sichtbar gelangweilt ist, kommt die Steigerung dazu.
Braucht ein Vorschulkind nicht auch Arbeitsblätter?
Ein paar Schwungübungen auf Papier schaden nicht, und viele Kinder mögen sie. Nur ersetzen sie nichts. Ein Kind, dessen Hand am Grieß, an der Schere und an der Wäscheklammer kräftig geworden ist, füllt ein Arbeitsblatt später mühelos aus. Umgekehrt funktioniert es nicht: Von Blättern allein wird keine Hand stark.
Was mache ich, wenn das Material zweckentfremdet wird?
Erst einmal zuschauen. Wenn aus den Wäscheklammern Krokodile werden, ist das Spiel und völlig in Ordnung – aber dann gehört es an den Tisch oder auf den Teppich, nicht auf das Tablett. Sag ruhig und ohne Ärger, dass das Tablett für die Zahlenarbeit da ist, und gib dem Kind eine Schale Klammern zum Spielen dazu. Wenn Reis dagegen absichtlich auf dem Boden landet, wird das Tablett gemeinsam weggeräumt und kommt an einem anderen Tag wieder.