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Montessori Tablett im Winter: 12 Ideen nach Lernbereichen

Der Winter ist die Jahreszeit, in der Kinder am meisten drinnen sind und am wenigsten zu tun haben. Draußen ist es um halb vier dunkel, die Bewegung fehlt, und im Wohnzimmer wie im Gruppenraum wird es gegen Nachmittag laut. Ein vorbereitetes Tablett ist dagegen kein Allheilmittel, aber es ist eines der wenigen Dinge, die ein Kind in dieser Zeit wirklich beschäftigen – weil es etwas zu tun gibt, das ein sichtbares Ende hat.

Der Winter liefert dafür Material, das es sonst nicht gibt. Wasser, das hart wird. Schnee, der verschwindet, während man zusieht. Handschuhe, die verloren gehen. Kerzen, die brennen. Nichts davon muss gekauft werden, und fast nichts davon muss erklärt werden – die Sachen sprechen für sich, wenn man ihnen Platz auf einem Tablett gibt.

Die zwölf Ideen hier sind nach Lernbereichen sortiert, nicht nach Alter: Eis und Schnee, Übungen des täglichen Lebens, die Sinne, Licht und Dunkelheit. Bei jeder steht, ab wann sie sinnvoll ist, was Du dafür brauchst und was das Kind dabei tatsächlich übt. Such Dir zwei aus, nicht zwölf – mehr als zwei bis drei Tabletts gleichzeitig im Regal machen die Auswahl für ein Kindergartenkind eher schwerer als reicher.

Eis und Schnee

Wasser, das hart wird und wieder weich – für ein Kindergartenkind ist das kein Naturgesetz, sondern eine Verwandlung, die man anfassen kann. Diese drei Tabletts holen den Winter auf den Tisch und geben ihm Zeit.

Schnee hereinholen

ab 2 Jahren  ·  Tastsinn · Feinmotorik · Naturbeobachtung
Ein Holztablett mit hohem Rand von oben fotografiert, darauf eine weisse Keramikschuessel gefuellt mit Schnee, daneben ein le
Eine Schüssel Schnee, ein Löffel, kleine Förmchen – und die Frage, wie lange das gut geht.

Wenn draußen Schnee liegt, füllst Du mit dem Kind eine Schüssel davon und stellst sie auf ein Tablett auf den Tisch. Dazu ein Löffel, ein leeres Schälchen und zwei kleine Förmchen. Mehr braucht es nicht. Das Kind schöpft, füllt, stürzt die Förmchen aus und fängt von vorne an.

Der eigentliche Moment kommt nach einer Viertelstunde: Der Schnee wird grau, sackt zusammen, und unten steht Wasser. Kinder sind darüber selten traurig, sie sind fasziniert. Lass die Schüssel stehen, bis nichts mehr da ist, und schau am Nachmittag noch einmal gemeinsam hinein.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett mit hohem Rand oder ein tiefer Backblech-Deckel
  • Eine Schüssel voll frischem Schnee
  • Ein Esslöffel und ein leeres Schälchen
  • Zwei kleine Silikon- oder Sandförmchen
  • Ein Handtuch, das offen daneben liegt

Das übt Dein Kind dabei

Schnee ist ein anspruchsvolles Material für die Hand: Er lässt sich schöpfen wie Sand, klebt aber am Löffel, wird beim Drücken fest und beim Warten flüssig. Das Kind muss seinen Druck ständig nachjustieren – eine Rückmeldung, die kein Trockenmaterial so gibt.

Und es lernt nebenbei, dass Dinge sich verändern, ohne dass jemand etwas tut. Das ist die Vorstufe zu allem späteren Verständnis von Zuständen und Zeit. Ein Kind, das zugesehen hat, wie sein Schnee zu Wasser wurde, fragt im Frühling von selbst, wo der Schnee auf der Wiese hin ist.

Wenn es zu leicht wird: Stelle zwei gleich gefüllte Schüsseln hin, eine bleibt drinnen, eine kommt auf die Fensterbank nach draußen. Nach dem Mittagessen vergleicht ihr.

Schätze aus dem Eis befreien

ab 3 Jahren  ·  Ausdauer · Pipettengriff · Ursache und Wirkung
Draufsicht auf ein helles Holztablett mit Rand, in der Mitte ein runder klarer Eisblock mit eingefrorenen bunten Knoepfen und
Im Eisblock stecken kleine Figuren. Warmes Wasser und Salz holen sie heraus.

Am Abend vorher frierst Du in einer Schale Wasser ein, in dem kleine Dinge schwimmen: Knöpfe, Holzperlen, zwei Tierfiguren, ein Schlüssel. Am nächsten Morgen stürzt Du den Eisblock auf das Tablett. Daneben stehen ein Schälchen mit warmem Wasser und eine Pipette, dazu ein Löffelchen Salz.

Dann beginnt eine Arbeit, die erstaunlich lange trägt. Das Kind tropft warmes Wasser auf eine Stelle, streut Salz darüber, wartet, tropft wieder. Das Eis bekommt Rillen und Löcher, und irgendwann fällt der erste Knopf heraus. Kinder, die sonst nach fünf Minuten wechseln, bleiben hier sitzen.

Das kommt aufs Tablett
  • Eine runde Schüssel als Eisform, über Nacht eingefroren
  • 5 bis 8 kleine, wasserfeste Gegenstände zum Einfrieren
  • Eine Pipette oder ein Medizinlöffel
  • Ein Schälchen mit handwarmem Wasser
  • Ein Teelöffel Salz in einer kleinen Schale

Das übt Dein Kind dabei

Die Pipette verlangt einen Griff, den kaum ein anderes Alltagsding trainiert: Daumen und Zeigefinger drücken, während der Rest der Hand ruhig bleibt und zielt. Weil das Ergebnis sofort sichtbar ist – das Eis schmilzt genau dort, wo getropft wurde – korrigiert sich die Zielgenauigkeit von allein.

Weniger offensichtlich ist, was das Warten übt. Zwischen Tropfen und Wirkung liegen ein paar Sekunden. Das Kind erlebt, dass sein Tun ankommt, auch wenn es nicht sofort etwas sieht – und genau diese Erfahrung fehlt Kindern, deren Umgebung überwiegend sofort reagiert.

Wenn es zu leicht wird: Friere in zwei Schichten ein: erst eine Lage Wasser mit Figuren, nach dem Durchfrieren eine zweite darüber. Dann liegen die Schätze unterschiedlich tief.

Wo schmilzt der Eiswürfel zuerst?

ab 4 Jahren  ·  Vergleichen · Vermutungen prüfen · Sprache
Draufsicht auf ein schlichtes Holztablett, darauf nebeneinander drei Unterlagen: ein runder Metalldeckel, ein kleines Holzbre
Drei gleiche Eiswürfel, drei verschiedene Plätze – und eine Frage, die eine Stunde offen bleibt.

Auf dem Tablett stehen drei kleine Untersetzer: einer aus Metall, einer aus Holz, auf dem dritten liegt ein zusammengefalteter Waschlappen. Auf jeden kommt ein gleich großer Eiswürfel. Bevor es losgeht, fragst Du: Welcher ist zuerst weg? Das Kind zeigt auf einen, und Du legst einen Stein daneben, damit die Vermutung sichtbar bleibt.

Danach passiert eine Weile nichts, und das gehört dazu. Ihr geht essen, kommt wieder, schaut. Das Ergebnis überrascht fast immer, weil Metall sich kalt anfühlt und trotzdem am schnellsten schmilzt. Erklären musst Du das nicht bis ins Letzte – dass es so ist, reicht in diesem Alter völlig.

Das kommt aufs Tablett
  • Drei Eiswürfel aus derselben Form
  • Ein Metalldeckel oder ein Esslöffel als Unterlage
  • Ein Holzbrettchen oder Untersetzer
  • Ein gefalteter Waschlappen
  • Ein kleiner Stein als Merker für die Vermutung

Das übt Dein Kind dabei

Das Kind übt hier den Kern jeder Naturbeobachtung: gleiche Bedingungen schaffen, eine Sache verändern, hinsehen. Dass alle drei Würfel gleich groß sein müssen, verstehen Vierjährige sofort, wenn Du sie fragst, ob es sonst fair wäre.

Der zweite Gewinn liegt in der Sprache. Um zu sagen, was passiert, braucht das Kind Wörter wie schneller, langsamer, zuerst, zuletzt, noch nicht ganz. Vergleichsformen lernt man nicht durch Erklären, sondern indem man etwas hat, das man wirklich vergleichen will.

Wenn es zu leicht wird: Nimm beim nächsten Mal drei gleiche Untersetzer und verändere stattdessen den Ort: Fensterbank, Tisch, Nähe der Heizung.

Übungen des täglichen Lebens

Im Winter ändert sich der Alltag: mehr Kleidung, warme Getränke, Obst mit dicker Schale. Genau daraus werden gute Tabletts, weil das Kind etwas übt, das es zwei Stunden später ohnehin gebraucht hätte.

Handschuhe zu Paaren legen

ab 2 Jahren  ·  Paare bilden · Ordnungssinn · Selbstständigkeit beim Anziehen
Draufsicht auf ein grosses helles Holztablett, darauf durcheinander liegend zehn einzelne Kinderhandschuhe in verschiedenen F
Fünf Paar Handschuhe, gemischt auf dem Tablett – und ein Korb für das, was zusammengehört.

Sammle aus der Garderobe, was da ist: Fäustlinge, Fingerhandschuhe, dicke und dünne, gern auch einzelne Socken. Fünf Paare reichen. Du legst sie gemischt aufs Tablett, daneben einen flachen Korb. Das Kind sucht zusammen, was zusammengehört, und legt jedes Paar in den Korb.

Diese Übung ist im Winter nie theoretisch. Genau dieselbe Aufgabe stellt sich jeden Morgen in der Garderobe, wenn zwölf Kinder ihre Handschuhe in denselben Korb geworfen haben. Kinder, die das am Tisch geübt haben, gehen an das Chaos an der Garderobe deutlich gelassener heran.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein flaches Tablett
  • Fünf Paar Handschuhe, deutlich unterschiedlich in Farbe und Machart
  • Ein flacher Korb oder eine Schale für die fertigen Paare
  • Nach Wunsch eine Wäscheklammer pro Paar zum Zusammenklemmen

Das übt Dein Kind dabei

Paare bilden heißt: zwei Dinge gleichzeitig im Kopf halten und auf Übereinstimmung prüfen. Anfangs geht das Kind nach der Farbe, später fällt ihm auf, dass zwei rote Handschuhe verschieden sein können – der eine hat einen Daumen, der andere Finger. Damit wird das Merkmal feiner, nach dem es sortiert.

Fast wichtiger ist die stille Botschaft: Handschuhe sind kein Zufallsteil, sondern haben einen Partner und einen Platz. Kinder, die das begriffen haben, fangen an, den zweiten Handschuh zu suchen, statt nur den ersten zu verlieren.

Wenn es zu leicht wird: Klemme jedes gefundene Paar mit einer Wäscheklammer zusammen – dann kommen der Zangengriff und eine Portion Kraft dazu.

Kakao anrühren und eingießen

ab 3 Jahren  ·  Dosieren · Gießen · Für andere sorgen
Draufsicht auf ein Holztablett, darauf ein kleines weisses Milchkaennchen, eine kleine Tasse, ein Schaelchen mit braunem Kaka
Löffeln, gießen, rühren – und am Ende steht etwas da, das man wirklich trinken kann.

Auf dem Tablett steht ein kleines Kännchen mit warmer Milch, daneben ein Schälchen Kakaopulver mit einem eigenen Löffel, eine Tasse und ein Teelöffel zum Rühren. Das Kind löffelt zwei Portionen Pulver in die Tasse, gießt Milch nach und rührt, bis nichts Braunes mehr am Boden liegt.

Nimm handwarme Milch, nicht heiße. Damit fällt jeder Aufsichtsdruck weg, und das Kind kann die Übung wiederholen, so oft es will – auch für Dich, für das Geschwisterkind, für die Puppe. Der Reiz liegt weniger im Trinken als darin, jemandem etwas hinstellen zu dürfen.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett mit Rand
  • Ein kleines Kännchen mit handwarmer Milch
  • Ein Schälchen Kakaopulver mit passendem Löffel
  • Eine kleine Tasse und ein Teelöffel
  • Ein Schwämmchen für Tropfen auf dem Tablett

Das übt Dein Kind dabei

Gießen aus einem Kännchen ist eine der klassischen Übungen des täglichen Lebens, weil sie beide Hände unterschiedlich beansprucht: Die eine hält, die andere führt und stoppt rechtzeitig. Das Kind sieht am Füllstand selbst, ob es zu früh oder zu spät aufgehört hat.

Dazu kommt etwas, das man dem Tablett nicht ansieht: Rühren ist eine der ersten Tätigkeiten, bei denen ein Kind eine Veränderung selbst herbeiführt und dann entscheidet, wann es fertig ist. Nicht die Aufgabe sagt Stopp, sondern der Blick in die Tasse.

Wenn es zu leicht wird: Gib ein zweites Schälchen dazu, etwa mit Zimt oder geriebener Schokolade, und lass das Kind abmessen: einen Löffel Kakao, eine Prise vom Zweiten.

Mandarinen schälen und teilen

ab 2 Jahren  ·  Fingerkraft · Zweihandkoordination · Zählen und Teilen
Draufsicht auf ein helles Holztablett, darauf drei Schaelchen: eines mit zwei ganzen Mandarinen, eines mit einzelnen Mandarin
Eine Schale mit Mandarinen, eine für die Spalten, eine für die Schalen. Der Rest ergibt sich.

Drei Mandarinen liegen in einer Schale, daneben stehen zwei weitere: eine für die abgezogene Schale, eine für die Spalten. Wenn das Kind noch nicht anfangen kann, ritzt Du die Schale oben mit dem Daumennagel ein – ab da schafft es den Rest meistens allein.

Es lohnt sich, das Tablett stehen zu lassen, statt die Mandarine sofort essen zu lassen. Die Spalten einzeln in die Schale zu legen, dauert länger als das Schälen und ist der Teil, bei dem Kinder ganz still werden. Gegessen wird danach, am liebsten gemeinsam.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett
  • Drei kleine Mandarinen oder Clementinen
  • Drei Schälchen: für die Frucht, die Spalten und die Schalen
  • Ein kleines Handtuch für klebrige Finger

Das übt Dein Kind dabei

Schälen trainiert die Fingerkraft an einer Stelle, die sonst kaum drankommt: Die Fingerkuppen müssen unter die Schale und dabei greifen, während die andere Hand die Frucht gegenhält. Genau dieses Gegenhalten ist die Fähigkeit, die später beim Schneiden, Schrauben und Anziehen zählt.

Nebenbei entsteht ein erster Begriff vom Teilen. Eine Mandarine ist eins – und besteht aus acht Stücken, die man abzählen und verteilen kann. Kinder rechnen an dieser Stelle nicht, aber sie sehen zum ersten Mal, dass etwas Ganzes aus gleichen Teilen bestehen kann.

Wenn es zu leicht wird: Lege Servietten für drei Personen dazu und lass das Kind die Spalten gerecht aufteilen – so lange, bis auf jeder Serviette gleich viele liegen.

Die Sinne im Winter

Kalt und warm, knirschen und knacken, rau und weich: Der Winter liefert Gegensätze frei Haus. Hier geht es darum, sie zu bemerken, zu vergleichen und dafür ein Wort zu finden.

Warm und kalt in kleinen Fläschchen

ab 3 Jahren  ·  Temperaturempfinden · Paare finden · Wortschatz
Draufsicht auf ein Holztablett, darauf sechs identische kleine Schraubglaeser mit klarem Wasser gefuellt, in zwei lockeren Re
Sechs gleiche Fläschchen, drei Temperaturen – zu erkennen nur mit den Händen.

Nimm sechs gleiche kleine Fläschchen oder Marmeladengläser und füll je zwei mit kaltem, lauwarmem und handwarmem Wasser. Von außen sehen alle gleich aus. Das Kind nimmt eins in die Hand, fühlt, sucht das zweite mit derselben Temperatur und stellt die beiden zusammen.

Der Reiz hält nur, solange die Temperaturen halten – nach zwanzig Minuten sind alle gleich. Das ist kein Mangel, sondern ein Teil der Sache: Die Übung muss frisch vorbereitet werden, und das Kind kann sie nicht in einer Ecke liegen lassen. Erwärmt sich alles, füllt ihr neu.

Das kommt aufs Tablett
  • Sechs gleiche kleine Schraubgläser oder Fläschchen
  • Kaltes Wasser, lauwarmes Wasser, handwarmes Wasser
  • Ein Tablett mit Rand
  • Ein Tuch zum Abtrocknen der Gläser

Das übt Dein Kind dabei

Der Temperatursinn arbeitet hier isoliert. Weil alle Gläser gleich aussehen, gleich schwer sind und nicht riechen, bleibt dem Kind nur eine Information übrig – und genau darum wird sie so deutlich. Das ist das Prinzip hinter allen Montessori-Sinnesmaterialien: eine Eigenschaft zur Zeit, alles andere gleich.

Anschließend hast Du die Gelegenheit, Wörter anzubieten, die es sonst schwer haben: eiskalt, kühl, lauwarm, warm. Sag sie zu dem Glas, das das Kind gerade in der Hand hält. Begriffe für Empfindungen sitzen nur, wenn die Empfindung im selben Moment da ist.

Wenn es zu leicht wird: Wenn die Paare sicher gefunden werden, lass das Kind die drei Paare der Reihe nach sortieren – vom kältesten bis zum wärmsten Glas.

Das Fühlsäckchen mit Winterdingen

ab 3 Jahren  ·  Tastsinn ohne Augen · Benennen · Erinnern
Draufsicht auf ein Holztablett, darauf ein geoeffneter beiger Stoffbeutel mit Zugband, daneben ausgebreitet ein Tannenzapfen,
Im Beutel liegt der Winter: Zapfen, Wollhandschuh, Kastanie, Rindenstück.

In einen Stoffbeutel kommen sechs Dinge, die alle aus dem Winter stammen: ein Tannenzapfen, ein Zweigstück, ein Wollhandschuh, eine Kastanie vom Herbst, ein Stück Rinde, eine kleine Kerze. Das Kind greift hinein, ohne zu schauen, befühlt einen Gegenstand und sagt, was es ist – erst dann holt es ihn heraus.

Kinder, die noch nicht benennen können, machen es andersherum: Du legst dieselben sechs Dinge sichtbar aufs Tablett und ein zweites Exemplar in den Beutel. Das Kind ertastet eines und zeigt auf das passende Stück vor sich. Das funktioniert ab etwa zweieinhalb Jahren.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Stoffbeutel oder ein Kissenbezug mit Zugband
  • Sechs winterliche Gegenstände aus Haus und Garten
  • Ein Tablett zum Ablegen der herausgeholten Dinge
  • Bei der leichteren Variante: ein zweites Exemplar jedes Gegenstands

Das übt Dein Kind dabei

Ohne Augen zu erkennen ist eine ganz andere Leistung als Hinsehen. Die Hand muss abtasten, Kanten abfahren, Gewicht und Oberfläche zusammensetzen – und das Kind muss die Teilinformationen im Kopf zu einem Ganzen fügen, bevor es ein Wort dafür hat.

Was man dem Beutel nicht ansieht: Er zwingt zum Innehalten. Wer schnell hineingreift und rät, liegt meistens falsch. Kinder merken das nach zwei, drei Versuchen selbst und werden langsamer – und zwar aus eigenem Antrieb, nicht weil jemand sie dazu ermahnt hat.

Wenn es zu leicht wird: Tausche zwei Gegenstände gegen ähnliche aus: zwei Zapfen unterschiedlicher Größe, zwei Zweige mit glatter und rauer Rinde. Dann reicht Erkennen nicht mehr, es muss verglichen werden.

Wie klingt Schnee?

ab 2 Jahren  ·  Hören · Tasten · Geräusche zuordnen
Draufsicht auf ein helles Holztablett, darauf nebeneinander drei flache durchsichtige Zippbeutel: einer mit weisser Staerke,
Kartoffelstärke im Beutel knirscht fast wie Schnee unter Winterstiefeln.

Füll zwei Handvoll Kartoffelstärke in einen festen Gefrierbeutel und drück die Luft heraus. Wenn man den Beutel knetet, knirscht es – überraschend genau so wie Schnee unter Schuhen bei Frost. Daneben legst Du zwei weitere Beutel: einen mit Reis, einen mit Watte.

Das Kind drückt der Reihe nach und hört den Unterschied: knirschen, rascheln, fast nichts. Wenn Du magst, machst Du danach die Augen zu und lässt Dir vorspielen, welcher Beutel gerade dran ist. Aus dieser Übung wird im Morgenkreis mühelos eine kleine Klanggeschichte – der Schnee knirscht, der Wind raschelt, dann wird es still.

Das kommt aufs Tablett
  • Drei feste Gefrierbeutel mit Zipp-Verschluss
  • Zwei Handvoll Kartoffelstärke oder Speisestärke
  • Eine Handvoll Reis
  • Etwas Watte oder Küchenpapier
  • Ein Tablett, auf dem die Beutel nebeneinander liegen

Das übt Dein Kind dabei

Hier gehen Tasten und Hören zusammen: Dieselbe Bewegung erzeugt drei verschiedene Geräusche, und das Kind spürt gleichzeitig drei verschiedene Widerstände. Solche gekoppelten Eindrücke prägen sich deutlich besser ein als ein Geräusch allein.

Der zweite Nutzen ist sprachlich und wird oft übersehen: Kinder haben für Geräusche kaum Wörter. Knirschen, rascheln, knistern werden hier nicht erklärt, sondern zugeordnet – ein Wort pro Beutel, und das Wort ist überprüfbar.

Wenn es zu leicht wird: Verstecke die drei Beutel hinter einem Buch und lass das Kind nur am Geräusch erkennen, welcher gerade gedrückt wird.

Licht und Dunkelheit

Von November bis Februar ist es morgens und nachmittags dunkel, und Kinder merken das sehr genau. Diese Tabletts machen aus dem Dunkel etwas, mit dem sich arbeiten lässt: eine Flamme, einen Schatten, ein Loch, durch das Licht fällt.

Eine Kerze anzünden und löschen

ab 4 Jahren  ·  Umsicht · Genauigkeit · Verantwortung
Draufsicht auf ein dunkles Holztablett, darauf ein brennendes Teelicht in einem kleinen Glas, eine geoeffnete Streichholzscha
Streichholz, Kerze, Löschhütchen – eine der ernstesten Übungen, die es gibt.

Auf dem Tablett steht ein Teelicht im Glas, daneben liegt eine Streichholzschachtel und ein kleines Löschhütchen oder ein Metalllöffel zum Ersticken der Flamme. Ein Schälchen mit Wasser nimmt die abgebrannten Hölzer auf. Du zeigst die Bewegung einmal langsam und ohne zu sprechen, dann ist das Kind dran.

Diese Übung machst Du nur in Deiner Anwesenheit und an einem festen Platz. Genau das macht sie wertvoll: Kinder spüren, dass hier etwas anders ist als sonst. Sie werden von selbst ruhiger, sitzen gerader und wiederholen die Bewegung oft ein Dutzend Mal, ohne dabei albern zu werden.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Teelicht oder eine kurze Kerze im Glas
  • Eine Streichholzschachtel
  • Ein Löschhütchen oder ein Metalllöffel
  • Ein Schälchen mit etwas Wasser für die Hölzer
  • Ein festes Tablett, das nicht rutscht

Das übt Dein Kind dabei

Ein Streichholz zu entzünden verlangt drei Dinge gleichzeitig: den richtigen Druck, die richtige Richtung und Geschwindigkeit. Es klappt anfangs nicht, und das ist Teil der Übung – kaum eine andere Tätigkeit im Kindergartenalter braucht so viele Versuche und ist dann so eindeutig gelungen.

Der eigentliche Gewinn liegt woanders. Ein Kind, das den Umgang mit Feuer gelernt hat, hört auf, heimlich damit zu hantieren. Gezeigte Gefahr verliert ihren Reiz; verbotene Gefahr behält ihn. Deshalb gehört diese Übung in die Adventszeit, in der ohnehin überall Kerzen brennen.

Wenn es zu leicht wird: Stelle drei Teelichter nebeneinander und lass das Kind sie der Reihe nach anzünden und in umgekehrter Reihenfolge wieder löschen.

Taschenlampe und Schattenkarten

ab 3 Jahren  ·  Licht und Schatten · Formen erkennen · Räumliches Denken
Draufsicht auf ein Holztablett, darauf eine kleine silberne Taschenlampe und fuenf schwarze Pappformen an duennen Holzspiesse
Eine Taschenlampe, ausgeschnittene Formen und eine weiße Wand: mehr braucht es nicht.

Schneide aus fester Pappe fünf einfache Winterformen aus – Tanne, Stern, Schneemann, Mond, Vogel – und klebe jede an einen Holzspieß. Auf dem Tablett liegen die Karten und eine kleine Taschenlampe. Gearbeitet wird an einer freien weißen Wand oder gegen ein aufgestelltes Blatt Papier.

Das Kind hält eine Form vor die Lampe und sieht den Schatten. Sobald es merkt, dass der Schatten größer wird, wenn es die Form näher an die Lampe hält, ist die eigentliche Arbeit im Gange. Manche Kinder verbringen eine halbe Stunde nur damit, eine Tanne wachsen und schrumpfen zu lassen.

Das kommt aufs Tablett
  • Eine kleine Taschenlampe
  • Fünf Winterformen aus fester Pappe, ausgeschnitten
  • Holzspieße oder Wäscheklammern als Griff
  • Ein Tablett zum Aufbewahren der Karten
  • Eine helle Wand oder ein aufgestelltes weißes Blatt

Das übt Dein Kind dabei

Das Kind erlebt einen Zusammenhang, den es selbst steuert: Abstand verändert Größe. Es probiert das aus, ohne dass jemand es auffordert, weil die Rückmeldung sofort und riesig kommt. Räumliches Denken entsteht genau so – durch Bewegen und Zusehen, nicht durch Erklären.

Weniger sichtbar: Ein Schatten ist eine Form ohne alles andere. Keine Farbe, kein Muster, keine Innenzeichnung. Kinder erkennen einen Gegenstand plötzlich nur an seinem Umriss – dieselbe Fähigkeit, die sie später beim Unterscheiden von Buchstabenformen brauchen.

Wenn es zu leicht wird: Mische unter die Karten zwei ähnliche Formen, etwa zwei verschieden hohe Tannen, und lass das Kind am Schatten erraten, welche Du gerade hältst.

Sterne prickeln fürs Fenster

ab 4 Jahren  ·  Präzision · Ausdauer · Stiftführung
Draufsicht auf ein Holztablett, darauf eine graue Filzunterlage mit einem weissen Papierbogen, auf dem ein Stern mit dicker L
Loch neben Loch entlang der Linie – am Fenster wird daraus ein Stern aus Licht.

Auf ein Blatt festeres Papier zeichnest Du einen einfachen Stern mit dicker Linie. Das Blatt liegt auf einer Filzunterlage oder einem gefalteten Handtuch. Mit einer Prickelnadel oder einer stumpfen Sticknadel sticht das Kind Loch neben Loch entlang der Linie, bis der Stern sich am Ende heraustrennen lässt.

Das dauert lange, und das ist genau der Punkt. Wenn der Stern fertig ist, klebt ihr ihn ans Fenster oder haltet ihn gegen die Lampe: Durch die Löcher fällt Licht. In der dunklen Jahreszeit hat das eine Wirkung, die man mit Gemaltem nicht hinbekommt.

Das kommt aufs Tablett
  • Festes Papier oder dünner Tonkarton mit vorgezeichneter Sternlinie
  • Eine Prickelnadel oder stumpfe Sticknadel mit dickem Öhr als Griff
  • Eine Filzunterlage, ein Mauspad oder ein gefaltetes Handtuch
  • Ein Tablett, das die Unterlage aufnimmt
  • Ein Schälchen für die ausgestanzten Papierkrümel

Das übt Dein Kind dabei

Die Nadel wird im Dreipunktgriff gehalten – Daumen, Zeige- und Mittelfinger – also genau so wie später der Stift. Weil jeder Stich ein eigener kleiner Erfolg ist, hält das Kind diesen Griff minutenlang durch, ohne dass es sich nach Schreibübung anfühlt.

Dazu kommt eine Erfahrung, die im Kindergartenalltag selten wird: Etwas entsteht nicht in einem Zug, sondern aus zweihundert gleichen kleinen Handlungen. Kinder, die einmal einen Stern zu Ende geprickelt haben, gehen an lange Aufgaben anders heran.

Wenn es zu leicht wird: Zeichne beim nächsten Mal eine Form mit Innenlinien, etwa eine Schneeflocke oder den Anfangsbuchstaben des Kindes.

So wird aus einer Idee ein Tablett, das benutzt wird

Das Tablett ist nicht Deko, sondern eine Grenze. Es sagt dem Kind ohne Worte: Bis hierhin gehört die Arbeit, alles darauf gehört zusammen, und wenn es zurück ins Regal soll, muss es wieder so aussehen wie vorher. Deshalb lohnt sich ein Rand – gerade im Winter, wo mit Schnee, Wasser und Eis gearbeitet wird. Ein Backblech oder ein tiefer Deckel tut es genauso wie ein gekauftes Holztablett.

Stell alles so hin, wie es benutzt wird: links, was voll ist, rechts, was leer ist, das Werkzeug in der Mitte. Diese Anordnung nimmt die Leserichtung vorweg und macht dem Kind die Reihenfolge klar, ohne dass Du sie erklären musst. Und lege nichts dazu, was nicht gebraucht wird. Ein zweiter Löffel, eine hübsche Schneeflocke aus Filz, drei Farben statt einer – jedes Extra verschiebt die Aufmerksamkeit weg von der Sache.

Zeig die Übung einmal vor, langsam und ohne dabei zu sprechen. Das fällt schwer, ist aber der entscheidende Punkt: Kinder können Sehen und Zuhören in diesem Alter nicht gleichzeitig gut, und wenn Du erklärst, schauen sie auf Deinen Mund statt auf Deine Hände. Sprich vorher oder hinterher, nicht währenddessen. Und wenn das Kind es danach anders macht als Du – lass es. Solange es dabei bleibt und niemand zu Schaden kommt, arbeitet es.

Rechne mit Wasser auf dem Boden. Schnee schmilzt, Eiswürfel tropfen, Kakao geht daneben. Genau deshalb gehört zu den meisten dieser Tabletts ein Schwämmchen oder ein kleines Handtuch, und zwar sichtbar. Das Aufwischen ist nicht die Strafe für ein Missgeschick, sondern der letzte Teil der Arbeit. Kinder, denen das von Anfang an so gezeigt wird, greifen selbst zum Lappen, statt erschrocken zu Dir zu schauen.

Tausch die Tabletts aus, wenn sie nicht mehr geholt werden – aber nicht früher. Erwachsene unterschätzen fast immer, wie oft ein Kind dasselbe wiederholen will. Ein Tablett, das drei Wochen lang jeden Tag drankommt, ist kein Zeichen von Langeweile, sondern das Gegenteil. Wenn es dann wirklich liegen bleibt, räum es weg und hol es in der nächsten Kältewoche wieder hervor. Im Februar sieht es für das Kind neu aus.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter sind Montessori-Tabletts im Winter sinnvoll?

Ab etwa zwei Jahren, sobald ein Kind ein paar Minuten am Tisch bleiben kann. Für die Jüngsten eignen sich die Übungen mit großen, greifbaren Dingen – Schnee schöpfen, Handschuhe paaren, Mandarinen schälen. Alles, was eine Pipette, eine Nadel oder ein Streichholz verlangt, wird frühestens mit drei oder vier interessant. Als Faustregel gilt: Wenn ein Kind das Material vor allem in den Mund oder auf den Boden befördert, ist es noch zu früh, und Du wartest zwei Monate.

Was mache ich, wenn draußen gar kein Schnee liegt?

Die meisten Ideen hier brauchen keinen. Eiswürfel gibt es das ganze Jahr aus dem Gefrierfach, und die Übungen mit Eis funktionieren damit genauso gut. Wenn Du trotzdem Schnee auf dem Tablett willst, kannst Du welchen aus Speisestärke und einer neutralen Handcreme anrühren – zwei Teile Stärke, ein Teil Creme, das fühlt sich kalt und formbar an. Für den Vergleich echter Schnee gegen selbstgemachten reicht ein einziger Schneetag im Jahr.

Wie lange bleibt ein Kind bei so einem Tablett?

Das schwankt stark – zwei Minuten sind genauso normal wie vierzig. Entscheidend ist nicht die Dauer beim ersten Mal, sondern ob das Kind zurückkommt. Manche Übungen wie die Schätze im Eisblock ziehen sofort, andere wie die Temperaturfläschchen brauchen zwei, drei Anläufe. Unterbrich ein arbeitendes Kind nicht, auch nicht mit Lob. Ein ‚Toll gemacht!‘ mitten in der Arbeit beendet die Konzentration zuverlässiger als jedes Geräusch.

Muss ich für jedes Tablett neues Material kaufen?

Nein, und es ist sogar besser, wenn Du es nicht tust. Alles in diesem Artikel steht in einem normalen Haushalt: Schälchen, Löffel, Gefrierbeutel, Wäscheklammern, eine Taschenlampe, Papier. Was Du eventuell dazukaufst, sind Kleinigkeiten wie eine Prickelnadel oder ein Löschhütchen. Nimm echtes Geschirr aus Keramik oder Glas, kein Plastik – dass etwas kaputtgehen kann, ist Teil der Übung und der Grund, warum Kinder damit vorsichtiger umgehen.

Wie viele Tabletts sollten gleichzeitig im Regal stehen?

Zwei bis vier, mehr nicht. Ein volles Regal sieht für Erwachsene nach Fülle aus, für ein Kind nach Unentschiedenheit – es nimmt dann alles kurz und nichts richtig. Besser ist ein schmales Angebot, das Du alle zwei Wochen wechselst. Und heb den Rest nicht im Kinderzimmer auf, sondern in einer Kiste im Schrank. Was nicht sichtbar ist, fehlt auch nicht.

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