Blog

Montessori Tablett im Sommer: 12 Ideen nach Lernbereichen

AKTUALISIERT:

Im Sommer wandert das Tablett nach draußen, und damit ändert sich einiges. Drinnen ist ein verschütteter Krug ein kleines Problem, draußen ist er keins. Was drinnen zu viel Sand wäre, ist auf dem Rasen genau richtig. Diese Freiheit macht den Sommer zur einfachsten Jahreszeit für Montessori-Tabletts – Du kannst Material anbieten, das Du im Wohnzimmer zweimal überlegen würdest.

Alle zwölf Ideen hier stehen auf einem Tablett oder einem Backblech. Das ist keine Formsache: Der Rand zeigt dem Kind, wo seine Arbeit anfängt und aufhört, und alles, was es braucht, ist da – niemand muss zwischendurch nach dem Löffel suchen. Am Ende trägt das Kind sein Tablett zurück, und die Übung ist auch innerlich abgeschlossen.

Sortiert ist alles nach Lernbereich, nicht nach Alter: Wasser, Draußen und Natur, Übungen des täglichen Lebens, Sinne. Die Altersangaben sind ein grober Anhaltspunkt. Ob eine Übung passt, siehst Du in den ersten zwei Minuten – wenn Dein Kind bleibt, war sie richtig, wenn es weitergeht, räumst Du sie kommentarlos weg und stellst sie in vier Wochen noch einmal hin.

Alles mit Wasser

Im Sommer braucht ein Tablett kaum mehr als eine flache Schale Wasser. Wasser gibt sofort Rückmeldung: Es schwappt, wenn die Hand zu schnell ist, und es läuft immer bergab. Kein Erwachsener muss erklären, was schiefgelaufen ist – das Kind sieht es.

Fische angeln

ab 2 Jahren  ·  Auge-Hand-Koordination · Ruhige Handführung · Ausdauer
Tablett mit einer flachen Form voll Wasser, in der kleine bunte Fische schwimmen
Selbstgebogene Fische aus Pfeifenputzern, eine Angel mit Haken – mehr braucht es nicht.

Aus Pfeifenputzern biegst Du ein paar Fische: einmal zur Schlaufe drehen, die Enden als Schwanz abspreizen, fertig. Sie schwimmen in einer flachen Schale mit Wasser. Die Angel ist ein Holzstab mit Schnur und einem aufgebogenen Draht am Ende, der in die Fischschlaufe greift.

Der Reiz liegt darin, dass die Fische wegtreiben. Sobald das Kind die Angel eintaucht, macht es selbst Wellen und schiebt den Fisch von sich weg. Es muss also lernen, langsamer zu werden – und das lernt es nicht, weil es jemand sagt, sondern weil der Fisch sonst nicht mitkommt.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett mit erhöhtem Rand
  • Eine flache Schale oder Auflaufform mit zwei Fingerbreit Wasser
  • Vier bis sechs Pfeifenputzer, zu Fischen gedreht
  • Ein Holzstab mit Schnur und aufgebogenem Draht als Haken
  • Ein kleines Handtuch für nasse Hände und Tropfen daneben

Das übt Dein Kind dabei

Die Angel verlängert die Hand um dreißig Zentimeter, und jedes Zittern wird am unteren Ende größer. Damit trainiert das Kind eine sehr feine Steuerung aus Schulter und Handgelenk – dieselbe Kontrolle, die es später beim Ausschneiden entlang einer Linie braucht.

Was man dem Tablett nicht ansieht: Es übt das Danebengreifen. Der Fisch rutscht ab, zweimal, dreimal, und das Kind fängt nicht an zu weinen, sondern taucht die Angel neu ein. Diese Gelassenheit gegenüber dem eigenen Misslingen ist schwerer zu haben als jede Feinmotorik.

Wenn es zu leicht wird: Binde die Schnur länger, dann pendelt der Haken stärker. Oder gib eine Farbe vor: Nur die grünen Fische dürfen heraus, die anderen bleiben im Wasser.

Korkenboote bauen und pusten

ab 3 Jahren  ·  Atemkontrolle · Konstruieren · Ursache und Wirkung
Wanne mit Wasser und zwei Booten aus je drei Weinkorken
Drei Korken, ein Gummiring, ein Papiersegel – das Boot entsteht auf dem Tablett und fährt dann los.

Drei Weinkorken nebeneinanderlegen und zwei Gummiringe darüberziehen, das hält erstaunlich fest. In den mittleren Korken kommt ein Zahnstocher mit einem Papierdreieck als Segel. Knips die Spitze des Zahnstochers vorher ab, dann kann nichts passieren.

Danach schwimmt das Boot in der Wasserschale, und das Kind pustet – mit dem Mund oder durch einen Strohhalm. Ein kräftiger Stoß dreht das Boot nur im Kreis. Ein gleichmäßiger Luftstrom schiebt es geradeaus quer durch die Schale. Diesen Unterschied findet jedes Kind innerhalb von zwei Minuten heraus.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett mit erhöhtem Rand
  • Eine flache Wanne oder große Schüssel mit Wasser
  • Sechs bis neun Weinkorken
  • Gummiringe und Zahnstocher mit abgeknipster Spitze
  • Kleine Papierdreiecke als Segel und ein Strohhalm

Das übt Dein Kind dabei

Gerichtetes Pusten ist Arbeit für Lippen, Zunge und Zwerchfell – dieselbe Muskulatur, die beim deutlichen Sprechen gebraucht wird. Das Kind dosiert hier Luft, statt sie nur auszuatmen, und merkt am Boot sofort, ob die Dosierung gestimmt hat.

Der unterschätzte Teil ist der Bau. Einen Gummiring über drei runde, rollende Korken zu spannen, ohne dass der dritte wegspringt, verlangt beide Hände in verschiedenen Rollen: eine hält zusammen, die andere zieht. Viele Kinder brauchen dafür länger als für die ganze Wasserfahrt.

Wenn es zu leicht wird: Lege zwei Steine als Hafeneinfahrt ins Wasser, durch die das Boot passen muss. Oder baue ein zweites Boot mit größerem Segel und lass das Kind vergleichen, welches schneller ist.

Die Wasserstraße aus Alufolie

ab 3 Jahren  ·  Gießen und Dosieren · Räumliches Denken · Forschen
Wasserrinne aus Alufolie auf einem Backblech, schräg auf ein Buch gelegt
Eine Rinne aus Alufolie, ein Buch als Gefälle, unten die Auffangschale.

Reiß ein langes Stück Alufolie ab und drücke die Ränder nach oben, bis eine Rinne entsteht. Das obere Ende legst Du auf ein Buch oder einen Holzklotz, das untere endet in einer Schale. Oben steht ein kleiner Krug mit Wasser.

Das Kind gießt und sieht zu, wie das Wasser den ganzen Weg nimmt. Gießt es zu viel auf einmal, schwappt es über den Rand. Liegt die Rinne zu flach, bleibt eine Pfütze in der Mitte stehen. Beides lässt sich ändern, und genau dieses Ändern ist die eigentliche Arbeit.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett mit erhöhtem Rand oder ein Backblech
  • Ein langes Stück Alufolie
  • Ein Buch oder Holzklotz zum Unterlegen
  • Ein kleiner Krug und eine Auffangschale
  • Ein Schwamm oder Lappen fürs Danebengegangene

Das übt Dein Kind dabei

Das Gießen aus dem Krug verlangt einen ruhigen, langsam kippenden Unterarm. Anders als beim Umgießen von Schale zu Schale zählt hier nicht die Menge, sondern das Tempo: ein dünner, gleichmäßiger Strahl kommt unten an, ein Schwall nicht.

Dazu kommt eine erste physikalische Erfahrung, für die es kein Wort braucht. Wasser läuft immer nach unten, nie nach oben, und je steiler die Rinne, desto schneller. Das Kind prüft das nicht theoretisch, sondern indem es das Buch gegen ein dickeres tauscht.

Wenn es zu leicht wird: Knick eine Kurve in die Rinne oder baue zwei Rinnen hintereinander mit einer Zwischenschale. Ein Korken als Boot zeigt, wie schnell die Strömung wirklich ist.

Draußen und Natur

Diese drei Tabletts wandern nach draußen und bringen etwas mit zurück: Blüten, Farbe, Wind. Das Material sammelt das Kind selbst, und das Ergebnis bleibt sichtbar – am Fenster, auf der Terrassenplatte, im Baum.

Sonnenfänger aus Blüten

ab 3 Jahren  ·  Pinzettengriff · Gestalten · Genaues Hinsehen
Tablett mit durchsichtiger Klebefolie, auf der Gänseblümchen und Blüten haften
Blüten und Gräser zwischen zwei Stücken Klebefolie – das Licht macht den Rest.

Auf dem Tablett liegen die Fundstücke eines Spaziergangs: Gänseblümchen, Löwenzahnblätter, ein Grashalm, Blütenblätter vom Verblühten im Beet. Alles möglichst flach. Dazu ein Stück durchsichtige Klebefolie, die klebende Seite nach oben, an den Ecken festgeklebt.

Das Kind legt seine Blüten auf die Folie. Danach kommt das zweite Stück Folie darüber, und beide werden glattgestrichen. Ausgeschnitten und ans Fenster geklebt leuchtet das Ganze, sobald die Sonne draufscheint – und verblasst über die Wochen, was dazugehört.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett
  • Selbstklebende Klebefolie, zweimal etwa handgroß zugeschnitten
  • Gesammelte flache Blüten, Blätter und Gräser in einer kleinen Schale
  • Eine Kinderschere
  • Ein Streifen Papier als Rahmen und ein Faden zum Aufhängen

Das übt Dein Kind dabei

Ein Gänseblümchen von der Unterlage aufzunehmen, ohne es zu zerdrücken, geht nur mit den Fingerspitzen. Daumen und Zeigefinger arbeiten dabei gegeneinander wie eine Zange – das ist der Griff, mit dem später ein Stift gehalten wird.

Der stille Teil: Auf der Klebefolie gibt es keine zweite Chance. Wo die Blüte landet, bleibt sie. Kinder, die das einmal erlebt haben, halten beim nächsten Mal kurz inne und schauen erst, bevor sie loslassen. Diese Sekunde des Überlegens ist mehr wert als ein gelungenes Bild.

Wenn es zu leicht wird: Gib eine Farbe vor – nur Gelbes wird gesammelt. Oder lass das Kind die Blüten spiegelgleich auf beide Hälften legen, links wie rechts.

Kreidefarbe anrühren

ab 3 Jahren  ·  Rühren und Dosieren · Konsistenz einschätzen · Großflächiges Malen
Muffinform mit angerührter Kreidefarbe in Rot, Gelb und anderen Farben
Speisestärke, Wasser, ein Tropfen Farbe – in der Muffinform wird die Straßenmalfarbe angerührt.

In jede Mulde einer alten Muffinform kommen zwei Löffel Speisestärke, dann etwa gleich viel Wasser und ein Tropfen Lebensmittelfarbe. Das Kind rührt jede Mulde einzeln durch, bis keine Klümpchen mehr da sind.

Gemalt wird mit einem dicken Pinsel direkt auf die Terrassenplatte oder den Gehweg. Nass sieht die Farbe dunkel aus, beim Trocknen wird sie hell und kreidig – dieser Wechsel überrascht die meisten Kinder und ist der Grund, warum sie das ganze Blech leermalen wollen.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett
  • Eine alte Muffinform oder mehrere kleine Gläser
  • Speisestärke oder Kartoffelmehl in einer Schale mit Löffel
  • Ein kleiner Krug Wasser und Lebensmittelfarbe
  • Ein dicker Borstenpinsel

Das übt Dein Kind dabei

Rühren in einer engen Mulde geht nur mit kleinen Kreisen aus dem Handgelenk – eine andere Bewegung als das große Rühren im Topf. Nebenbei entsteht ein Gefühl für Verhältnisse: zu viel Wasser, und die Farbe zerläuft auf dem Stein; zu wenig, und der Pinsel bleibt hängen. Das Kind gleicht nach, ohne dass jemand eine Zahl vorgibt.

Was hinter der Farbe steckt, merken Kinder oft erst beim ersten Regen: Alles ist weg. Das ist kein Unglück, sondern eine gute Erfahrung – manche Arbeit macht man, weil das Tun schön war, nicht weil etwas bleibt. Beim nächsten Sonnentag wird neu gemalt.

Wenn es zu leicht wird: Biete nur Rot, Gelb und Blau an und lass das Kind die übrigen Mulden selbst mischen. Ein Schwamm statt des Pinsels ergibt ganz andere Flächen.

Das Windspiel aus Bändern

ab 4 Jahren  ·  Knoten binden · Beidhändigkeit · Muster fortsetzen
Tablett mit einem Holzring, an den bunte Satinbänder geknotet sind
Ein Ring, eine Schale bunter Bänder – jedes Band wird einzeln angeknotet.

Auf dem Tablett liegt ein alter Gardinen- oder Holzring und daneben eine Schale mit Bändern, alle gleich lang zugeschnitten. Jedes Band wird in der Mitte gefaltet, die Schlaufe von unten über den Ring gelegt und die beiden Enden durch die Schlaufe gezogen.

Dieser eine Handgriff wiederholt sich zwanzig, dreißig Mal, bis der Ring voll ist. Aufgehängt an einen Ast bewegt sich das Windspiel bei jedem Lüftchen – und das Kind kann vom Fenster aus sehen, ob draußen Wind geht.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett
  • Ein Holz- oder Metallring, etwa handtellergroß
  • Satinbänder oder Stoffstreifen in gleicher Länge, in einer Schale
  • Eine Schere
  • Eine Schnur zum Aufhängen

Das übt Dein Kind dabei

Der Knoten verlangt, dass beide Hände Verschiedenes tun und trotzdem zusammenarbeiten: Die eine hält Ring und Schlaufe fest, die andere fädelt durch. Dabei kreuzen die Arme die Mitte des Körpers – eine Bewegung, die für das spätere Schreiben über die Blattmitte hinweg wichtig ist.

Die zweite Sache passiert im Kopf. Nach dem dritten Band hat das Kind die Reihenfolge verinnerlicht und braucht nicht mehr hinzuschauen. Ab da wird aus Anstrengung Rhythmus – und viele Kinder knoten dann weiter, obwohl der Ring längst voll genug wäre.

Wenn es zu leicht wird: Gib eine Farbfolge vor, etwa rot–gelb–blau, die sich rundherum wiederholt. Oder fädle vor dem Knoten eine Holzperle auf jedes Band, dann klappert das Windspiel zusätzlich.

Übungen des täglichen Lebens

Sommer heißt: Es wird draußen gegessen, getrunken und gewaschen. Genau diese Handgriffe sind der Kern der Übungen des täglichen Lebens. Das Kind arbeitet nicht für sich allein, sondern für den Tisch, an dem nachher alle sitzen.

Den Tisch für draußen decken

ab 2 Jahren  ·  Zuordnen · Tragen und Balancieren · Verantwortung
Tablett mit einem Platzset aus Papier mit Umrissen von Teller, Besteck und Becher
Ein Platzset mit aufgemalten Umrissen zeigt, wohin Teller, Becher und Löffel gehören.

Male auf ein Stück festes Papier die Umrisse von Teller, Becher und Löffel und laminiere es oder klebe es mit Klebefolie ab. Auf dem Tablett stehen die passenden Dinge bereit, dazu eine Serviette und eine kleine Blume im Glas.

Das Kind trägt das Tablett hinaus an den Gartentisch, legt das Platzset hin und stellt alles auf seinen Umriss. Wenn mehrere Kinder da sind, deckt jedes ein Gedeck. Die Blume kommt in die Mitte – das ist meist der Teil, der am längsten überlegt wird.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett
  • Ein Platzset mit aufgemalten Umrissen für Teller, Becher und Besteck
  • Ein Kinderteller, ein Becher, ein Löffel
  • Eine Stoffserviette
  • Eine kleine Blume in einem schweren Glas

Das übt Dein Kind dabei

Ein Gegenstand auf seinen Umriss zu stellen, heißt: Form erkennen, drehen, passend hinlegen. Für ein Zweijähriges ist das echte Zuordnungsarbeit – dieselbe Denkleistung wie beim Steckpuzzle, nur mit Dingen, die danach benutzt werden.

Der eigentliche Gewinn steht nicht auf dem Tablett: Das Kind arbeitet für andere. Es deckt nicht seinen Übungsplatz, sondern den Tisch, an dem gleich die Familie sitzt. Kinder, die das regelmäßig tun, fragen irgendwann von selbst, wie viele Leute kommen.

Wenn es zu leicht wird: Nimm das Platzset weg, wenn die Reihenfolge sitzt. Oder gib zwei Gedecke auf ein Tablett – dann muss beim Tragen wirklich balanciert werden.

Zitronenlimonade pressen

ab 3 Jahren  ·  Drehbewegung · Kraft dosieren · Für andere sorgen
Tablett mit halbierter Zitrone, Handpresse und kleinem Krug
Halbe Zitrone, Glaspresse, Sieb und Krug – alles steht griffbereit in einer Reihe.

Auf dem Tablett stehen von links nach rechts: die halbierte Zitrone auf einem Tellerchen, die Glaspresse, ein kleines Sieb über einem Glas, der Wasserkrug und ein Löffel. Die Reihenfolge ist die Anleitung – das Kind arbeitet sich einfach durch.

Gepresst wird mit Druck und einer Drehung zugleich. Danach kommt der Saft durchs Sieb, Wasser dazu, einmal umrühren, probieren. Zu sauer? Dann noch etwas Wasser. Fast alle Kinder trinken ihre erste Limonade, ohne zu zucken, egal wie sauer sie ist.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett
  • Eine Zitrone, quer halbiert
  • Eine kleine Handpresse aus Glas
  • Ein feines Sieb, ein Glas und ein kleiner Wasserkrug
  • Ein Löffel und ein Tuch für klebrige Finger

Das übt Dein Kind dabei

Pressen ist Drücken und Drehen in einer Bewegung – der Unterarm rotiert, während die andere Hand die Presse festhält. Genau diese Rotation braucht das Kind später beim Aufschrauben von Flaschen, beim Türöffnen und beim Schraubendreher. Auf dem Tablett übt es sich von allein ein.

Die stille Lektion steckt im Abschmecken. Das Kind entscheidet über Saft und Wasser, probiert und korrigiert – niemand sagt, wann es richtig ist. Und wenn dann ein zweites Glas für jemanden eingeschenkt wird, ist aus einer Übung eine Einladung geworden.

Wenn es zu leicht wird: Lass das Kind die Zitrone selbst mit einem Kindermesser halbieren. Oder stelle zwei gleich große Gläser hin, die beide gleich hoch gefüllt werden sollen – das ist deutlich schwerer, als es klingt.

Puppenwäsche waschen und aufhängen

ab 2 Jahren  ·  Handlungskette · Handkraft · Zeit erleben
Tablett mit zwei Schüsseln Wasser, Seife und kleiner Puppenwäsche
Zwei Schüsseln, ein Stück Seife, ein Bürstchen – und draußen die Leine mit Klammern.

Links die Schüssel mit Seifenwasser, rechts die zum Klarspülen. Dazwischen ein Stück Kernseife und eine kleine Bürste. Gewaschen werden Puppenkleider, Waschlappen oder Stoffservietten – kleine, leichte Stücke, die ein Kind gut auswringen kann.

Danach geht es nach draußen an eine tief gespannte Leine. Aufhängen, anklammern, glattziehen. Und dann kommt der Teil, der im Sommer besonders schön ist: Nach einer Stunde ist alles trocken, und das Kind kann es selbst abnehmen und zusammenlegen.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett mit erhöhtem Rand
  • Zwei kleine Schüsseln, eine mit Seifenwasser
  • Ein Stück Kernseife und ein kleines Bürstchen
  • Drei bis vier kleine Wäschestücke
  • Eine tief gespannte Leine und Wäscheklammern in einem Körbchen

Das übt Dein Kind dabei

Auswringen ist eine der wenigen Übungen, die richtig Kraft in beiden Händen verlangt – und zwar gegenläufige Kraft, die eine Hand dreht vor, die andere zurück. Das Öffnen der Klammern kommt dazu: Daumen gegen Zeige- und Mittelfinger, genau der Griff, der später den Stift hält.

Der zweite Punkt hat mit Zeit zu tun. Waschen hat eine feste Reihenfolge, die sich nicht abkürzen lässt, und das Ergebnis kommt erst später. Ein Kind, das morgens aufhängt und mittags trockene Wäsche abnimmt, erlebt Warten als etwas, das sich lohnt – schwer zu erklären, leicht zu erfahren.

Wenn es zu leicht wird: Lass das Kind die Wäsche nach Farben sortiert aufhängen. Oder gib genau so viele Klammern ins Körbchen, wie gebraucht werden – dann muss es vorher überlegen.

Die Sinne schulen

Fühlen, hören, vergleichen: Im Sommer sind die Sinne ohnehin wach, weil barfuß gelaufen und wenig angezogen wird. Diese Tabletts greifen das auf und geben den Empfindungen Namen.

Zaubersand anrühren

ab 2 Jahren  ·  Tasten · Kraft dosieren · Ausdauer
Holzwanne mit hellem, krümeligem Zaubersand
Acht Löffel Mehl, ein Löffel Öl – aus rieselig wird formbar.

Das Rezept ist unschlagbar einfach: acht Teile Mehl, ein Teil Speiseöl. Das Kind löffelt beides in eine Schüssel und knetet mit den Händen, bis nichts mehr staubt. Aus dem Mehl wird dabei ein Stoff, der sich formen lässt und trotzdem zerfällt, sobald man ihn hochwirft.

Danach ist das Tablett offen: Förmchen, ein kleiner Becher, ein Löffel. Es gibt keine Aufgabe und kein fertiges Ergebnis. Genau deshalb bleiben Kinder oft eine halbe Stunde dabei – länger als bei vielem, was sich Lernspiel nennt.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett mit hohem Rand oder eine flache Wanne
  • Eine Schüssel und acht Löffel Mehl
  • Ein Löffel Speiseöl in einem kleinen Kännchen
  • Ein Esslöffel zum Einfüllen
  • Kleine Förmchen, ein Becher und ein Handfeger

Das übt Dein Kind dabei

Beim Kneten spürt das Kind einen Übergang: Erst rieselt das Mehl durch die Finger, dann klumpt es, dann hält es die Form. Diese Veränderung unter den eigenen Händen ist eine sehr direkte Erfahrung von Ursache und Wirkung – das Öl ist die Ursache, und die spürt man, statt sie zu sehen.

Was man dem Tablett nicht ansieht: Der Sand hält nur bei sanftem Druck. Wer fest zudrückt, hat wieder Mehl in der Hand. Kinder, die sonst ordentlich zupacken, werden hier von selbst vorsichtig – das Material erzieht die Hand, ohne dass jemand bremsen muss.

Wenn es zu leicht wird: Stelle einen Trichter und einen schmalen Becher dazu, dann wird aus Fühlen ein Umfüllen. Ein Tropfen Lebensmittelfarbe im Öl ergibt farbigen Sand in mehreren Schalen.

Die Wassergläser zum Klingen bringen

ab 4 Jahren  ·  Gehör · Ordnen nach Tonhöhe · Leichter Anschlag
Fünf Trinkgläser in einer Reihe, unterschiedlich hoch mit Wasser gefüllt
Fünf gleiche Gläser, unterschiedlich hoch gefüllt, und ein Metalllöffel.

Fünf gleiche Gläser stehen in einer Reihe, das erste fast leer, das letzte fast voll, dazwischen gestuft. Mit einem Metalllöffel schlägt das Kind leicht gegen den Rand und hört sich durch die Reihe.

Die Entdeckung kommt meist schnell und ist für Erwachsene genauso überraschend: Je mehr Wasser im Glas ist, desto tiefer klingt es. Danach lohnt es sich, den Krug bereitzustellen – dann kann das Kind ein Glas so lange nachfüllen, bis es genauso klingt wie ein anderes.

Das kommt aufs Tablett
  • Ein Tablett
  • Fünf gleiche Gläser
  • Ein kleiner Krug mit Wasser
  • Ein Löffel aus Metall
  • Ein Tuch als Unterlage, damit die Gläser nicht wandern

Das übt Dein Kind dabei

Das Kind verbindet etwas Hörbares mit etwas Sichtbarem: Tonhöhe und Füllstand. Genau darum geht es bei den Sinnesmaterialien – eine Eigenschaft isolieren, vergleichen, in eine Reihenfolge bringen. Hier ist die Reihenfolge sogar nachprüfbar, weil man sie sehen und hören kann.

Weniger offensichtlich ist der Anschlag. Fest zuschlagen macht keinen schöneren Ton, sondern nur einen dumpfen – und im schlimmsten Fall einen Sprung im Glas. Das Kind lernt einen kurzen, leichten Impuls mit sofortigem Loslassen. Wer je ein Instrument in die Hand nehmen wird, fängt genau hier an.

Wenn es zu leicht wird: Stelle die Gläser durcheinander und lass das Kind sie nach Klang von tief nach hoch ordnen. Mit drei Gläsern lässt sich schon der Anfang von ‚Alle meine Entchen‘ spielen.

Der Fühlpfad für die Füße

ab 2 Jahren  ·  Tastsinn der Füße · Gleichgewicht · Wörter für Empfindungen
Vier Backbleche auf dem Rasen mit Moos, Sand und anderen Materialien zum Barfußlaufen
Vier flache Tabletts hintereinander: Gras, Sand, Kiesel, Wasser.

Leg vier flache Tabletts oder Backbleche in einer Reihe auf den Rasen und füll sie unterschiedlich: eines mit Gras oder Moos, eines mit Sand, eines mit glatten Kieselsteinen, eines mit zwei Zentimetern Wasser. Am Ende liegt ein Handtuch.

Barfuß geht das Kind Tablett für Tablett entlang. Fast alle werden dabei langsamer, als sie sonst laufen, und viele bleiben auf einem Untergrund stehen und wippen ein bisschen. Wer sich unsicher fühlt, darf zuerst mit den Händen fühlen – das nimmt jedem Zögern die Spitze.

Das kommt aufs Tablett
  • Vier flache Tabletts oder Backbleche
  • Gras, Moos oder Laub
  • Sand und eine Handvoll glatter Kieselsteine
  • Etwas Wasser
  • Ein Handtuch am Ende der Reihe

Das übt Dein Kind dabei

In den Fußsohlen sitzen sehr viele Tastrezeptoren, die im Alltag unter Socken und Schuhen kaum etwas zu tun bekommen. Hier bekommen sie vier deutlich verschiedene Rückmeldungen – und weil der Untergrund wechselt, muss das Kind bei jedem Schritt neu ausbalancieren.

Der zweite Teil ist sprachlich. Kinder fangen auf so einem Pfad von allein an zu erzählen: kühl, pieksig, weich, rutschig. Du musst nur die Wörter aufgreifen und einmal wiederholen, dann bleiben sie. Empfindungen benennen zu können, ist der Anfang davon, sie später auch bei sich selbst einordnen zu können.

Wenn es zu leicht wird: Lass das Kind die Reihenfolge selbst bestimmen und ein fünftes Tablett füllen – Tannenzapfen und Rindenstücke sind beliebt. Später mit geschlossenen Augen: Auf welchem Tablett stehe ich?

So funktioniert das Tablett draußen

Such einen festen Platz. Ein niedriger Gartentisch, eine Terrassenstufe oder eine umgedrehte Obstkiste reichen. Wichtig ist nur, dass es derselbe Ort bleibt: Kinder finden dann von allein hin, ohne zu fragen. Auf der Wiese kippt jedes Tablett – ein Brett oder eine Fliese darunter löst das in zehn Sekunden.

Bei Wasser bleibst Du dabei. Auch zwei Zentimeter in einer Schale sind für ein Kleinkind gefährlich, und der Sommer ist die Jahreszeit, in der man sich am ehesten in Sicherheit wiegt. Setz Dich mit einem Buch daneben, statt in der Küche etwas zu erledigen. Sichtkontakt reicht nicht, Hörweite erst recht nicht.

Biete wenig an. Ein Tablett zur Zeit, höchstens zwei nebeneinander – sonst probiert das Kind alles an und bleibt bei nichts. Wechsle lieber alle paar Tage aus. Eine Idee, die im Juni zu schwer war, kann im August genau richtig sein, und Dein Kind wird sie dann so ernsthaft angehen, dass Du denkst, es hätte sie noch nie gesehen.

Das Aufräumen ist Teil der Übung, nicht die Strafe danach. Stell Handfeger, Lappen und einen kleinen Eimer griffbereit hin und zeig einmal in Ruhe, wie es geht – ohne zu reden, während Du es vormachst. Kinder wischen erstaunlich gern auf, solange sie nicht das Gefühl haben, etwas gutmachen zu müssen.

Denk an Sonne und Hitze. Ein Tablett in der prallen Mittagssonne wird nach zwanzig Minuten unangenehm, Metall sogar heiß. Der Schatten unter einem Baum oder die Ostseite des Hauses am Nachmittag sind die besseren Plätze – und dort hält die Konzentration ohnehin länger.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann mein Kind mit Wasser auf dem Tablett arbeiten?

Ab etwa zwei Jahren, wenn Du dabeibleibst. Fang mit wenig an: eine flache Schale, zwei Zentimeter Wasser, ein Gegenstand. Zweijährige gießen mehr daneben als hinein, und das ist die Übung, nicht der Fehler. Ein Lappen daneben und ein Untergrund, dem Nässe nichts ausmacht, ersparen Euch beiden jede Ermahnung.

Mein Kind matscht nur herum, statt die Übung zu machen. Ist das schlimm?

Nein, und es ist auch keine verlorene Zeit. Beim ersten Kontakt mit einem Material erforscht ein Kind erst einmal, was es kann – das gehört dazu. Führ die Übung ruhig noch einmal vor, ohne dabei zu erklären, und lass es dann. Oft kommt die eigentliche Arbeit beim zweiten oder dritten Mal von allein. Wenn nicht, ist die Idee für dieses Kind gerade nicht die richtige.

Wie lange sollte mein Kind an einem Tablett bleiben?

So lange, wie es von sich aus bleibt – das können drei Minuten sein oder vierzig. Unterbrich nicht, auch nicht mit Lob: Ein ‚Toll machst Du das!‘ beendet die Konzentration zuverlässiger als jedes Geräusch. Wenn Dein Kind fertig ist, merkst Du es daran, dass es aufsteht und weggeht. Dann ist Aufräumen dran.

Brauche ich echte Montessori-Materialien für diese Ideen?

Für diese zwölf nicht. Alles steht in einer normalen Küche: Schalen, Löffel, Gläser, Korken, Alufolie, Mehl. Wichtiger als gekauftes Material sind zwei Dinge – die Sachen sind echt, also aus Glas, Keramik oder Holz statt aus Plastik, und es liegt nur das auf dem Tablett, was gebraucht wird. Beides kostet nichts.

Funktionieren die Tabletts auch in Kita und Krippe?

Ja, mit zwei Anpassungen. Leg bei Wasserarbeiten fest, wie viele Kinder gleichzeitig dürfen – ein Teppichstück oder zwei aufgemalte Fußabdrücke pro Tablett klären das ohne Diskussion. Und plane die doppelte Menge Material ein: In der Gruppe geht mehr verloren, und ein Tablett, auf dem die Hälfte fehlt, lädt niemanden mehr ein.

Folge uns auf:

Schreibe einen Kommentar

Affiliate Hinweis

Diese Webseite ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Außerdem nimmt sie an weiteren Partnerprogrammen teil, unter anderem von Etsy (über Rakuten Advertising), Awin, Webgains und Tradedoubler. Beiträge mit Partnerlinks sind oben als Anzeige gekennzeichnet.

Folge uns