Montessori-Mobiles für Babies

Die Montessori-Mobiles

Unter den klassischen Montessori-Materialien sind die Mobiles für Babys besonders wichtig: Sie sind nämlich nicht nur der Einstieg in die Montessori-Welt, sondern gehören zu den ersten Gegenständen, mit denen ein Kind „arbeiten“ kann. 

Vier Mobiles hat Maria Montessori selbst, teils mit Unterstützung ihrer SchülerInnen entworfen. Sie werden der Reihe nach im Laufe der ersten Lebensmonate eingeführt und rotiert. Dabei sollen sie nicht nur die visuelle Wahrnehmung (in einem ganz „verkörperten“ Sinn, also in Verbindung mit der Motorik) fördern, sie dienen deinem Baby auch als vertraute Anker in einer völlig neuen, aufregenden und oft überfordernden Welt. 

Wir stellen dir hier die vier klassischen Montessori Mobiles samt ihrer Funktion vor, empfehlen dir Hersteller, geben Tipps zum Selberbasteln, zur Handhabung der Mobiles und laden dich ein, die Welt aus der Sicht eines Babys zu betrachten.

Alle 4 Montessori Mobiles im Set

Für die wenigstens wird es Sinn machen die Mobiles einzeln zu kaufen. Hier verlinken wir Dir nochmal ein Set mit allen 4 Mobiles, was unterm Strich günstiger ist, als es einzeln zu kaufen.

Manche Farben können selbst gewählt werden.

Warum ein Montessori Mobile?

Für Montessori kommt vor der intellektuellen Entwicklung die Entwicklung der Wahrnehmung. Sie ist Voraussetzung und Grundlage dafür, dass das Kind sich die Welt aneignen und sie verstehen kann. 

Ein Mobile bewegt sich meist ganz sanft und so lernt das Kind langsam, seinen Blick zu fokussieren und den Bewegungen eines Objekts zu folgen. Diese Beobachtungsübungen sind enorm wichtig für ein Neugeborenes, um überhaupt zu begreifen, in was für einer Welt es da gelandet ist: Objekte verändern ihre Erscheinung, sind aber insgesamt zuverlässig.

Bewegungen (auch eigene!) verändern die sinnlichen Eindrücke.

Ein und dasselbe Ding kann auf ganz unterschiedliche Weise erscheinen und bleibt deshalb für lange Zeit interessant.

Mobiles helfen Babys dabei, viele Phänomene in Ruhe und mit einer gewissen Autonomie kennenzulernen.

Dazu zählen neben der Veränderlichkeit von Objekten auch Licht und Schatten, die Reflexion von Licht und etwa später auch die eigene Selbstwirksamkeit: Dann nämlich, wenn das Baby zum ersten Mal nach dem Mobile greift und es zu fassen bekommt.

Die vier Mobiles von Maria Montessori

1. Munari-Mobile: Willkommen in der sichtbaren Welt

Das Munari-Mobile präsentiert sich in klaren, geometrischen Formen, die das Baby leicht nachvollziehen kann. Es sieht die Stäbchen, an denen die Objekte befestigt sind, die Formen selbst mit ihren klaren Linien und die Kontraste.

Ab wann?

Ca. ab der zweiten Lebenswoche einführen.

In den ersten Tagen nach der Geburt lernt ein Baby erst einmal, wie es sich anfühlt zu sehen und welche neue Welt sich ihm da offenbart. Bislang kannte es nur die rötlich-dämmrige Atmosphäre im Mutterleib.

Der Sehsinn ist noch stark in der Entwicklung begriffen und die Farbwahrnehmung ist, nach allem was wir wissen, noch eher dürftig. Es wurde in Versuchen vielfach gezeigt, dass sehr kleine Säuglinge stark auf Hell-Dunkel-Kontraste und auf Schwarz-Weiß-Kombinationen reagieren.

Entworfen hat das Mobile der italienische Künstler und Designer Bruno Munari, und deswegen hat sein Entwurf wohl auch entschieden etwas von einem Designobjekt. 

Das Herzstück des Munari-Mobile und das Lieblingsteil vieler Babys ist die Kugel aus Glas oder durchsichtigem Plastik (von MontessorianerInnen wird Glas empfohlen, da die optischen Eigenschaften besser sind). Je nach Lichteinfall entstehen hier faszinierende kleine Effekte, die auch Erwachsene fesseln können, wenn sie sich nur darauf einlassen. 

Munari-Mobile Selbermachen

Für das Munari-Mobile gibt es Druckvorlagen und Online-Anleitungen, etwa hier bei http://montessoriforbabies.com/.

  • Die Formen werden zur Verstärkung auf Karton aufgeklebt.
  • Die Stäbchen, an denen die Objekte befestigt werden, sollten am besten auch schwarz, weiß oder schwarz-weiß sein.
  • Eine Glas- oder Plastikkugel mit etwa sieben Zentimetern Durchmesser wird dazugekauft.

2. Oktaeder-Mobile: Eine bunte neue Welt

Das Munari-Mobile präsentiert sich in klaren, geometrischen Formen, die das Baby leicht nachvollziehen kann. Es sieht die Stäbchen, an denen die Objekte befestigt sind, die Formen selbst mit ihren klaren Linien und die Kontraste.

Ab wann?

Ca. ab zweitem Lebensmonat, wenn das Baby beginnt, sich für auffällige Farbflächen zu interessieren

Der Nachfolger des Munari-Mobiles arbeitet schon mit Farben – mit kräftigen Primärfarben, die schillern und glänzen. Außerdem sind die Formen jetzt dreidimensional: Drei Oktaeder schweben auf gleicher Höhe.

Sie bestehen aus leicht glänzendem Papier und verändern sich je nach Lichteinfall mehr oder weniger stark. 

Oktaeder Mobile Selbermachen

Die Oktaeder per Origami-Technik falten, dabei hilft diese Video-Anleitung:

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Die Wahl des Papiers bleibt dir überlassen, doch wird für das Oktaeder-Mobile häufig glänzendes Papier verwendet.

Wichtig ist, dass die Oktaeder die drei Primärfarben haben, denn mit denen tun sich Babys besonders leicht.

3. Gobbi-Mobile: Alles dreht sich um die Kugel

Gobbi-Mobile

Das Gobbi-Mobile trägt den Namen von Gabriella Gobbi, einer Schülerin und Mitarbeiterin Montessoris. Dieses ebenso einfache wie raffinierte Mobile beschäftigt Babys oft sehr lange und ausführlich.

Ab wann?

Ca. ab der sechsten Lebenswoche einführen.

Kugeln sind für die Allerkleinsten sehr attraktive Objekte. Die zarten farblichen Unterschiede zwischen den Kugeln scheinen außerdem besonders interessant und anregend zu sein.

Sie sind gerade groß genug, um ein Baby zu faszinieren, aber klein genug, um nicht zu überreizen. Außerdem scheint der Winkel, den die Gobbi-Kugeln bilden, die räumliche Wahrnehmung herauszufordern.

Gobbi-Mobile Selbermachen

  • Die fünf Kugeln für das Gobbi-Mobile bestehen meist aus Styropor und haben einen Durchmesser von etwa fünf Zentimetern.
  • Sie können bemalt, ganz klassisch mit Perlgarn umwickelt oder mit einem Häkelüberzug versehen werden.
  • Wichtig ist dabei, dass es sich um Schattierungen ein und desselben Farbtons handelt. Es ist also nicht genug, fünf verschiedene Blautöne miteinander zu kombinieren. Welche Farbe du wählst, ist Geschmackssache.
  • Die Farbe soll von Kugel zu Kugel heller werden, sich aber sonst nicht verändern. Die Kugeln werden dann im 45°-Winkel an einem Stab aufgereiht, wobei die dunkelste Kugel am niedrigsten hängt und die hellste am höchsten.

4. Tänzer-Mobile: Bewegung ohne Unterlass

Das Tänzer-Mobile

Die vier Tänzer sind zweidimensionale Gestalten mit einem kreisförmigen Kopf und zwei bogenartigen Gebilden als Gliedmaßen.

Sie bewegen sich deutlich mehr als das bei den vorhergehenden Mobiles der Fall war. Das schillernde Material (meist Gold oder Silber in Kombination mit verschiedenen Farben) fesselt das Interesse eines Babys noch zusätzlich.

Ab wann?

Ca. ab dem dritten Lebensmonat einführen.

Für das Tänzer-Mobile braucht ein Baby schon ziemlich viel Konzentration, um den sanften Bewegungen der stilisierten Figuren folgen zu können.

Tänzer-Mobile Selbermachen

  • Druckvorlage hier bei montessorinest herunterladen.
  • Die Tänzer sollen intensiv farbig sein, aber es sollten auch nicht zu viele Farben miteinander kombiniert werden. Drei bis vier sind meistens ausreichend.
  • Wichtig ist auch ein ausreichender Abstand zwischen den Figuren. Die einzelnen Tänzer selbst sind etwa 17 Zentimeter hoch.
  • Als Material eignet sich schillerndes Papier oder Hologrammfolie.

Wie nutzt man ein Montessori Mobile

Ein Montessori-Mobile wird einem Baby am besten zu einem Zeitpunkt gezeigt, wo es ausgeruht, satt und hellwach ist. Nur so ist gewährleistet, dass es aufnahmebereit ist.

Tipps, wie Du ein Montessori Mobile nutzt

  • Das Mobile wird etwa 20 bis 30 Zentimeter über der Brust des Babys aufgehängt.
  • Dazu kann ein Mobile-Halter an der Wand dienen, oder aber ein Spieltrapez oder etwas Vergleichbares. Dein Baby sollte unter dem Mobile am Boden auf einer Decke oder Spielmatte liegen. Du kannst ihm dann ein wenig Raum geben, um sich mit dem neuen Objekt zu beschäftigen. Das bedeutet, du bleibst in der Nähe deines Kleinen, aber hältst dich in der Interaktion zurück, bis es signalisiert, dass es wieder zu dir möchte.
  • Gib deinem Kind mehrmals täglich und bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen die Möglichkeit, sich mit dem Mobile zu beschäftigen.
  • Nach einigen Tagen kannst du verschiedene Hilfsmittel (etwa einen Spiegel oder eine Lampe, die für schöne Schattenspiele an der Wand sorgt) einführen, damit das Erlebnis für dein Kind anregend bleibt.

Wann du das nächste Mobile einführen solltest

Es gibt zwei Dinge, die anzeigen, dass dein Kind eventuell bereit für das nächste Mobile in der Reihe ist:

Daran erkennst Du, wann das nächste Montessori Mobile dran ist:

  1. Es mag sich mit dem aktuellen Mobile nicht mehr befassen, scheint davon schnell gelangweilt oder frustriert, es weint vielleicht sogar oder wendet sich zumindest rasch ab.
  2. Es scheint sich für neue Objekte in seiner Umgebung zu interessieren, die etwa farbig sind, sich bewegen oder das Licht brechen.

Dann kannst du das Mobile im Beisein deines Babys auswechseln und schauen, wie es reagiert.

Die Mobiles können grundsätzlich rotiert werden, es kann also nach einigen Wochen auch das erste Mobile wiederkommen und so kann es weitergehen, bis Mobiles insgesamt nicht mehr attraktiv für dein Kind sind. Das ist meistens erst im zweiten Lebensjahr der Fall.

Auf der Suche nach mehr Tipps, wie Du ein Babyzimmer nach Montessori gestalten kannst?

In unserem Artikel „Montessori Babyzimmer findest Du weitere Anregungen & Inspirationen

Wieso kein herkömmliches Mobile?

Nicht alle Mobiles, die kein „Montessori“-Prädikat tragen sind ungeeignet für ein Baby. Maria Montessori hat sich sehr stark und auch auf sehr originelle Weise daran orientiert, was sie über Neugeborene und ihre Wahrnehmung wusste. Ihre Einschätzung war äußerst präzise, und deshalb zählen ihre Mobiles zu den Materialien für Babys, die am ehesten ihren Vorlieben und Fähigkeiten sowie ihrer Lernkurve entsprechen.

Doch auch herkömmliche Mobiles können einen ähnlichen Zweck erfüllen, wenn sie auf eine bestimmte Weise gestaltet sind.

Wenn du gerne ein anderes oder ein weiteres Mobile kaufen möchtest oder vielleicht schon eines besitzt, achte auf diese Eigenschaften:

Übersichtlichkeit

Das Mobile sollte eine klare Struktur aufweisen und nicht zu viele verschiedene Elemente enthalten.

Vier sind für ein Neugeborenes völlig ausreichend, mit jedem weiteren Lebensmonat kann etwa ein weiteres Element hinzukommen. 

Naturnahe oder abstrakte Formen

Klare Formen erleichtern deinem Baby einerseits, den Blick zu fokussieren. Andererseits lenken sie auch nicht vom Wesentlichen ab. Die meisten Montessori-Mobiles bestehen aus abstrakten Formen (bei den “Tänzern” ergeben diese Formen ab Ende erstmals etwas Figürliches, wobei fraglich ist, inwieweit ein Baby die Figuren als menschenähnlich wahrnimmt).

Wenn das Mobile aus konkreten Formen bestehen soll, entscheide dich für alltagsnahe und realistische Motive, etwa Tierformen, Blumen oder Blätter. Ungeeignet sind stark abgewandelte Formen mit z.B. Comic-Motive.

Kräftige Farben

Auch wenn die Farbgestaltung eines Mobiles natürlich Geschmackssache ist, reagieren Babys besser auf kräftige Farben. Das meint sowohl die Primärfarben Rot, Blau und Gelb (und zunehmend auch ihre Komplementärfarben), sondern auch Weiß und Schwarz.

Pastellfarben, beige oder grau sind zwar für die Umgebung des Babys wunderbar geeignet, aber bei den Mobiles regen starke visuelle Eindrücke einfach deutlich mehr an.

In unserem Artikel „Montessori Spielzeuge für Babies findest Du viele tolle Möglichkeiten, die Fähigkeiten Deines Babies zu fördern.

No-Gos bei der Verwendung von Mobiles

Über dem Bett oder Wickeltisch platzieren

Der klassische Platz für ein Mobile befindet sich über der Wickelkommode oder dem Bettchen. Es soll der Ablenkung oder Beruhigung dienen, wenn das Baby sich in der gegebenen Situation unwohl fühlt. Das entspricht überhaupt nicht der Haltung, die man einem Säugling nach Montessori entgegenbringen sollte.

Zunächst sind Bett und Wickelplatz Orte, an denen das Baby präsent und möglichst autonom seine körperlichen Bedürfnisse erfüllt (bekommt). Ruhen bzw. schlafen und gewickelt werden sind Aktivitäten, auf die sich sowohl du als auch dein Baby voll und ganz konzentrieren sollten.

Wenn ihr dabei in gutem Kontakt bleibt, ist Ablenkung absolut unnötig. Ähnlich ist es mit dem Kennenlernen der Mobiles: Für ein Baby ist das Beobachten eine sehr ernste und wichtige Tätigkeit, die für sich stehen soll. Es soll mit dem Mobile in Ruhe und ohne unterbrochen zu werden umgehen lernen.

Mobiles mit Sound- oder Lichteffekten wählen

In den ersten Lebensmonaten sind die in unseren Augen banalsten Erscheinungen absolut fesselnd. Die Art, wie sich ein Mobile ganz sanft bewegt, ist für ein Baby aufregend genug und kann es über längere Zeit beschäftigen.

Zusätzliche Effekte, etwa akustischer Art, stören diese hochkonzentrierte Beobachtung eher und können das Kleine überfordern. 

Das Mobile „heimlich“ austauschen

Wenn dein Baby mit einem Mobile einige Tage oder Wochen häufig zu tun hatte, wird es zu einem vertrauten und zuverlässigen Bestandteil seiner kleinen Welt. Es kann deshalb sehr verwirrend und sogar verunsichernd sein, wenn das Mobile einfach über Nacht verschwindet und stattdessen durch ein anderes ersetzt wird.

Besser ist es, die Mobiles im Beisein deines Kindes einzutauschen und ihm zu erklären, was du da gerade machst und warum.

Das Mobile für dein Baby bewegen

Das Mobile ist ein Objekt, dem dein Kleines ohne äußere Einflüsse  begegnen soll. Du kannst dich gerne jederzeit neben dein Baby setzen oder legen und mit ihm gemeinsam das Mobile ansehen. Aber es anzuschubsen oder daran zu ziehen, damit es sich bewegt, ist völlig unnötig.

Viel schöner und wichtiger für ein Baby zu lernen ist, dass es selbst nach dem Mobile greifen und es mit der Zeit sogar fassen und bewegen kann. Es erlebt sich so ganz für sich als UrheberIn einer Veränderung in der Welt.

Ideologisch sein

Nicht alle Babys finden Gefallen an den Montessori-Mobiles. Einige mögen es nicht, wenn etwas so nah über ihnen schwebt. Andere möchten ihren Blick lieber an Gesichtern, Bäumen oder Lichtquellen schulen.

Wenn dein Baby das Mobile ablehnt, kannst du es ihm zunächst auf andere Weise präsentieren: Du kannst es seitlich zu ihm platzieren, es auf deiner Höhe befestigen und das Baby beim Beobachten tragen oder das Mobile im Spiegel sichtbar werden lassen. Weint dein Kind oder zeigt es sich desinteressiert, ist es vielleicht gerade nicht aufnahmebereit.

Und wenn ihm andere Gegenstände oder ein anderes Mobile einfach besser gefällt, dann darf das auch sein. Ein Baby ist eine eigenständige kleine Person und darf ästhetische Vorlieben haben.

Wer wir sind

Hi, wir sind Nadine & Atti! Wir haben dieses Projekt ins Leben gerufen, um mehr Eltern dabei zu helfen das Konzept nach Montessori zu Hause umzusetzen. Wir schreiben über Montessori Erziehung, Spielzeuge für unterschiedliche Altersgruppen und geben Tipps wie man sein Zuhause Montessori-gerecht einrichten kann.