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Übungen des täglichen Lebens: Montessori-Ideen zum Schütten, Putzen und Anziehen

In jedem Montessori-Kinderhaus gibt es ein Regal, auf dem Krüge, Schüsseln, Bürsten und Tücher stehen. Das sind die Übungen des täglichen Lebens, und mit ihnen fängt fast jedes Kind an. Sie sehen unspektakulär aus, weil sie genau das zeigen, was Erwachsene jeden Tag tun: einschenken, spülen, eine Jacke zuknöpfen, eine Pflanze gießen.

Für ein Kind sind das keine Nebensachen. Es sieht Dich diese Dinge ständig tun und möchte sie selbst können. Auf einem Tablett, in seiner Größe und ohne Zeitdruck, darf es das. Dabei übt es nebenbei, was es für alles Weitere braucht: eine ruhige Hand, die Fähigkeit, einen Ablauf von Anfang bis Ende durchzuhalten, und das Gefühl, etwas Echtes beizutragen.

Hier findest Du zwölf Tabletts aus fünf Bereichen: Schütten und Sieben, Waschen und Spülen, Anziehen, Essen zubereiten und Pflanzen pflegen. Für alle reicht, was in Küche, Bad und Kleiderschrank ohnehin da ist. Die Altersangaben sind Richtwerte – wie gut ein Tablett passt, merkst Du daran, ob Dein Kind dabei bleibt.

Schütten und Sieben

Schütten ist die Übung, mit der die meisten Kinder in Montessori-Gruppen anfangen. Sie verlangt wenig Erklärung und viel Gefühl im Handgelenk. Beide Tabletts hier arbeiten mit Trockenem, damit ein Missgeschick in zehn Sekunden zusammengekehrt ist.

Linsen auf drei Gläser verteilen

ab 3 Jahren  ·  Auge-Hand-Koordination · Mengengefühl · Körperbeherrschung
Montessori-Tablett: Linsen auf drei Gläser verteilen
Ein Kännchen, drei Gläser: Die Kunst liegt darin, rechtzeitig aufzuhören.

Im Milchkännchen liegen 150 g rote Linsen, daneben stehen drei gleiche kleine Gläser in einer Reihe. Das Kind gießt in das erste Glas, hält an, gießt ins zweite, hält an, und der Rest geht ins dritte. Danach werden die Gläser einzeln ins Kännchen zurückgekippt, und alles beginnt von vorn.

Von einem Gefäß in ein anderes zu schütten, können viele Dreijährige schon. Neu ist hier das Aufhören mittendrin. Am Anfang ist das erste Glas randvoll und das dritte fast leer – das sieht das Kind selbst, ohne dass jemand etwas sagen muss, und beim nächsten Durchgang gießt es vorsichtiger.

Das kommt aufs Tablett
  • 1 Milchkännchen mit Ausguss
  • 150 g rote Linsen
  • 3 gleiche kleine Gläser, je etwa 100 ml
  • 1 Tablett mit Rand
  • 1 kleiner Handfeger

Das übt Dein Kind dabei

Das Handgelenk muss den Strom nicht nur starten, sondern auch stoppen, und zwar so, dass das Kännchen zurückkippt, bevor das Glas überläuft. Linsen fließen träger als Wasser und lassen sich gut beobachten. Beim Zurückgießen aus dem schmalen Glas in die enge Öffnung des Kännchens wird es noch einmal schwieriger.

Unsichtbar dabei: das Schätzen. Das Kind muss beim ersten Glas schon an das dritte denken. „Gleich viel“ ist für Dreijährige ein Begriff, den sie hier zum ersten Mal mit den Augen prüfen, indem sie die drei Gläser nebeneinander anschauen.

Wenn es zu leicht wird: Stelle vier oder fünf Gläser hin. Später ersetzt Wasser die Linsen – dann zeigt sich jedes Zittern sofort, und ein Schwamm gehört mit aufs Tablett.

Linsen aus dem Mehl sieben

ab 3 Jahren  ·  Feinmotorik · Ursache und Wirkung · Ausdauer
Montessori-Tablett: Linsen aus dem Mehl sieben
Oben bleiben die Linsen, unten sammelt sich weißes Mehl – das Sieb erklärt sich selbst.

In der linken Schale sind 3 EL Mehl und 3 EL braune Linsen vermischt. Das Kind hängt das Sieb über die leere Schale, löffelt das Gemisch hinein und klopft mit der flachen Hand sacht an den Rand. Das Mehl rieselt durch, die Linsen bleiben liegen und werden ins Schälchen gekippt.

Das Tablett sieht unscheinbar aus und wird trotzdem gern wiederholt, weil das Sortieren von alleine passiert. Das Kind muss nicht jede Linse herauspicken, es muss nur verstehen, was das Sieb tut. Mehl staubt ein bisschen, deshalb gehört das Tablett auf einen Tisch, nicht auf den Teppich.

Das kommt aufs Tablett
  • 3 EL Mehl
  • 3 EL braune Linsen
  • 1 Küchensieb mit feinem Netz
  • 1 Esslöffel
  • 3 Schalen, eine davon kleiner

Das übt Dein Kind dabei

Das Sieb muss ruhig über der Schale bleiben, während die andere Hand löffelt oder klopft. Zu kräftiges Klopfen wirft Mehl über den Rand, zu zaghaftes bewegt nichts. Das Kind findet die richtige Stärke durch Probieren, und das Ergebnis zeigt ihm sofort, ob es passt.

Ein Sieb trennt nach Größe. Das sagt man einem Kind nicht, das sieht es: Was klein ist, fällt, was groß ist, bleibt. Wer das einmal verstanden hat, erkennt das Prinzip später beim Nudelabgießen oder im Sandkasten wieder.

Wenn es zu leicht wird: Wenn die Linsen sauber herauskommen, siebt das Kind echtes Mehl für einen Teig, etwa für Pfannkuchen. Dann hat das Sieben einen Zweck, der über das Tablett hinausreicht.

Waschen und Spülen

Wasser, Seife, ein Handtuch: Diese Tabletts sind nichts anderes als ein Waschbecken auf Kinderhöhe. Wer sie anbietet, braucht etwas Gelassenheit beim Wischen – und bekommt dafür Kinder, die wissen, wie man sauber macht.

Hände waschen am Tisch

ab 2 Jahren  ·  Selbstständigkeit · Handlungsabfolge · Körperpflege
Montessori-Tablett: Hände waschen am Tisch
Krug, Schüssel, Seife, Handtuch – das ganze Waschbecken auf einem Tablett.

Das Kind gießt 500 ml lauwarmes Wasser aus dem Krug in die Schüssel, macht die Hände nass, seift sie ein, reibt jeden Finger, spült ab und trocknet sich ab. Am Ende trägt es die Schüssel zum Eimer, leert sie aus und stellt alles wieder an seinen Platz.

Am Waschbecken im Bad ist das Kind auf einen Hocker angewiesen, und der Wasserhahn erledigt die halbe Arbeit. Am Tisch macht es alles selbst, vom Wasserholen bis zum Ausleeren. Viele Kinder waschen sich in einer Runde drei-, viermal hintereinander die Hände – nicht weil sie schmutzig sind, sondern weil der Ablauf sie fesselt.

Das kommt aufs Tablett
  • 1 Waschschüssel
  • 1 Krug mit 500 ml lauwarmem Wasser
  • 1 Stück Seife in einer Seifenschale
  • 1 kleines Handtuch
  • 1 Eimer zum Ausleeren

Das übt Dein Kind dabei

Händewaschen besteht aus mindestens acht Schritten in fester Reihenfolge. Wer einen davon vergisst, merkt es: Ohne Seife schäumt nichts, ohne Abspülen kleben die Hände. Das Kind lernt eine Abfolge, die es danach überall braucht, und dazu das Tragen einer vollen Schüssel, ohne zu verschütten.

Was man nicht sieht: Händewaschen hört auf, eine Pflicht vor dem Essen zu sein, und wird zu etwas, das das Kind kann. Kinder, die das Tablett kennen, gehen später am Waschbecken gründlicher vor, weil sie wissen, wie sich saubere Hände anfühlen.

Wenn es zu leicht wird: Lege eine Nagelbürste dazu. Später kommt eine Handcreme ans Ende – dann hat der Ablauf einen Schritt mehr, und die Hände werden gepflegt statt nur gewaschen.

Geschirr spülen in zwei Schüsseln

ab 3 Jahren  ·  Selbstständigkeit · Handlungsabfolge · Verantwortung
Montessori-Tablett: Geschirr spülen in zwei Schüsseln
Links schäumt es, rechts ist es klar: Spülen in zwei Stationen.

Nach dem Frühstück bringt das Kind seinen Becher, seinen Teller und seinen Löffel zum Spültablett. In die linke Schüssel kommen 500 ml lauwarmes Wasser und 1 Tropfen Spülmittel, in die rechte 500 ml klares Wasser. Das Kind schrubbt jedes Teil mit der Bürste, taucht es rechts ab und trocknet es mit dem Geschirrtuch.

Ein einziger Tropfen Spülmittel reicht völlig. Mehr gibt einen Schaumberg, über den sich Kinder freuen, der aber das Abspülen zur Daueraufgabe macht. Wenn Du merkst, dass mehr geplanscht als gespült wird, ist das normal und hört meist nach ein paar Tagen von selbst auf.

Das kommt aufs Tablett
  • 2 Schüsseln
  • 1 Krug mit 1 l lauwarmem Wasser
  • 1 Tropfen Spülmittel
  • 1 Spülbürste
  • 1 Geschirrtuch

Das übt Dein Kind dabei

Das Kind hält das nasse, glitschige Geschirr mit einer Hand fest und bürstet mit der anderen. Es lernt, einen Becher innen auszuwischen, den Teller zu drehen und nachzusehen, ob noch etwas klebt. Das Abtrocknen verlangt, dass es den Teller umschließt, statt ihn nur anzutupfen.

Das Kind räumt hinter sich selbst auf. Der Becher, aus dem es morgen trinkt, ist sauber, weil es ihn gespült hat. Diese Verbindung zwischen eigener Arbeit und eigenem Alltag ist das, worum es bei den Übungen des täglichen Lebens eigentlich geht.

Wenn es zu leicht wird: Lass das Kind auch das Geschirr eines anderen Kindes spülen. Danach lernt es, das Wasser selbst einzulassen und die Schüsseln am Ende zu leeren und auszuwischen.

Anziehen üben

Knöpfe, Reißverschlüsse und Schnürsenkel lernen Kinder schlecht am eigenen Körper, weil sie dort nicht hinsehen können. Auf dem Tisch liegt alles vor ihnen, und keiner wartet an der Tür.

Die Strickjacke zuknöpfen

ab 3 Jahren  ·  Feinmotorik · Beidhändigkeit · Selbstständigkeit
Montessori-Tablett: Die Strickjacke zuknöpfen
Flach auf dem Tisch liegt die Jacke vor dem Kind, nicht an ihm.

Eine Strickjacke mit fünf großen Knöpfen liegt gefaltet auf dem Tablett. Das Kind trägt sie zum Tisch, breitet sie aus, legt die beiden Vorderseiten übereinander und knöpft von unten nach oben zu. Danach knöpft es alles wieder auf und hängt die Jacke auf den Bügel.

Die klassischen Montessori-Anziehrahmen machen genau das, nur mit Stoff in einem Holzrahmen. Eine echte Jacke tut es genauso, kostet nichts und hat den Vorteil, dass das Kind sie wiedererkennt. Nimm eine Jacke mit Knöpfen, die gut in der Kinderhand liegen, und Knopflöchern, die nicht zu eng sind.

Das kommt aufs Tablett
  • 1 Strickjacke mit 5 großen Knöpfen
  • 1 Tablett, auf das die gefaltete Jacke passt
  • 1 Kleiderbügel
  • 1 Hemd mit kleineren Knöpfen für später

Das übt Dein Kind dabei

Zuknöpfen braucht zwei Hände, die Verschiedenes tun: Die eine hält das Knopfloch auf, die andere schiebt den Knopf mit Daumen und Zeigefinger hindurch und zieht ihn von der anderen Seite heraus. Auf dem Tisch kann das Kind beide Hände dabei beobachten, was am eigenen Bauch nicht geht.

Wer unten anfängt, merkt am Ende, ob alles stimmt: Bleibt oben ein Knopf übrig, ist irgendwo einer verrutscht. Das Kind lernt, sein eigenes Ergebnis zu prüfen und den Fehler zu suchen, statt Erwachsene zu fragen.

Wenn es zu leicht wird: Tausche die Strickjacke gegen das Hemd mit kleineren Knöpfen. Danach probiert das Kind es an der eigenen Jacke, die es anhat – jetzt ohne hinzusehen.

Der Reißverschluss am Kulturbeutel

ab 2 Jahren  ·  Feinmotorik · Beidhändigkeit · Ordnung
Montessori-Tablett: Der Reißverschluss am Kulturbeutel
Aufziehen, auspacken, einpacken, zuziehen – und drinnen wartet etwas.

Im Kulturbeutel stecken ein Kamm, eine Zahnbürste und ein Waschlappen. Das Kind zieht den Reißverschluss auf, nimmt die Dinge heraus und legt sie nebeneinander aufs Tablett. Dann packt es alles wieder ein und zieht zu.

Ein Reißverschluss an sich ist für Zweijährige nach drei Versuchen langweilig. Erst der Inhalt macht das Öffnen sinnvoll. Wähle einen Beutel mit großem Zipper, gern einen alten aus der Schublade, und lege Dinge hinein, die das Kind benennen kann.

Das kommt aufs Tablett
  • 1 Kulturbeutel oder Federmäppchen mit großem Reißverschluss
  • 1 Kamm
  • 1 Kinderzahnbürste
  • 1 Waschlappen
  • 1 Tablett

Das übt Dein Kind dabei

Damit der Schieber läuft, muss eine Hand den Stoff festhalten und spannen, während die andere zieht. Ohne Gegenhalten verhakt sich der Reißverschluss oder der Beutel rutscht mit. Genau diese Arbeitsteilung braucht das Kind später, wenn es die eigene Jacke schließt.

Das Ein- und Auspacken ist eine kleine Ordnungsübung: Alles, was herausgekommen ist, muss wieder hinein, und das Tablett ist erst fertig, wenn nichts mehr daneben liegt. Kinder kontrollieren das oft mit einem prüfenden Blick über das leere Tablett.

Wenn es zu leicht wird: Lege eine Jacke flach auf den Tisch, deren Reißverschluss ganz offen ist. Das Einfädeln des Schiebers unten ist der schwierigste Teil und gelingt meist erst mit vier Jahren.

Den Schuh schnüren

ab 4 Jahren  ·  Feinmotorik · Reihenfolge · Ausdauer
Montessori-Tablett: Den Schuh schnüren
Ein ausgedienter Turnschuh wird zur Übungsstation für Ösen und Schleifen.

Auf dem Tablett steht ein alter Turnschuh ohne Schnürsenkel, daneben liegt ein 120 cm langer Senkel. Das Kind fädelt ihn von unten nach oben durch die Ösen, kreuzt bei jedem Paar und achtet darauf, dass beide Enden am Schluss etwa gleich lang sind.

Ein Erwachsenenschuh ist hier besser als ein Kinderschuh: Die Ösen sind größer, und der Schuh steht stabil, ohne dass jemand ihn festhält. Das Schleifebinden ist ein eigenes Kapitel und kommt erst, wenn das Schnüren sicher sitzt.

Das kommt aufs Tablett
  • 1 ausgedienter Turnschuh in Erwachsenengröße
  • 1 Schnürsenkel, 120 cm lang
  • 1 wasserfester Stift
  • 1 Tablett

Das übt Dein Kind dabei

Das Ende des Senkels muss genau in die Öse gesteckt und von der anderen Seite gegriffen werden. Dabei kommt es auf die Richtung an: Wird einmal von oben statt von unten gefädelt, liegt die Kreuzung falsch. Das Kind lernt, ein Muster über mehrere Schritte fortzusetzen.

Wenn am Ende ein Senkelende viel länger ist als das andere, hat das Kind unterwegs eine Öse übersprungen oder schief gezogen. Diesen Zusammenhang zu erkennen und den Schuh dann noch einmal aufzuschnüren, statt aufzugeben, ist eine eigene Leistung.

Wenn es zu leicht wird: Färbe eine Hälfte des Schnürsenkels mit dem wasserfesten Stift. Mit zwei Farben kann das Kind beim Schleifebinden verfolgen, welches Ende wohin gehört – das klappt meist mit fünf oder sechs Jahren.

Essen zubereiten

Was auf diesen Tabletts entsteht, wird hinterher gegessen oder getrunken. Das ist der Unterschied zum Spiel, und Kinder spüren ihn genau.

Trauben abzupfen und waschen

ab 2 Jahren  ·  Feinmotorik · Handlungsabfolge · Gemeinschaft
Montessori-Tablett: Trauben abzupfen und waschen
Zupfen, waschen, abtropfen lassen – und dann wird geteilt.

Das Kind zupft 250 g Weintrauben einzeln von der Rispe und legt sie in die Schüssel mit kaltem Wasser. Die leere Rispe kommt ins Schälchen. Dann schöpft es die Trauben mit den Händen ins Sieb, lässt sie abtropfen und füllt sie in die Servierschale.

Für Kinder unter vier Jahren schneidest Du die Trauben danach der Länge nach in Viertel, weil ganze Trauben sich in kleinen Atemwegen festsetzen können. Ab etwa drei Jahren kann das Kind mit einem Kindermesser selbst halbieren, das Vierteln übernimmst Du.

Das kommt aufs Tablett
  • 250 g Weintrauben an der Rispe
  • 1 Schüssel mit kaltem Wasser
  • 1 Sieb
  • 1 Schälchen für die Rispe
  • 1 Servierschale

Das übt Dein Kind dabei

Eine Traube löst sich nicht durch Ziehen allein. Die eine Hand hält die Rispe, die andere fasst die Traube mit den Fingerspitzen und dreht sie leicht ab. Zu fester Griff zerdrückt sie – das Kind lernt, Kraft zu dosieren, und bekommt die Rückmeldung in Form von klebrigen Fingern.

Die Schale geht am Ende herum. Das Kind bietet an, was es vorbereitet hat, und in einer Gruppe entsteht daraus oft ein kleines Ritual. Es erlebt sich als jemand, der für andere etwas tut, nicht nur für sich.

Wenn es zu leicht wird: Wechsle zu Kirschtomaten, die vom Strauch gezupft werden, oder zu Johannisbeeren, die sich mit einer Gabel von der Rispe streifen lassen.

Kräuterquark anrühren

ab 3 Jahren  ·  Feinmotorik · Ausdauer · Selbstständigkeit
Montessori-Tablett: Kräuterquark anrühren
Quark, Milch, Petersilie – und eine Gabel, die einiges zu tun bekommt.

Das Kind gibt 250 g Magerquark in die Schüssel, gießt 3 EL Milch dazu und rührt mit der Gabel, bis keine Klümpchen mehr zu sehen sind. Dann zupft es die Blätter von einer Handvoll Petersilie, reißt sie mit den Fingern klein und rührt sie unter.

Salz braucht es dafür nicht, Kinder mögen den milden Geschmack. Was danach dazu gegessen wird, entscheidet der Kühlschrank: Gurkenstücke, Brot, Pellkartoffeln. Quark ist zäher, als er aussieht, deshalb ist das Rühren hier echte Arbeit für den Unterarm.

Das kommt aufs Tablett
  • 250 g Magerquark
  • 3 EL Milch
  • 1 Handvoll glatte Petersilie
  • 1 Rührschüssel
  • 1 Gabel

Das übt Dein Kind dabei

Rühren in einer zähen Masse verlangt, dass eine Hand die Schüssel festhält und die andere in Kreisen arbeitet, ohne dass der Quark über den Rand wandert. Das Abzupfen der Petersilienblätter ist eine zweite, ganz feine Bewegung zwischen Daumen und Zeigefinger.

Das Kind erlebt, wie aus getrennten Dingen etwas Neues wird: Der Quark wird heller und cremiger, die grünen Flecken verteilen sich. Es lernt auch, wann etwas fertig ist – nicht, wenn die Uhr es sagt, sondern wenn die Klümpchen verschwunden sind.

Wenn es zu leicht wird: Lass das Kind die Milch selbst mit dem Esslöffel abmessen. Später kommt Schnittlauch dazu, den es mit der Kinderschere schneidet, oder eine halbe Gurke, die es raspelt.

Minzwasser ansetzen und abgießen

ab 3 Jahren  ·  Auge-Hand-Koordination · Sinneswahrnehmung · Geduld
Montessori-Tablett: Minzwasser ansetzen und abgießen
Erst zupfen und riechen, dann warten, dann durchs Sieb gießen.

Das Kind zupft die Blätter von einer Handvoll frischer Minze, reibt sie kurz zwischen den Händen und legt sie in den Krug. Darauf kommen 500 ml kaltes Wasser. Der Krug wandert für eine Stunde in den Kühlschrank, danach gießt das Kind das Minzwasser durch das Teesieb in zwei Gläser.

Das Reiben der Blätter ist der Moment, in dem sich der Raum mit Geruch füllt, und für viele Kinder der schönste Teil. Die Wartezeit dazwischen ist kein Nachteil: Ein Tablett, das man am Morgen beginnt und vor dem Mittagessen beendet, gibt dem Vormittag einen Bogen.

Das kommt aufs Tablett
  • 1 Handvoll frische Minze
  • 500 ml kaltes Wasser
  • 1 Glaskrug
  • 1 Teesieb
  • 2 Gläser

Das übt Dein Kind dabei

Beim Abgießen müssen zwei Dinge gleichzeitig gelingen: Der Krug wird gekippt, und das Teesieb bleibt genau über dem Glas. Die Blätter halten das Kind auf, wenn sie in den Ausguss rutschen – dann muss es den Krug kurz absetzen und neu ansetzen.

Das Kind erlebt, dass manches Zeit braucht. Nach einer Stunde schmeckt das Wasser nach Minze, vorher nicht. Wer zwischendurch probieren darf, merkt den Unterschied selbst, und das erklärt mehr als jeder Hinweis aufs Warten.

Wenn es zu leicht wird: Gib Zitronenmelisse oder ein paar Gurkenscheiben dazu. Das Kind kann dann vergleichen, welches Wasser ihm am besten schmeckt, und ein Glas für jemand anderen einschenken.

Pflanzen pflegen

Eine Pflanze antwortet langsam. Sie lässt die Blätter hängen, wenn sie Durst hat, und schiebt nach Wochen neue Wurzeln. Diese beiden Tabletts üben Fürsorge, die nicht sofort belohnt wird.

Die Zimmerpflanze gießen

ab 2 Jahren  ·  Verantwortung · Beobachtung · Körperbeherrschung
Montessori-Tablett: Die Zimmerpflanze gießen
Erst den Finger in die Erde, dann die Kanne – und nur so viel, wie in ihr ist.

Bevor gegossen wird, steckt das Kind einen Finger etwa zwei Zentimeter tief in die Erde. Ist sie trocken, gießt es die 200 ml aus der kleinen Kanne langsam rund um den Stängel auf die Erde, nicht auf die Blätter. Ist sie noch feucht, bleibt die Kanne stehen.

Die Wassermenge ist bewusst klein: Mehr als die Kanne fasst, kann nicht in den Topf. So überlebt die Pflanze auch die Begeisterung der ersten Tage. Das Schwammtuch liegt bereit für das, was auf den Untersetzer oder daneben geht.

Das kommt aufs Tablett
  • 1 Zimmerpflanze im Topf mit Untersetzer
  • 1 kleine Gießkanne mit langem Ausguss
  • 200 ml Wasser
  • 1 Schwammtuch
  • 1 Tablett

Das übt Dein Kind dabei

Ein langer Ausguss muss gezielt zwischen die Blätter geführt werden. Das Kind lernt, die Kanne mit beiden Händen zu halten, langsam zu kippen und abzusetzen, sobald sich Wasser im Untersetzer sammelt.

Das Wichtigste passiert vor dem Gießen. Die Fingerprobe lehrt, dass Fürsorge mit Hinschauen beginnt und nicht mit Tun. Eine Pflanze braucht nicht jeden Tag Wasser, und ein Kind, das das versteht, versteht auch, dass andere Lebewesen eigene Bedürfnisse haben.

Wenn es zu leicht wird: Stelle zwei Pflanzen mit unterschiedlichem Durst nebeneinander, etwa einen Farn und eine Sukkulente. Das Kind merkt nach ein paar Wochen, dass die eine öfter trocken ist als die andere.

Ein Grünlilienkindel ins Wasserglas setzen

ab 3 Jahren  ·  Feinmotorik · Naturbeobachtung · Geduld
Montessori-Tablett: Ein Grünlilienkindel ins Wasserglas setzen
Ein Schnitt, ein Glas Wasser, und dann heißt es zwei Wochen lang: nachsehen.

Grünlilien bilden an langen Ausläufern kleine Pflänzchen, die Kindel. Das Kind sucht sich eines aus, an dessen Unterseite schon kleine Wurzelansätze zu sehen sind, und schneidet den Ausläufer dicht über dem Kindel mit der Kinderschere ab. Dann setzt es das Kindel in das Glas mit 100 ml Wasser, sodass nur der Ansatz im Wasser steht.

Nach ein bis zwei Wochen wachsen sichtbare weiße Wurzeln. Das Glas steht hell, aber nicht in der prallen Sonne, und das Kind füllt Wasser nach, wenn der Ansatz trocken liegt. Sind die Wurzeln einige Zentimeter lang, kann das Kindel in einen eigenen Topf.

Das kommt aufs Tablett
  • 1 Grünlilie mit Kindeln
  • 1 Kinderschere
  • 1 schmales Glas, etwa ein leeres Senfglas
  • 100 ml Wasser in einem Kännchen
  • 1 Tablett

Das übt Dein Kind dabei

Das Kind muss die Schere an einer bestimmten Stelle ansetzen, an einem dünnen, beweglichen Stängel. Das ist schwieriger als Papierschneiden, weil der Ausläufer nachgibt. Mit der freien Hand hält es das Kindel fest, damit es nicht herunterfällt.

Dann passiert lange nichts, zumindest scheinbar. Das Kind schaut jeden Tag ins Glas, und irgendwann ist da ein weißer Faden. Diese Erfahrung, dass Wachstum langsam und doch sicher kommt, kann man einem Kind nicht erklären, nur ermöglichen.

Wenn es zu leicht wird: Wenn die Wurzeln lang genug sind, topft das Kind das Kindel selbst ein und schenkt es weiter – an Großeltern oder ein anderes Kind in der Gruppe.

So richtest Du die Tabletts ein

Ein Tablett, eine Aufgabe. Auf dem Tablett liegt genau das, was für die Übung gebraucht wird, und nichts sonst. Ordne die Dinge so an, wie sie benutzt werden, von links nach rechts. Das hilft dem Kind, den Ablauf zu erkennen, und bereitet nebenbei die Leserichtung vor.

Nimm echtes Material. Ein Glaskrug kann zerbrechen, und genau deshalb lernt das Kind, ihn vorsichtig zu tragen. Plastik verzeiht jeden Fehler und lehrt darum nichts über Gewicht und Zerbrechlichkeit. Wähle Gefäße, die klein genug für Kinderhände sind, aber nicht wie Spielzeug aussehen.

Zeig die Übung einmal langsam und mit wenig Worten. Kinder schauen auf Deine Hände, nicht auf Deinen Mund. Wenn Du beim Gießen erklärst, sieht das Kind nicht, wie Du das Kännchen hältst. Danach trittst Du zurück, auch wenn es anders macht als Du.

Das Aufräumen gehört zur Übung. Ein Lappen, ein Handfeger oder ein Schwammtuch hat seinen festen Platz am Tablett, und das Kind darf und soll selbst aufwischen, was danebengeht. Fertig ist die Übung erst, wenn das Tablett wieder so aussieht wie vorher und an seinem Platz im Regal steht.

Wechsle die Tabletts, wenn das Interesse nachlässt, aber nicht vorher. Ein Kind, das zwei Wochen lang jeden Tag die Hände am Tisch wäscht, ist nicht gelangweilt, es arbeitet an etwas. Vier oder fünf Tabletts im Regal reichen völlig; mehr machen die Auswahl schwerer, nicht reicher.

Häufige Fragen

Was sind Übungen des täglichen Lebens in der Montessori-Pädagogik?

Es sind Tätigkeiten aus dem Haushalt und der Selbstversorgung, die Kinder mit echtem Material üben: Schütten, Putzen, Anziehen, Essen zubereiten, Pflanzen pflegen. Sie bilden in Montessori-Einrichtungen den ersten Bereich, mit dem Kinder anfangen, weil sie an das anknüpfen, was die Kinder zu Hause bei den Erwachsenen sehen.

Ab welchem Alter kann ich solche Tabletts anbieten?

Die ersten einfachen Übungen, etwa Hände waschen oder eine Pflanze gießen, klappen oft schon mit zwei Jahren. Schnüren oder Abläufe mit Wartezeit passen eher ab drei oder vier. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern ob Dein Kind dabei bleibt und den Ablauf allmählich selbstständig schafft.

Ist echtes Glas nicht zu gefährlich?

Kleine Gläser und Kännchen aus dickem Glas gehen seltener zu Bruch, als man denkt, und wenn doch, sammelst Du die Scherben ruhig auf, ohne Drama. Das Kind lernt dabei, dass Dinge Folgen haben. Plastikgefäße verhindern genau diese Erfahrung. Bei sehr jungen Kindern kannst Du mit Holz oder Emaille anfangen.

Mein Kind plantscht nur und kippt alles aus. Was mache ich falsch?

Vermutlich nichts. Viele Kinder erkunden das Material zuerst, bevor sie die eigentliche Übung aufnehmen. Zeig den Ablauf noch einmal langsam vor und biete das Tablett an einem anderen Tag wieder an. Wenn das Ausschütten das eigentliche Interesse ist, gib ihm dafür einen eigenen Ort, etwa eine Wanne draußen.

Warum ein Tablett und nicht einfach im Haushalt mithelfen?

Beides hat seinen Platz. Beim Mithelfen bestimmt der Haushalt das Tempo, und oft geht es schneller, wenn Erwachsene es selbst machen. Das Tablett nimmt den Druck heraus: Das Kind kann eine Tätigkeit so oft und so langsam wiederholen, wie es will. Was es dort gelernt hat, bringt es später ganz selbstverständlich in die Küche mit.

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