Sobald draußen der erste Frost liegt, kommen die Fragen von allein: Wo ist der Igel hin? Frieren die Vögel nicht? Und warum hat der Pinguin keine Jacke an? Kinder im Kindergartenalter wollen genau wissen, wie Tiere den Winter überstehen. Das ist eine gute Gelegenheit, denn auf solche Fragen lassen sich Antworten bauen, die man anfassen kann.
Die zwölf Ideen in diesem Artikel sind Tabletts im Montessori-Sinn: Alles, was das Kind braucht, liegt beisammen, es kann allein anfangen, allein fertig werden und meistens selbst prüfen, ob es stimmt. Manche führen nach draußen zum Futterspender oder in den Schnee, andere bleiben am Tisch. Pinguine kommen öfter vor, weil Kinder sie im Winter besonders gern mögen, aber hier geht es weniger ums Basteln als darum, was ein Pinguin wirklich kann.
Sortiert sind die Ideen nach Lernbereichen: Übungen des täglichen Lebens, Sinne und Hand, Sprache und Zahl und schließlich Natur und Welt. Fast alles Material findest Du in Küche, Bastelkiste und Spielzeugregal. Du musst nicht alle zwölf vorbereiten. Zwei oder drei, die zu Deinen Kindern passen, tragen durch viele Wochen.
Übungen des täglichen Lebens: für Vögel sorgen und wie ein Pinguin gehen
Im Winter gibt es draußen echte Arbeit, die Kinder übernehmen können: Futter nachfüllen, Wasser frisch machen. Dazu kommt eine Übung, bei der das Kind seinen eigenen Körper so vorsichtig führt wie ein Pinguinvater sein Ei.
Den Futterspender füllen

Auf dem Tablett steht eine Schale mit Sonnenblumenkernen, daneben ein kleiner Messbecher und ein Trichter, der im Hals eines Futterspenders steckt. Als Spender genügt eine saubere Plastikflasche, durch die Du unten einen Holzlöffel schräg gesteckt hast, sodass die Kerne aus dem größeren Loch in die Löffelmulde rieseln. Das Kind schaufelt die Kerne in den Trichter, bis der Spender voll ist, dann wird er draußen aufgehängt.
Kinder merken schnell, dass der Trichter verstopft, wenn sie zu viel auf einmal hineinkippen. Dann klopfen sie, warten, schütten langsamer. Wer täglich nachsieht, ob noch genug drin ist, hat eine Aufgabe, die bis zum Frühjahr hält – und bekommt mit, an welchen Tagen die Vögel besonders viel gefressen haben.
- Ein Tablett mit Rand
- Eine Schale Sonnenblumenkerne
- Ein kleiner Messbecher oder eine Kaffeeschaufel
- Ein Trichter
- Eine leere Plastikflasche mit einem quer durchgesteckten Holzlöffel
Das übt Dein Kind dabei
Die Bewegung ist eine doppelte: Schaufeln und Zielen. Die Kerne müssen in die schmale Trichteröffnung, und der Becher darf nicht zu voll sein. Das Kind lernt, die Menge an das anzupassen, was der Trichter aufnehmen kann.
Was man dem Tablett nicht ansieht: Es geht hier um echte Tiere, die vom Kind abhängen. Ein Futterspender, in dem die Vögel nicht im Futter herumlaufen, ist außerdem sauberer als ein offenes Brett. Das darfst Du dem Kind ruhig erklären, denn Sorgfalt hat hier einen Grund, den es verstehen kann.
Wenn es zu leicht wird: Stell zwei Spender hin: einen für Sonnenblumenkerne, einen für Haferflocken. Das Kind beobachtet in den nächsten Tagen, welche Vögel an welchen Spender gehen.
Die Vogeltränke frisch machen

Wenn es friert, finden Vögel kaum offenes Wasser. Eine flache Schale auf dem Balkon oder im Garten hilft, aber nur, wenn sie jeden Tag sauber und frisch gefüllt wird. Genau das macht das Kind: Es kippt das alte Wasser in einen Eimer, schrubbt die Schale mit einer Bürste aus und gießt aus dem Krug lauwarmes Wasser nach.
Lauwarm deshalb, weil es dann nicht so schnell wieder zufriert. Mehr braucht es nicht, auf keinen Fall Salz oder andere Zusätze. Viele Kinder fragen nach dem ersten Mal von selbst, ob die Schale heute schon dran war – dann ist aus der Übung eine Gewohnheit geworden.
- Eine flache Schale oder ein Blumentopfuntersetzer aus Ton
- Eine kleine Spülbürste
- Ein Krug mit lauwarmem Wasser
- Ein Eimer für das alte Wasser
- Ein Tuch zum Abtrocknen
Das übt Dein Kind dabei
Die Übung hat vier Schritte in fester Reihenfolge: ausgießen, schrubben, nachfüllen, abwischen. Das Kind hält eine Abfolge im Kopf und führt sie zu Ende. Beim Gießen aus dem Krug in die flache Schale muss es rechtzeitig aufhören, sonst läuft der Rand über.
Nebenbei lernt das Kind, warum man Dinge sauber hält, die andere benutzen. Wo viele Vögel aus derselben Schale trinken, können sich Krankheiten verbreiten. Das ist dieselbe Logik wie beim Händewaschen vor dem Essen, nur dass es hier jemand anderen betrifft.
Wenn es zu leicht wird: Lass das Kind morgens das Thermometer am Fenster ablesen: Unter null wird die Tränke zweimal am Tag kontrolliert, darüber reicht einmal.
Das Ei auf den Füßen tragen

Kaiserpinguine brüten im antarktischen Winter. Das Männchen trägt das Ei rund zwei Monate lang auf seinen Füßen, zugedeckt von einer warmen Bauchfalte, und frisst in dieser Zeit nichts. Wenn Du das erzählst, wollen die meisten Kinder sofort ausprobieren, wie das geht.
Auf dem Tablett liegen ein Holzei und ein kleines Tuch. Auf dem Boden klebt eine Linie aus Malerkrepp. Das Kind stellt sich an den Anfang, legt das Ei auf die Füße, deckt es mit dem Tuch zu und schiebt sich in kleinen Schritten bis zum Ende der Linie. Fällt das Ei herunter, fängt es an der Stelle wieder an.
- Ein Holzei oder ein kleines Bohnensäckchen
- Ein Stofftuch als Bauchfalte
- Eine Rolle Malerkrepp für die Linie
- Ein Bild von einem Kaiserpinguin mit Ei
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind kann nicht wie gewohnt gehen. Es muss die Füße flach halten, das Gewicht langsam verlagern und spüren, ob das Ei noch liegt, ohne hinzusehen. Das ist dieselbe Körperbeherrschung, die Montessori mit dem Gehen auf der Linie übt, nur mit einem Grund, den jedes Kind sofort versteht.
Was man nicht sieht: Kinder werden dabei auffallend still. Schnell geht es nicht, und laut auch nicht. Wer das ein paar Mal gemacht hat, versteht ohne weitere Erklärung, was es heißt, monatelang im Sturm zu stehen und auf etwas aufzupassen.
Wenn es zu leicht wird: Kleb die Linie als Kurve oder Kreis. Wer sicher ist, gibt das Ei am Ende vorsichtig an ein anderes Kind weiter, von Fuß zu Fuß, so wie das Pinguinweibchen das frisch gelegte Ei an das Männchen übergibt.
Sinne und Hand
Fühlen, wie Fett gegen Kälte schützt, aus Formen einen Pinguin legen, eine Hasenspur stempeln: Hier lernt das Kind mit den Händen, was Tiere im Winter brauchen und wie sie aussehen.
Der Speckhandschuh

Für diesen Versuch füllst Du einen großen Gefrierbeutel etwa zwei Finger hoch mit Kokos- oder Plattenfett, steckst einen zweiten Beutel hinein und klebst die Ränder zusammen. So entsteht ein Handschuh mit einer Fettschicht dazwischen. Ein zweiter, leerer Beutel dient zum Vergleich.
Das Kind steckt in jeden Beutel eine Hand und taucht beide in eine Schüssel mit Eiswasser. Die Hand im leeren Beutel will nach wenigen Sekunden wieder heraus, die andere bleibt erstaunlich lange warm. So ähnlich schützt die dicke Fettschicht unter der Haut Eisbären, Robben und Pinguine.
- Zwei große Gefrierbeutel mit Zipper und ein dritter leerer
- Ein Paket Kokos- oder Plattenfett
- Breites Klebeband
- Eine Schüssel mit Wasser und Eiswürfeln
- Ein Handtuch
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind vergleicht zwei Empfindungen gleichzeitig, an der linken und der rechten Hand. Es muss nicht glauben, was ein Erwachsener sagt, es spürt den Unterschied selbst. Diese Art Wissen bleibt hängen.
Der Versuch beantwortet eine Frage, die Kinder oft stellen: Warum frieren Eisbären nicht? Dass ausgerechnet Fett warm hält, ist für viele unerwartet. Danach schauen sie Tierbilder anders an, und beim nächsten Spaziergang kommt die Frage, ob dicke Vögel im Winter auch Speck haben. Das ist der eigentliche Gewinn.
Wenn es zu leicht wird: Lass das Kind mit einer Sanduhr messen, wie lange es jede Hand im Wasser aushält, und die Ergebnisse mit Strichen festhalten.
Den Pinguin aus Formen legen

Pinguine aus Papierformen gehören zu den beliebtesten Winterbasteleien im Kindergarten. Als Tablett funktioniert das ohne Kleber: In einem Kästchen liegen vorgeschnittene Teile aus Tonkarton – ein großes schwarzes Oval für den Körper, ein kleineres weißes für den Bauch, zwei weiße Kreise mit schwarzen Punkten als Augen, ein oranges Dreieck als Schnabel, zwei orange Füße und zwei schwarze Flügel.
Daneben liegt eine Bildkarte mit dem fertigen Pinguin. Das Kind legt ihn darunter nach, schiebt die Teile zurecht, nimmt ihn wieder auseinander und fängt neu an. Erst wenn es den Aufbau sicher kann, bekommt es Kleber und ein Blatt und macht einen Pinguin zum Mitnehmen.
- Ein Kästchen mit vorgeschnittenen Formen aus Tonkarton in Schwarz, Weiß und Orange
- Eine Bildkarte mit dem fertigen Pinguin
- Eine dunkle Unterlage aus Karton zum Legen
- Ein Klebestift für später
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind muss die Formen unterscheiden und benennen können: Welches Oval ist das große, wo kommt das Dreieck hin? Es übersetzt das Bild auf der Karte in Teile und setzt sie wieder zusammen. Das ist eine Vorstufe für jedes Puzzle und später für das Zusammensetzen von Buchstaben zu Wörtern.
Unsichtbar bleibt eine kleine Denkaufgabe: Der weiße Bauch muss auf das schwarze Oval, nicht darunter. Kinder, die zuerst den Bauch legen, merken das beim Weiterlegen und fangen von vorne an. Wer das einmal verstanden hat, plant beim nächsten Mal von hinten nach vorne.
Wenn es zu leicht wird: Leg statt der Ovale einen schwarzen Kreis und ein weißes Herz dazu: Das Herz mit der Spitze nach unten auf den Kreis gelegt ergibt schon ein Pinguingesicht. Das Kind findet selbst heraus, wo Augen und Schnabel hingehören.
Die Hasenspur stempeln

Eine Hasenspur ist leicht zu erkennen, wenn man das Muster einmal kennt. Die kleinen Vorderpfoten landen hintereinander, die langen Hinterpfoten nebeneinander davor. Auf der Vorlagekarte ist das als Reihe gezeichnet, darunter liegt ein Blatt dunkelblaues Papier.
Das Kind tupft mit der Fingerkuppe zweimal hintereinander in weiße Farbe und aufs Papier, dann drückt es zweimal den Daumen flach nebeneinander davor. Ein Sprung ist fertig, der nächste schließt daran an. Am Ende läuft eine Spur quer über das Blatt, wie durch frischen Schnee.
- Dunkelblaues Papier
- Weiße Fingerfarbe auf einer Untertasse
- Eine Vorlagekarte mit der gezeichneten Hasenspur
- Ein feuchter Lappen für die Finger
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind wiederholt ein Muster aus zwei verschiedenen Abdrücken, immer in derselben Ordnung: klein, klein, groß, groß. Es muss zwischen Fingerkuppe und Daumen wechseln und den Abstand halten. Das trainiert die Fingerkraft und das Auge für Reihenfolgen.
Spannend wird die Frage, in welche Richtung der Hase gelaufen ist. Die meisten Kinder tippen falsch, denn die langen Abdrücke liegen vorne: Der Hase setzt beim Sprung die Hinterbeine vor die Vorderbeine. Wer das weiß, kann draußen im Schnee eine echte Spur lesen.
Wenn es zu leicht wird: Leg eine zweite Vorlage dazu, etwa die Spur eines Vogels, der hüpft: zwei Abdrücke immer nebeneinander. Das Kind vergleicht die beiden Muster und stempelt eine Begegnung von Hase und Vogel auf ein Blatt.
Sprache und Zahl
Vögel beim Namen nennen, am Fenster zählen, sich neben einen Kaiserpinguin legen: Bei diesen Tabletts bekommen Wörter und Zahlen einen Gegenstand, den das Kind wirklich gesehen oder gefühlt hat.
Wintervögel beim Namen nennen

Das Tablett enthält Bildkarten der Vögel, die im Winter am häufigsten ans Futter kommen: Kohlmeise, Blaumeise, Amsel, Rotkehlchen, Haussperling und Buchfink. Dazu gibt es einen zweiten Satz derselben Bilder und kleine Kärtchen mit den Namen. Fotos aus einem Vogelbuch oder selbst ausgedruckte Bilder reichen dafür.
Kinder, die noch nicht lesen, legen zuerst Bild zu Bild und sprechen die Namen mit. Später legen sie die Namenskarten dazu, indem sie die Wörter vergleichen. So arbeiten auch die dreiteiligen Karten in der Montessori-Pädagogik: Bild mit Wort, Bild allein, Wort allein.
- Zwei Sätze Bildkarten mit sechs Wintervögeln
- Sechs Namenskarten
- Ein Körbchen oder Umschlag für jeden Satz
- Eine Unterlage zum Auslegen
Das übt Dein Kind dabei
Kohlmeise und Blaumeise sehen auf den ersten Blick fast gleich aus. Das Kind lernt, auf Einzelheiten zu achten: die schwarze Kappe und den Streifen auf dem gelben Bauch der Kohlmeise, die blaue Kappe der Blaumeise. Dieses genaue Vergleichen braucht es später auch beim Unterscheiden von Buchstaben.
Der eigentliche Effekt zeigt sich am Fenster. Ein Kind, das die Namen kennt, sieht nicht mehr einfach Vögel, sondern ein Rotkehlchen. Es freut sich über einen Bekannten, und die Freude bringt es dazu, noch länger hinzuschauen.
Wenn es zu leicht wird: Nimm das braune Amselweibchen dazu. Viele Kinder halten es für eine eigene Art, bis sie herausfinden, dass nur das Männchen schwarz ist und den gelben Schnabel hat.
Vögel am Fenster zählen

Auf dem Klemmbrett steckt eine Liste, links in einer Spalte kleine Bilder der Vögel, die das Kind von den Bildkarten kennt. Daneben ist Platz für Striche. Das Kind stellt den Küchenwecker auf zehn Minuten, setzt sich ans Fenster mit Blick auf das Futter und macht für jeden Vogel einen Strich in die passende Zeile.
Beim fünften Strich zeigst Du, wie man ihn quer durch die vier anderen zieht. Danach lässt sich die Liste viel leichter auswerten: zwei Bündel und noch drei – das sind dreizehn Kohlmeisen. Manche Gruppen hängen die Listen mehrerer Tage nebeneinander an die Wand und vergleichen.
- Ein Klemmbrett mit einer selbst gemalten Liste
- Ein Bleistift
- Ein Küchenwecker oder eine Sanduhr
- Ein Fernglas, falls vorhanden
Das übt Dein Kind dabei
Für jeden Vogel ein Strich: Das ist Eins-zu-eins-Zuordnung, die Grundlage des Zählens. Das Fünferbündel zeigt dem Kind, dass man Mengen gruppieren kann, um sie schneller zu erfassen. Es rechnet, bevor es das Wort dafür kennt.
Die Vögel kommen nur, wenn es am Fenster ruhig ist. Das Kind merkt schnell, dass Herumrutschen und Reden die Liste leer lassen. Zehn Minuten Stillsitzen, weil man selbst etwas sehen will, sind etwas anderes als zehn Minuten Stillsitzen, weil es jemand verlangt.
Wenn es zu leicht wird: Im Januar zählen in Deutschland jedes Jahr viele Familien eine Stunde lang die Vögel im Garten und melden sie dem NABU (Stunde der Wintervögel). Dort wird für jede Art notiert, wie viele Vögel man höchstens gleichzeitig gesehen hat – eine knifflige, aber lohnende Regel für Vorschulkinder.
So groß ist ein Kaiserpinguin

Auf dem Tablett liegen zwei aufgewickelte Schnüre mit je einem Pinguinbild als Anhänger. Die lange ist 1,10 Meter lang, so groß wird ein ausgewachsener Kaiserpinguin. Die kurze misst 35 Zentimeter, so klein ist der Zwergpinguin, die kleinste Art.
Das Kind legt beide Schnüre auf den Boden, legt sich daneben und schaut, wo sein Kopf ist. Ein Kindergartenkind ist ungefähr so groß wie ein Kaiserpinguin, oft ein bisschen kleiner. Dann nimmt es den Zollstock und misst nach, ob die Schnüre stimmen.
- Eine Schnur von 1,10 Metern und eine von 35 Zentimetern
- Zwei kleine Pinguinbilder als Anhänger
- Ein Zollstock oder Maßband
- Ein Streifen Malerkrepp zum Markieren
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind vergleicht Längen, zuerst mit dem eigenen Körper, dann mit dem Zollstock. Es erlebt, dass eine Zahl wie 1,10 Meter etwas Bestimmtes bedeutet, nämlich ungefähr bis zu seinem Scheitel. Messen wird so zu etwas Anschaulichem.
Dazu kommt ein Aha-Moment. Auf Bildern und als Bastelfigur wirken Pinguine klein und niedlich. Neben einem Tier zu liegen, das so groß ist wie man selbst, verändert das Bild. Viele Kinder wollen danach wissen, wie groß ein Eisbär ist.
Wenn es zu leicht wird: Schneide weitere Schnüre für andere Arten zu, etwa den Königspinguin mit rund 90 Zentimetern, und lass das Kind alle der Größe nach an die Wand kleben, mit einer Krepp-Markierung für seine eigene Größe daneben.
Natur und Welt verstehen
Wer schläft, wer bleibt wach, wer hat hier im Schnee gelaufen, und wo leben eigentlich die Eisbären? In der Montessori-Pädagogik gehört dieses Staunen über Zusammenhänge zur kosmischen Erziehung. Im Kindergarten fängt sie mit Sortieren und Zuordnen an.
Wer schläft, wer ruht, wer bleibt wach?

Auf dem Tablett liegen drei kleine Tücher, jedes mit einem Symbolkärtchen: ein Mond für Winterschlaf, ein halber Mond für Winterruhe, eine Sonne für wach. In einem Korb warten Tierfiguren oder Bildkarten: Igel, Fledermaus, Siebenschläfer, Eichhörnchen, Dachs, Braunbär, Fuchs, Reh, Hase und Meise.
Das Kind ordnet jedes Tier einem Tuch zu. Du erklärst vorher den Unterschied: Wer Winterschlaf hält, schläft monatelang durch, sein Körper kühlt stark ab, und er frisst nichts. Bei der Winterruhe wacht das Tier immer wieder auf und frisst aus seinem Vorrat. Wer wach bleibt, muss auch im Schnee Futter suchen.
- Drei kleine Stofftücher
- Drei Symbolkärtchen für Schlaf, Ruhe und wach
- Ein Korb mit Tierfiguren oder Bildkarten
- Eine Kontrollkarte mit der richtigen Zuordnung
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind ordnet nicht nach Aussehen, sondern nach einer Eigenschaft, die es nicht sehen kann. Igel und Fuchs sind beide braun und beide aus dem Wald, landen aber auf verschiedenen Tüchern. Das ist ein echter Schritt im Denken: Ordnung nach Wissen statt nach Augenschein.
Die Kontrollkarte liegt verdeckt bereit. Das Kind dreht sie selbst um und prüft, ob es stimmt. Es braucht niemanden, der richtig oder falsch sagt. Und wenn das Eichhörnchen falsch lag, ist das ein Anlass, nachzufragen, statt sich zu ärgern.
Wenn es zu leicht wird: Leg ein viertes Tuch für die Winterstarre dazu: Frosch, Eidechse und Marienkäfer werden so kalt wie ihre Umgebung und können sich erst wieder bewegen, wenn es warm wird.
Welche Spur gehört zu wem?

Auf weißem Karton sind fünf Spuren aufgemalt, so wie man sie im Schnee findet: der Hase mit seinen zwei kleinen und zwei langen Abdrücken, das Reh mit zwei spitzen Hufhälften, der Fuchs mit vier Ballen und Krallen in einer fast geraden Linie, das Eichhörnchen mit seinen Sprüngen und ein Vogel mit drei Zehen nach vorne und einer nach hinten.
Daneben liegen fünf Bildkarten der Tiere. Das Kind legt jede Spur zu ihrem Tier. Zuerst helfen Hinweise wie: Wer hat Hufe? Wer hat Krallen? Mit der Zeit erkennt es die Spuren ohne nachzudenken.
- Fünf Spurenkarten aus weißem Karton
- Fünf Bildkarten mit den Tieren
- Ein kleiner Umschlag für jeden Kartensatz
- Eine Kontrollkarte mit Spur und Tier nebeneinander
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind lernt, aus wenigen Merkmalen auf etwas zu schließen, das nicht da ist. Zwei spitze Hälften heißen Hufe, Hufe heißen Reh. Es denkt in Merkmalen und vergleicht sie systematisch.
Eine Spur ist ein Zeichen, das für etwas Abwesendes steht. Genau so funktionieren später Buchstaben: ein Strich auf Papier steht für einen Laut. Kinder, die mit Freude Spuren lesen, haben das Prinzip schon begriffen, bevor sie das erste Wort entziffern.
Wenn es zu leicht wird: Geh nach dem nächsten Schneefall mit den Karten in der Tasche hinaus. Wer eine Spur findet, vergleicht sie mit den Karten – und merkt vielleicht, dass ein Hund viel unregelmäßiger läuft als ein Fuchs.
Nordpol oder Südpol?

Viele Bilderbücher setzen Eisbär und Pinguin auf dieselbe Eisscholle. In Wirklichkeit leben sie an entgegengesetzten Enden der Erde. Eisbär, Polarfuchs, Walross und Schneeeule gehören in die Arktis um den Nordpol, Kaiserpinguin, Adeliepinguin und Seeleopard in die Antarktis rund um den Südpol.
Auf dem Tablett liegen zwei weiße Tücher, eines mit einem N, eines mit einem S, daneben ein kleiner Globus und ein Korb mit Tierfiguren oder Bildkarten. Das Kind zeigt zuerst auf dem Globus, wo oben und unten ist, dann ordnet es die Tiere den beiden Tüchern zu.
- Ein kleiner Globus oder eine Weltkarte
- Zwei weiße Tücher mit den Buchstaben N und S
- Ein Korb mit Tierfiguren oder Bildkarten
- Eine Kontrollkarte
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind verbindet ein Tier mit einem Ort auf der Erde. Es erfährt, dass die Welt zwei kalte Enden hat und dass sie weit auseinanderliegen. Mit dem Globus in der Hand wird aus dem abstrakten Wort Südpol eine Stelle, die man anfassen kann.
Unsichtbar ist der kleine Triumph, etwas zu wissen, das viele Erwachsene durcheinanderbringen. Kinder erzählen diese Tatsache gern weiter und korrigieren das nächste Bilderbuch. Damit fangen sie an, Bilder und Wirklichkeit auseinanderzuhalten.
Wenn es zu leicht wird: Lass das Kind eine Weltkarte mit Pinguinbildern bekleben: Fast alle Pinguinarten leben auf der Südhalbkugel, manche sogar an warmen Küsten wie in Südafrika – aber keine einzige am Nordpol.
Wie Du die Tabletts im Winter einsetzt
Fang mit einem Tablett an, das zu dem passt, was die Kinder gerade beschäftigt. Hat jemand morgens eine Spur im Schnee entdeckt, ist das der richtige Tag für die Spurenkarten. Fragt ein Kind, wo der Igel geblieben ist, hol das Tablett zum Winterschlaf. Was aus einer eigenen Frage kommt, wird mit ganz anderer Ausdauer bearbeitet.
Zeig jedes Tablett einmal ruhig vor, mit wenigen Worten und langsamen Bewegungen. Beim Speckhandschuh oder der Vogeltränke heißt das: Du machst jeden Schritt einmal selbst, während das Kind zuschaut. Danach gehört das Tablett dem Kind. Fehler korrigierst Du nicht im Moment, sondern zeigst die Übung an einem anderen Tag noch einmal.
Die Übungen mit den Vögeln leben davon, dass sie regelmäßig stattfinden. Futterspender und Tränke sind keine einmalige Aktion, sondern ein Dienst. In einer Kita lässt sich das als Aufgabe verteilen, die jede Woche ein anderes Kind übernimmt. Zu Hause reicht ein fester Moment, etwa nach dem Frühstück.
Achte bei den Wissenstabletts auf richtige Inhalte. Kinder merken sich, was sie in diesem Alter lernen, oft lange. Ein Eisbär neben einem Pinguin sieht auf einer Karte hübsch aus, ist aber falsch. Lieber wenige Tiere, die stimmen, als eine große Auswahl mit Fehlern. Eine Kontrollkarte, die das Kind selbst umdrehen kann, nimmt Dir außerdem die Rolle der Prüferin ab.
Räum die Tabletts weg, wenn das Interesse nachlässt, und hol sie im nächsten Winter wieder heraus. Ein Vierjähriges sortiert die Tiere nach Winterschlaf und Winterruhe, ein Jahr später will es vielleicht wissen, wie lange der Igel schläft und warum er vorher so viel frisst. Die Tabletts wachsen mit, wenn Du die Steigerungen nach und nach dazunimmst.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter eignen sich Tabletts zum Thema Tiere im Winter?
Die praktischen Übungen wie Futterspender füllen, Vogeltränke oder Pinguin aus Formen legen klappen ab etwa drei Jahren. Bei den Wissenstabletts, etwa zu Winterschlaf und Winterruhe oder zu Nordpol und Südpol, brauchen die Kinder einen Begriff davon, dass man nach unsichtbaren Eigenschaften ordnen kann. Das gelingt meist ab vier Jahren.
Darf man Vögel im Winter überhaupt füttern?
Ja. Bei Frost und Schnee hilft Futter vor allem den Vögeln, die ohnehin in Gärten und Parks leben. Wichtig ist, das Richtige anzubieten: Sonnenblumenkerne für Meisen und Finken, Haferflocken und Obst für Amseln und Rotkehlchen. Brot und gesalzene Reste gehören nicht dazu. Ein Futterspender, in dem die Vögel nicht im Futter stehen, ist hygienischer als ein offenes Brett.
Was ist der Unterschied zwischen Winterschlaf und Winterruhe?
Beim Winterschlaf schläft das Tier monatelang, sein Körper kühlt stark ab, Herz und Atmung werden sehr langsam, und es frisst nichts. Das machen zum Beispiel Igel, Fledermaus und Siebenschläfer. Bei der Winterruhe schläft das Tier zwar viel, wacht aber immer wieder auf und frisst von seinem Vorrat, so wie Eichhörnchen und Dachs.
Wie erkläre ich Kindern, warum Pinguine und Eisbären nicht frieren?
Am besten gar nicht mit Worten allein, sondern mit dem Speckhandschuh. Wenn das Kind spürt, wie lange die Hand im Fett im Eiswasser warm bleibt, versteht es die Fettschicht unter der Haut sofort. Dazu kommen beim Eisbären das dichte Fell und beim Pinguin ein enges, mehrlagiges Federkleid.
Wie passt Pinguine basteln zu Montessori?
Basteln nach Vorlage ist nicht der Kern der Montessori-Pädagogik, aber es lässt sich gut einbinden. Beim Pinguin aus Formen legt das Kind die Teile erst ohne Kleber, so oft es will, und klebt erst, wenn es den Aufbau sicher kann. So wird aus einer Bastelvorlage eine Übung zu Formen und Reihenfolge, und der fertige Pinguin ist trotzdem zum Mitnehmen da.