Montessori Spielzeug ab drei Jahren

Die ersten drei Lebensjahre gelten in vielerlei Hinsicht als die intensivsten und herausforderndsten für Kinder und ihre Bezugspersonen.

Mit drei ist ein Kind dann aber schon ziemlich gut „angekommen“; es weiß eine Menge über die Welt und sich selbst und kann auch schon vieles verstehen; es kann Regeln und Anweisungen befolgen und hat gleichzeitig einen eigenen Kopf entwickelt.

In dieser Zeit ist sehr viel Anregung wichtig, denn die Babyzeit (und auch die entsprechenden Aktivitäten) hat dein Kind großteils hinter sich gelassen. Wir präsentieren dir hier nicht nur die schönsten Montessori-inspirierte Spielzeuge, an denen sich dein dreijähriges Kind abarbeiten kann, sondern erklären auch, was in diesem Lebensjahr so alles passiert und wie du die Entwicklung deines Dreijährigen am besten fördern kannst.

Viel Spaß beim Stöbern!

Montessori inspirierte Spielzeuge für Dreijährige

Diese kleine Auswahl an Arbeitsmaterialien und Spielsachen orientiert sich an den sensiblen Phasen des vierten Lebensjahres. Sie sind aber für einen längeren Zeitraum geeignet, je nach den Interessen deines Kindes etwa von zweieinhalb bis fünf Jahren.

Bilder legen mit der Montessori-Perlenwerkstatt

Umgedrehte Regenbogenwippe

Die Arbeit mit Perlen ist in der Montessori-Pädagogik wiederkehrend. Doch hier werden die bunten Holzkugeln nicht aufgefädelt, sondern zu Mustern gelegt. Die siebzig Perlen in sieben Farben können mit Hilfe einer Zange oder eines Löffels nach verschiedenen Vorlagen zu abstrakten Bildern kombiniert werden.

Natürlich kann auch ganz ohne Vorlage einfach frei von der Leber weg gearbeitet werden. Jüngere Kinder profitieren in der Sprachentwicklung und im Farbverständnis, und natürlich wird hier auch die Feinmotorik ganz massiv geschult.

Etwas ältere Kindergartenkinder schätzen die meditative Qualität der Tätigkeit und die Vielzahl an möglichen Kombinationen.

Auf einen Blick:
  • Siebzig Holzperlen können auf fast unendlich viele Arten kombiniert werden
  • Fördert das Benennen von Farben und das ästhetische Verständnis
  • Lädt zu einer ruhigen, konzentrierten und gänzlich freien Tätigkeit ein
  • Zwei- und dreidimensionale Vorlagen trainieren die genaue Beobachtung und die Zählfähigkeit

Strukturierte Kreativität: Das klassische Nagelspiel

Kind sitzt auf Holz Regenwippe

Wenn ein Kind zum ersten Mal mit diesem bewährten Spielset zu tun hat, kann es zunächst die bunten Formen kennenlernen und daraus vielleicht schon erste Bilder legen. Diese haben anfangs eher abstrakten Charakter. Die Arbeit mit den verschiedenen Vorlagen ist dann der nächste Schritt.

Hier gilt es, genau zu sein und sich zu konzentrieren, denn sonst geht das Muster am Ende nicht auf. So wird auf anschauliche Weise klar, wie geometrische Formen zueinander passen und einander ergänzen. Gleichzeitig dienen die Vorlagen als Inspiration zu kleinen Eigenkreationen.

Die kleinen Finger haben in jedem Stadium eine ganze Menge zu tun, bis der Umgang mit Nagel und Hammer zum echten Kinderspiel geworden ist.

Auf einen Blick:
  • Vermittelt auf spielerische Weise die Arbeit mit klaren Vorgaben
  • Fördert als traditionelles “Open-End-Spielzeug” ebenso den ungebremsten kreativen Ausdruck
  • Erste Hinführung zu geometrischen Formen und der Art ihrer Verwandtschaft
  • Die Arbeit mit Nagel und Hammer verlangt einiges an Fingerfertigkeit

Fröhlich, traurig, lustig: Magnetisches Gesichter-Puzzle

Kind sitzt auf Holz Regenwippe

Mit vielen magnetischen Teilen, die Augen und Münder, Kopfbedeckungen, Bärte und Haare darstellen, können hier zahllose lustige und schöne Gesichter gelegt werden. Wird eine der zwölf Vorlagen genutzt, übt dein Kind auf spielerische Weise genaue Beobachtung und präzise Feinmotorik.

Wenn diese Herausforderung gut gemeistert ist, kann das Puzzle auch zu einem Ratespiel genutzt werden. So kann ein/e Spieler/in eine Person beschreiben und der/die andere legt anhand der Beschreibung das Gesicht: Je genauer die Beschreibung, desto größer die Übereinstimmung. Besonders gut funktioniert das, wenn ihr das Spiel in doppelter Ausführung habt – dann sind den Variationen keine Grenzen gesetzt.

Sehr positiv wirkt sich das gemeinsame Spielen auf den Wortschatz und die Fähigkeit, Personen zu beschreiben, aus. Und es macht einfach ganz viel Spaß!

Auf einen Blick:
  • Sensibilisiert für die Vielfalt menschlicher Ausdrücke und Emotionen
  • Fördert Konzentration und Genauigkeit
  • Kann sowohl analytisch als auch spielerisch genutzt werden
  • Fördert die Sprachentwicklung 
  • Alleine und zu zweit bespielbar

Mit allen Sinnen aufwachen: Oberflächen-Fühlmemo aus Holz

Holz Schaukelwippe mit 2 Kindern im Kinderzimmer

Der Fühlsinn ist ja schon bei Säuglingen sehr ausgeprägt und Kleinkinder finden großen Gefallen daran, verschiedenste Oberflächen zu berühren. Mit drei Jahren wird die sinnliche Wahrnehmung differenzierter – da machen Spiele, die den bewussten Umgang mit ästhetischen Erfahrungen fördern, großen Spaß.

Bei diesem Fühlmemory gibt es 16 Paare kleiner Holzsteine, die mit verschiedenen Textilien und Materialien beklebt sind. Flauschiges Fell schmeichelt den Fingern, das Sandpapier fühlt sich ganz rau an, und mit der Wellpappe lässt sich sogar ein Geräusch machen.

Die Steine werden in einem kleinen Säckchen geliefert, in das man mit der Hand hineinfasst. Das Spiel lässt sich aber auch wie ein ganz normales visuelles Memory spielen, indem die Steine einfach mit der „Fühl-Seite“ nach unten aufgelegt werden.

Auf einen Blick:
  • Hilft dabei, Wahrnehmungen einzuordnen und bewusst zu machen
  • Durch das Benennen des eigenen Erlebens und der Materialien wächst der Wortschatz
  • Fördert die Merk- und Differenzierungsfähigkeit
  • Kann alleine oder zu mehreren bearbeitet werden
  • Wertvolles Spielzeug aus unbehandeltem Holz

Der Weg der Kugel: “Umgedrehte” Kugelbahn auf Magnetbasis

Bunte Holz Regenbogenwippe

Bei dieser Kugelbahn muss man richtig aktiv werden und darf dabei bloß nicht wackeln oder zittern, denn dann fällt die Kugel runter und man muss wieder von Neuem beginnen.

Die kleinen roten Kugeln werden dabei per Magnet mit einem kleinen Haken gehalten und müssen vier verschiedene Bahnen entlang bewegt werden, bis sie endlich da angekommen sind, wo sie hingehören: Nämlich oben! Das verlangt einiges an Konzentration und Geduld, denn wer es zu eilig hat, verliert die Kugel wieder.

Auf einen Blick:
  • Die gezielten Bewegungen trainieren schon die Hand für erste Schreibübungen
  • Gut für die Konzentration und die ruhige Kontrolle der Hände
  • Ermöglicht gezieltes Training: Von unten nach oben werden die Bahnen immer schwerer zu bewältigen
  • Fortgeschrittene können ein kleines Wettrennen veranstalten

Das Geheimnis des Fadens: Strickgabel für erste Handarbeiten

Holz Schaukelwippe mit 2 Kindern im Kinderzimmer

Die meisten Textilarbeiten sind für Kinder im Kindergartenalter noch zu schwierig: Nicht so das Knüpfen mit der Strickgabel.

Im Prinzip muss das Kind nur eine “8” rund um die beiden Zinken legen können und dann die Schlaufen abnehmen, Video-Anleitungen dazu gibt es zum Beispiel hier:

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Quelle: YouTube Kanal „Hölzernes & anderes“

Die schnell wachsende Schnur ist ebenso hübsch wie vielseitig: Sie kann als Deko oder Schmuck verwendet werden, das Kinderzimmer oder den Rucksack zieren oder ganz einfach weiterverschenkt werden. Besonders hübsch sieht das Ergebnis mit mehrfarbiger Wolle aus. Drei Wollknäuel werden gleich mit der Gabel mitgeliefert.

Auf einen Blick:
  • Fördert nicht nur die Feinmotorik, sondern auch die Ausdauer und Konzentration
  • “Belohnt” wird dein Kind mit einem richtigen Produkt, das sich wirklich sehen lässt
  • Kann als Hinführung zum späteren Häkeln und Stricken verstanden werden
  • Produktion aus unbehandeltem Naturholz

Open End ohne Ende: Bunte Stapelsteine aus Holz

Holz Schaukelwippe mit 2 Kindern im Kinderzimmer

Diese kleinen Stapelsteine aus pastellfarben lackiertem Holz können hundertfach genutzt werden. Ganz pur sind sie ideal für die Auge-Hand-Koordination und die schönen Farben machen Freude bei dieser Geschicklichkeitsübung.

Wie viele Steine kann man übereinander stapeln, ohne dass sie umfallen?

Das können Kinder hier im Alleingang oder zu mehreren ausprobieren und sich dabei immer neue Herausforderungen einfallen lassen. Die Steine machen sich aber auch schön in den verschiedensten Spielwelten und lassen sich auch zu fantasievollen Landschaften stapeln.

Auf einen Blick:
  • 18 verschiedenfarbige Holzsteine mit etwa vier bis fünf Zentimetern Durchmesser
  • Die etwas anderen Bauklötze: Die facettenreiche Form macht das Stapeln zur Herausforderung
  • Schmeicheln der Hand und habe die richtige Größe für (Klein-)Kinder
  • Ermöglicht viele verschiedene Spielvarianten
  • Vielseitig einsetzbar und eine schöne Ergänzung zu Playmobil & Co.
  • Nachhaltige Fertigung von Hand, Produktion in Deutschland

Was passiert mit 3 Jahren so alles?

Mit etwa drei Jahren gibt es in der Entwicklung des Kindes eine große Veränderung. Es entwickelt sich von einem impulsiven Kleinkind zu einer jungen Person, die gezielt handelt und sehr viel nachdenkt. Der absorbierende Geist, der in den ersten Lebensjahren alles wie ein Schwamm aufsaugt, wird bewusst.

Wahrnehmung und Handeln bekommen eine Komponente der Reflexion, es entsteht ein stabileres Selbstbild und zielgerichtetes Handeln wird immer wichtiger.

Das Kind begreift, dass es seinen Platz unter Gleichen in einer sehr vielfältigen Welt finden muss. Nicht nur das Bewusstsein vom eigenen Selbst verändert sich in dieser Zeit – auch Empathie und Imitationsfähigkeit werden viel komplexer. In diesem Alter bildet sich erstmals eine “Theory of Mind”, also eine implizite Theorie darüber, wie Menschen denken, fühlen und handeln [1].

Das Kind kann schlussfolgern und lernt, zu argumentieren, was für seine Bezugspersonen ebenso amüsant wie anstrengend sein kann. Damit in Zusammenhang steht die Fähigkeit des Kindes, eigene Handlungen zu planen und stärkere Kontrolle über das eigene Verhalten auszuüben [2]. Damit entwickeln sich seine sozialen Fähigkeiten rapide

Die Warum-Phase

Zugleich wird auch der Blick auf die Welt klarer und komplexer. Wo in den ersten drei Lebensjahren die Imitation ein enorm wichtiger Motor für die Entwicklung war, beginnt ein dreijähriges Kind zu hinterfragen, wieso Menschen bestimmte Dinge tun.

Rund um den dritten Geburtstag findet meist auch die berühmte “Warum-Phase” ihren Höhepunkt und diese ebenso wichtige wie aufreibende Zeit ist dazu da, die inneren Gesetzmäßigkeiten dieser komplizierten Welt in den Griff zu bekommen.

Interesse an Kulturtechniken & menschlichen Handlungen

Zugleich wächst mit dem tieferen Verständnis von menschlichen Handlungen auch das Interesse an allen Kulturtechniken: Allem voran am Schreiben. Auch wenn das Schreibenlernen in Mitteleuropa erst mit dem Schuleintritt wirklich brisant wird, können Kinder je nach Interesse schon viel früher damit beginnen: In den ersten „Case dei Bambini“ konnte das Gros der Kinder bereits mit vier Jahren schreiben.

Hier gilt, wie bei allem anderen, dass ein aufkeimendes Interesse befriedigt und nicht unterdrückt werden soll.

Interesse“ ist ein wichtiges Stichwort, denn die Faszination für die Welt in all ihren Facetten ist in diesem Alter fast grenzenlos. Kinder verspüren oft einen unstillbaren Wissensdurst. Die sinnliche Wahrnehmung ist aber immer noch essenziell für das Verstehen und Kennenlernen der Welt.

Mit drei Jahren kann ein Kind auch bald benennen, wie es verschiedene Wahrnehmungen erlebt.

Hand in Hand mit der Differenzierung der Wahrnehmung geht die Entwicklung der Feinmotorik. Ein dreijähriges Kind kann bald schon figürlich zeichnen und gezielt sehr feine und komplexe Bewegungen ausführen. Auch schneiden, auffädeln, zuknöpfen usw. wird zunehmend bewältigbar. Mit diesen sich ständig entwickelnden Fähigkeiten kann dein Kind die Welt immer wieder neu entdecken.

Was sich in jedem Fall sagen lässt: Euch steht eine spannende Zeit bevor.

Welche Fähigkeiten sollte ich bei meinem 3 jährigen Kind besonders fördern?

1. Feinmotorik

Ein zweijähriges Kind hat noch sehr viel von der niedlichen Tollpatschigkeit eines Babys. Das ändert sich aber meist mit drei Jahren und die Kleinen werden viel fingerfertiger. Hier gibt es definitiv eine sensible Phase, in der die feinmotorischen Fähigkeiten sich ausdifferenzieren.

Alltagshandlungen wie das Essen mit Besteck, Abspülen, Schneiden (mit Messer und Schere) und Anziehen (Umgang mit Knöpfen, Haken und Schleifen) werden fleißig geübt und gelingen auch oft schon richtig gut.

Viele Kinder stellen außerdem mit wachsender Begeisterung Kunsthandwerk her. Das meint Zeichnungen und Gemälde, kleine Objekte aus Ton und erste Blumensträuße ebenso wie Perlenketten, Kastanientiere und einfache Basteleien.

Mit drei Jahren entsteht in einem Kind außerdem meist ein ernsthaftes Interesse fürs Schreiben. Das bedeutet noch lange nicht, dass es in diesem Alter systematisch schreiben lernen kann oder will. Aber es findet diese so wichtige Kulturtechnik interessant und imitiert eifrig das Gekritzel seiner engen Bezugspersonen und älterer Kinder.

Wie du auf dieses oft brennende Interesse am besten eingehst

  • Sorge dafür, dass dein Kind überhaupt wahrnimmt, was Schreiben ist. Dadurch, dass so viel von unserer Kommunikation und Arbeit am Bildschirm geschieht, sieht es vielleicht gar nicht so oft, wie jemand von Hand schreibt und kann so auch kein Interesse dafür entwickeln. Schreibe also bewusst immer wieder von Hand und lass dein Kind daran teilhaben.
  • Stelle verschiedene Materialien zur Verfügung. Papier und Stift sind natürlich die absolute Grundlage, wobei sowohl Papier in unterschiedlichen Qualitäten und Farben als auch unterschiedliches Schreib- und Zeichenmaterial (Wachsmalstifte, Holzfarben, Filzstifte und Wasserfarben) vorhanden sein sollten.
    In der Montessori-Pädagogik wird außerdem gerne auf Sand geschrieben – ein einfaches Tablett mit feinem Sand reicht dazu vorerst völlig aus. Spezielle Materialien, mit denen die ersten Schreibbewegungen (Zacken und Schleifen) geübt werden können, ergänzen dieses Basismaterial bei Bedarf.
  • Wenn dein Kind danach fragt, zeig ihm ruhig, wie man einzelne Wörter schreibt (etwa seinen Namen oder seinen Lieblingstier). Auch wenn es die Wörter noch lange nicht nachschreiben kann, versteht es doch, wie die Schriftsprache grundsätzlich funktioniert und wie einzelne Buchstaben irgendwann ein Wort ergeben.

Wahrnehmung

Der Geist des dreijährigen Kindes entwickelt sich rapide. Er “absorbiert” noch, aber strukturiert auch stark. Die Wahrnehmung wird sehr präzise. Und außerdem kennt ein Kind mit drei Jahren die Welt schon recht gut und kann viele Erlebnisse bereits einordnen und mit früheren Erfahrungen in Verbindung bringen.

In der europäischen Kultur konzentriert sich die Pädagogik allerdings stark auf die visuelle Wahrnehmung, die am rationalsten und eindeutigsten ist. Achte also darauf, dass auch das Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken nicht zu kurz kommt, denn nur mit allen fünf Sinnen kann sich ein Mensch in der Welt wirklich zurechtfinden und auch zu Hause fühlen.

Außerdem ist es ja etwas sehr Freudvolles, sich mit allen Sinnen auf Entdeckungsreise zu begeben. Es gibt spezielles Montessori-Material zur Schulung der Sinne (etwa Geruchsfläschchen oder Geräuschdosen).

Mit diesen Tipps kannst du aber auch euren ganz gewöhnlichen Alltag für außergewöhnliche ästhetische Erfahrungen nutzen:

  • Setze dein Kind einer Vielzahl an verschiedenen sinnlichen Erlebnissen aus. Lass es sich quer durch die Küche probieren und riechen, spiel ihm unterschiedliche Musikstile vor, erlaube ihm, die verschiedensten Objekte und Oberflächen zu berühren. Die reichsten Sinneserfahrungen ermöglicht wahrscheinlich die Natur.
  • Benenne die jeweiligen Erfahrungen. Das ist bei Gesehenem recht leicht, bei Geräuschen schon schwieriger und bei Gerüchen richtig herausfordernd. Überlegt euch gemeinsam, wie ihr eine bestimmte Oberfläche oder einen bestimmten Geschmack beschreiben könntet – dein Kind hat dazu sicher jede Menge Originelles beizutragen.
  • Die Wahrnehmung eines Kindes ist meistens viel genauer und auch präsenter als die eines Erwachsenen. Dabei könnt ihr viel voneinander lernen, denn wenn du erst einmal so aufnahmebereit durch die Welt marschierst wie dein Kind, kannst du seine Wahrnehmung auch ein wenig lenken und auf Dinge hinweisen, die dir selbst besonders schön oder interessant vorkommen. So könnt ihr euch gemeinsam die Welt erschließen und dabei viel über einander lernen.

Kosmische Kompetenz

Das sinnliche Interesse an seiner Um- und Mitwelt ist dem Kind quasi in die Wiege gelegt. Als Kleinkinder sind wir oft brennend interessiert an den verschiedenen Kategorien, in denen sich die Welt zeigt (belebte und unbelebte Welt, Tiere und Pflanzen, aber auch einzelne Tierarten etc.).

Mit drei Jahren wird die Faszination für Natur und Kultur zunehmend kognitiver und es geht schon bald darum, sich detailliertes Wissen über die Welt anzueignen. Kinder wollen bald begreifen, wie die Dinge ablaufen und funktionieren.

Im Alter von 3 Jahren bilden sich oft schon die ersten speziellen Interessen und Leidenschaften heraus.

Der intensive Wunsch, immer mehr zu wissen und zu verstehen, kann natürlich am besten mit Büchern befriedigt werden, aber auch altersgemäßes kosmisches Material soll zum Einsatz kommen. Dabei bleibt es immer wichtig, das konkret Erlebbare nicht aus den Augen zu verlieren und zugleich zu vermitteln: Die Welt ist ein großes Ganzes, sie basiert auf Abhängigkeiten, Verbindungen und Beziehungen.

Die Unterscheidung zwischen Richtig und Falsch wird für ein dreijähriges Kind erstmals ein richtiges Thema und auch eine kindgerechte Ethik ist Gegenstand der Kosmischen Erziehung.

Der ständige Austausch auf Augenhöhe ist hier ein wichtiges Mittel; lass dein Kind aber auch selbst erkunden und sich die Welt auf seine ganz eigene Weise aneignen.

Du kannst dich dabei ruhig ein wenig zurücknehmen und musst nicht alles erklären und benennen. Denn es ist für dein Kind auch ganz wunderbar, manche Dinge selbst herausfinden zu dürfen.

Abstraktes Denken

Die kognitive Entwicklung läuft bei Montessori – lernpsychologisch sehr scharfsinnig – immer vom Konkreten zum Abstrakten. Fehlt die Anschauung, können abstrakte Konzepte viel schwerer gefasst werden. Je sinnlicher die Grundlagen, desto leichter fällt es später, sich in einer Welt der Abstraktionen zurechtzufinden.

Im vierten Lebensjahr wächst besonders das mathematische Verständnis. Das Zählen bis fünf oder zehn klappt oft schon recht gut und kann im Alltag oder mit klassischen Materialien zum Sortieren noch weiter geübt werden. Auch die Perlenwerkstatt (s.o.) eignet sich dafür perfekt.

Die Grundlage für das arithmetische Denken wird hier schon gelegt. Gleichzeitig können Kinder nun langsam geometrische Formen erkennen, unterscheiden und nachzeichnen. Außerdem wächst das Verständnis für physikalische Kategorien wie Raum und Entfernung, Zeit, Geschwindigkeit, Größe und Gewicht.

Viele Montessori-Materialien basieren auf der Denkfigur des Vergleichs (“größer als…”, “kleiner als…”, “schwerer als…”). Auch hier gibt es im Alltag sehr viel zu erschließen; wichtig ist wie immer, dass es auch ein Vokabular gibt, um Objekte und Ereignisse überhaupt beschreiben und einordnen zu können.

Die Sprachentwicklung ist zwar schon sehr weit fortgeschritten, aber die Sprache an sich wird noch wenig reflektiert. Mit drei Jahren beherrscht ein Kind oft schon alle Wortarten, kann sie aber noch lange nicht unterscheiden. Eine schöne Sache ist hier ein ungezwungener, kreativer Umgang mit Sprache, in dem Poesie und Lieder ebenso Platz haben wie die originellen Wortschöpfungen, mit denen Dreijährige ihre Lieben ein ums andere Mal begeistern können.

Kreativität

Obwohl wir Kreativität oft mit künstlerischem oder schöpferischem Talent verbinden, ist sie eigentlich anders definiert: Als Fähigkeit, Bekanntes und Traditionelles zu verändern und dadurch etwas Neues und Nützliches zu schaffen. Doch wenn man die Regeln brechen muss, um kreativ zu sein, muss man sie erst einmal kennen.

Das ist ein Grund, weshalb Dreijährige oft nur so von neuen Ideen sprühen. Dabei setzen sie ihren Verstand gezielt ein und folgen nicht einfach ihren Impulsen, so wie das Kleinkinder tun.

Ein weiterer Grund besteht darin, dass im vierten Lebensjahr die magische Phase oft ihren Höhepunkt findet. In der vertrauten Umwelt des Kindes finden sich allerhand fantastische Vorgänge, die mit dem Ursache-Wirkungs-Denken in dieser Zeit zusammenhängen.

In diesem Alter nehmen Kinder gleichsam alles als belebt wahr. Dadurch entstehen auch die alterstypischen Ängste, denen man am besten mit viel Verständnis und klaren Strukturen begegnet.

Kreative Arbeit hat hier zwei große Vorteile:

  • Sie hilft dem Kind, Eindrücke zu verarbeiten und das eigene Weltbild explizit zu machen. Das ist wichtig für die intellektuelle, aber auch die psychische Entwicklung. Zeichnungen erweisen sich hier als besonders geeignetes Medium.
  • Sie vermittelt dem Kind zugleich das Gefühl, modifizierend in die Welt eingreifen zu können. Es ist den Vorgängen rund um sich nicht einfach ausgeliefert, sondern kann damit umgehen und ist handlungsfähig und frei.
    Dieses grundsätzliche Lebensgefühl zu vermitteln ist ein entscheidendes Ziel der Montessori-Pädagogik. Dazu braucht es die unbedingte Akzeptanz der Art und Weise, wie sich ein Kind ausdrückt und wie es der Welt von innen heraus begegnet

Soziale Kompetenz

Schon mit zwei Jahren schaffen es viele Kinder gut, sich in eine Gemeinschaft einzufügen und zugleich ihren individuellen Ausdruck zu bewahren. Mit etwa drei Jahren werden soziale Strukturen dann aber noch viel wichtiger, weil das Kind wirklich begreift, wieso es Rechte und Pflichten gibt.

Es kann sich selbst langsam als Gleiche/r unter Gleichen begreifen und auch ein wenig “von außen” beobachten. Deshalb wird in diesem Alter auch Gerechtigkeit sehr wichtig. Durch seine wachsende Empathie und Kommunikationsfähigkeit ist es jetzt auch in der Lage, im Vollsinn mit anderen zu spielen.

Die massive Abhängigkeit der ersten Lebensjahre lässt nach und dein Kind kann zunehmend selbstständig unterwegs sein. Es kann sich gut ausdrücken und sagen, was es möchte und was nicht. In diesem Alter fruchtet meist auch die liebevolle Zuwendung der ersten Lebensjahre und ein Kind lernt, eigene und fremde Gefühle zu benennen, zu bearbeiten und sich um andere zu kümmern.

Zugleich wird die Welt aber aufs Neue verwirrend und irritierend:

  • Wieso macht man gewisse Dinge so und nicht anders?
  • Wieso leben nicht alle Menschen gleich?
  • Wieso sind manche Dinge erlaubt, andere aber nicht?

Hier heißt es: viel erklären und noch mehr zeigen.

Deine Vorbildwirkung erreicht jetzt ihren Höhepunkt, denn dein Kind beobachtet nicht nur sehr genau, sondern kann auch schlussfolgern und eigene und fremde Handlungen verstehen und begründen.

Doch nur weil dein Kind jetzt schon ziemlich groß ist und ziemlich viel kann, heißt das nicht, dass es weniger Begleitung braucht. Deine Zuwendung wird nur zunehmend verbal und auch rational. Körperliche Nähe, Verständnis, Trost und liebevolle Anleitung sind aber trotzdem kaum weniger wichtig als in früheren Jahren.

Über die Autorin

Ich bin Susannah und schreibe für diesen wunderbaren Blog. Als Erziehungswissenschaftlerin und Mama suche ich stets nach Wegen, wie der Alltag mit Kind sich ruhig und authentisch gestalten lässt. Montessori kann hier viele großartige Impulse liefern, aber man darf sie auch ein wenig „gegen den Strich bürsten“ und zeitgemäß interpretieren. Ich habe die Hoffnung, dass der eine oder andere Artikel hier im Blog zu einem „Hilf mir, es selbst zu tun“ für Eltern werden kann.

Über das gesamte Montessori-Kinder Team erfährst Du auf der Über uns“ Seite