Ein Kleinkind lernt nicht zuerst mit dem Kopf, sondern mit den Händen, den Ohren und der Nase. Es quetscht die Banane, bevor es sie isst, klopft mit dem Löffel auf jeden Tisch und riecht an Deinem Pulli, wenn es müde ist. Maria Montessori hat das ernst genommen: Für sie waren die Sinne das Tor, durch das die Welt in das Kind hineinkommt. Was es nicht gespürt, gehört oder gerochen hat, kann es später auch nicht benennen oder ordnen.
Die zwölf Spiele hier sind für Kinder zwischen einem und vier Jahren gedacht und nach Sinnen sortiert: Fühlen, Hören, Riechen und Sehen. Fast alles, was Du dafür brauchst, steht schon in Deiner Küche, im Bad oder im Garten. Einiges ist in fünf Minuten vorbereitet, für den Chia-Schleim musst Du am Abend vorher kurz daran denken.
Bei jeder Idee steht, ab welchem Alter sie passt, was Du brauchst und was Dein Kind dabei tatsächlich lernt. Nimm die Altersangaben als Richtwert. Manche Zweijährige lieben Matsch, andere fassen ihn wochenlang nicht an. Beides ist in Ordnung, und beides verrät Dir etwas über Dein Kind.
Fühlen
Kleinkinder begreifen die Welt zuerst mit den Händen, und oft genug mit dem Mund. Diese drei Spiele sind glitschig, matschig oder knautschig, und alle gelingen mit dem, was in Deiner Küche steht.
Der Chia-Schleim mit den Tierfiguren

Rühr am Abend vorher etwa vier Esslöffel Chiasamen in einen halben Liter Wasser und stell die Schüssel in den Kühlschrank. Am nächsten Morgen ist daraus eine dicke Masse geworden, die ein bisschen an Froschlaich erinnert. Ein Tropfen grüne Lebensmittelfarbe macht einen Sumpf daraus, ein paar Plastiktiere ziehen ein.
Viele Einjährige tippen erst mit einem Finger hinein und ziehen die Hand schnell wieder zurück. Lass ihnen die Zeit. Nach ein paar Minuten wird meistens gequetscht, gepatscht und durch die Finger gedrückt. Weil Chia ein Lebensmittel ist, musst Du nicht jedes Ablecken verhindern.
- 4 EL Chiasamen
- 500 ml Wasser
- 1 Tropfen grüne Lebensmittelfarbe, wenn Du magst
- Eine flache Auflaufform oder Plastikwanne
- Ein paar abwaschbare Spieltiere
- Ein altes Handtuch als Unterlage
Das übt Dein Kind dabei
Chia-Schleim ist glatt und körnig zugleich, er hält zusammen und rinnt trotzdem durch die Finger. Das Kind tastet mit der ganzen Hand und mit einzelnen Fingern und spürt, dass eine Masse zwei Eigenschaften haben kann. Ein glitschiges Tier herauszufischen, verlangt einen erstaunlich festen Griff.
Manche Kinder mögen klebrige Hände überhaupt nicht und brauchen mehrere Anläufe. Wenn ein Löffel danebenliegt, können sie erst mit Abstand forschen und sich selbst herantasten. Aus dem Ausweichen wird so eine Entscheidung, die das Kind selbst trifft, und nicht eine, zu der es überredet wurde.
Wenn es zu leicht wird: Ab zwei Jahren stellst Du eine zweite Schale mit klarem Wasser daneben: Im Sumpf werden die Tiere schmutzig, im Wasser werden sie wieder gewaschen.
Der Matsch, der fest und flüssig zugleich ist

Zwei Tassen Speisestärke und gut eine Tasse Wasser, mit der Hand verrührt: Mehr braucht es nicht. Die Masse stimmt, wenn sie sich beim Draufklopfen fest anfühlt und beim Hochheben zäh von den Fingern tropft. Ist sie zu bröselig, kommt ein Schluck Wasser dazu, ist sie zu dünn, ein Löffel Stärke.
Das Kind schlägt mit der flachen Hand drauf, und nichts spritzt. Es presst eine Kugel zusammen, öffnet die Faust, und die Kugel zerfließt. Diese Verwandlung lässt sich hundertmal wiederholen, und die meisten Kinder tun das auch. Reste lässt Du trocknen und fegst das Pulver auf; flüssig gehören sie nicht in den Abfluss, weil sie sich dort absetzen.
- 2 Tassen Speisestärke
- Gut 1 Tasse Wasser
- Ein paar Tropfen Lebensmittelfarbe, wenn Du magst
- Eine große Schüssel oder flache Wanne
- Ein Löffel und ein Ausstecher zum Ausprobieren
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind spürt am eigenen Körper, dass dieselbe Masse auf Druck anders antwortet als auf Ruhe. Es beginnt, seine Kraft zu dosieren: fest zupacken, damit die Kugel hält, locker lassen, damit sie rinnt. Dieses feine Abstimmen zwischen Hand und Gefühl braucht es später beim Kneten, Malen und Schneiden wieder.
Ohne dass es jemand erklärt, macht das Kind hier eine erste Erfahrung mit einem Stoff, der sich nicht an die gewohnten Regeln hält. Benennen kann es das nicht, aber vielleicht fragt es „Warum?“, und damit fängt Naturwissenschaft an. Du musst die Antwort nicht kennen. „Ich weiß es auch nicht, probier noch mal“ ist eine gute Antwort.
Wenn es zu leicht wird: Steck einen Löffel senkrecht in den Matsch und lass das Kind ihn einmal langsam und einmal mit einem Ruck herausziehen. Langsam gleitet er heraus, beim Ruck hält der Matsch ihn fest.
Die Knautschbälle aus Luftballons

Füll drei oder vier Luftballons mit unterschiedlichen Dingen: Mehl, Reis, getrocknete Erbsen, Wasser. Am leichtesten geht das mit einem Trichter, oder Du ziehst den Ballon über den Hals einer kleinen Flasche, die Du vorher gefüllt hast, und kippst um. Luft herausdrücken, fest verknoten, dann einen zweiten Ballon darüberziehen, damit er hält.
Das Kind drückt, rollt und quetscht. Der Mehlball behält eine Delle, der Wasserball wabbelt, der Erbsenball knirscht. Bleib dabei in der Nähe: Platzt ein Ballon, müssen die Gummifetzen sofort weg, denn die gehören auf keinen Fall in einen Kindermund.
- 8 Luftballons, je zwei pro Ball
- Je etwa ½ Tasse Mehl, Reis und getrocknete Erbsen
- Etwa ½ Tasse Wasser
- Ein Trichter oder eine kleine leere Flasche
- Eine flache Schale für die fertigen Bälle
Das übt Dein Kind dabei
Weil die Bälle sich äußerlich kaum unterscheiden, muss das Kind sich ganz auf seine Hände verlassen. Es lernt, Unterschiede zu spüren, die es nicht sieht: körnig, glatt, schwer, nachgiebig. Mit drei Jahren weiß es oft schon, welcher Ball „der mit dem Reis“ ist, ohne hinzuschauen.
Nebenbei entstehen hier Wörter, die im Alltag selten vorkommen. Wenn Du mitredest, „der ist weich“, „der knirscht“, „der wackelt“, bekommt jede Empfindung einen Namen. Und weil das Kind den Ball dabei in der Hand hat, bleibt das Wort hängen.
Wenn es zu leicht wird: Mach von jeder Füllung zwei Bälle in verschiedenen Farben. Das Kind sucht die Paare dann nicht nach Farbe, sondern danach, wie sie sich anfühlen.
Hören
Ein Kleinkind hört den ganzen Tag, aber es lauscht selten. Bei diesen Spielen macht es die Geräusche selbst und merkt dabei, dass Holz anders klingt als Blech und Alufolie anders als Zeitung.
Das Orchester aus Töpfen und Deckeln

Stell auf den Boden, was in Deiner Küche scheppern darf: einen Kochtopf, einen Topfdeckel, eine Plastikschüssel, eine leere Keksdose aus Blech. Dazu einen Holzlöffel und einen Schneebesen. Mehr braucht ein Einjähriges nicht für eine halbe Stunde, die ziemlich laut wird.
Am Anfang wird einfach draufgehauen. Irgendwann merkt das Kind, dass der Topf dumpf klingt und der Deckel hell, dass der Schneebesen rasselt und der Holzlöffel klopft. Dann probiert es gezielt: erst hier, dann da. Wird es Dir zu laut, leg ein Geschirrtuch über den Deckel und schau, ob es den Unterschied bemerkt.
- 1 Kochtopf mit Deckel
- 1 Plastikschüssel
- 1 leere Keks- oder Teedose aus Blech
- 1 Holzlöffel
- 1 Schneebesen
- 1 Geschirrtuch zum Dämpfen
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind hört, dass verschiedene Materialien verschieden klingen, und zwar nicht als Erklärung, sondern weil es selbst schlägt. Es verknüpft eine Bewegung mit einem Klang: Wenn ich hierhin haue, kommt das. Für Einjährige gehört dieses Spiel mit Ursache und Wirkung zu den spannendsten Entdeckungen überhaupt.
Klopfst Du einen einfachen Takt vor, versuchen viele Kinder ab etwa zwei Jahren, ihn nachzumachen. Das ist der Anfang von Rhythmusgefühl, und Rhythmus steckt auch in der Sprache: Jedes Wort hat Silben, die man klatschen kann. Mach es einfach vor, ohne eine Übung daraus zu machen.
Wenn es zu leicht wird: Füll den Topf halb mit Wasser oder leg ein Tuch hinein und lass das Kind hören, wie sich der Klang verändert. Ältere Kinder raten mit geschlossenen Augen, welches Gefäß Du gerade angeschlagen hast.
Der Knisterkorb mit Papier und Folie

Schneide aus verschiedenen Papieren und Folien handgroße Stücke und leg sie in einen flachen Korb: Alufolie, Backpapier, Zeitungspapier, Seidenpapier, eine aufgeschnittene Butterbrottüte. Das Kind nimmt eines nach dem anderen heraus, knüllt es, zieht es wieder auseinander, wedelt damit.
Jedes Material macht dabei sein eigenes Geräusch, und viele Kinder halten es sich irgendwann ans Ohr, um besser zu hören. Seidenpapier reißt schnell, Alufolie behält jede Falte, auch das gehört zur Entdeckung. Achte bei Einjährigen darauf, dass keine abgerissenen Fetzen im Mund verschwinden.
- Je 1 handgroßes Stück Alufolie, Backpapier, Zeitungspapier und Seidenpapier
- 1 Butterbrottüte, aufgeschnitten
- Ein flacher Korb oder eine Schuhschachtel
- Eine Schere, nur für Dich
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind lernt, Geräusche auseinanderzuhalten, die sich sehr ähnlich sind. Knistern, Rascheln und Knacken liegen nah beieinander, und dieses feine Hinhören ist schwieriger als der Unterschied zwischen Topf und Löffel. Gleichzeitig spürt es, dass das steifste Papier meistens das lauteste ist.
Knüllen kräftigt die ganze Hand, besonders die Finger, die gemeinsam zudrücken müssen. Eine Kugel aus Alufolie richtig fest zu pressen, kostet ein Einjähriges echte Mühe. Es ist dieselbe Kraft, die es später beim Kneten, Malen und Schneiden braucht.
Wenn es zu leicht wird: Leg von jedem Material zwei Stücke in den Korb. Das Kind schließt die Augen, Du knüllst eines, und es sucht das passende heraus, indem es selbst probeknüllt.
Der Regenmacher aus der Küchenrolle

Knüll einen langen Streifen Alufolie zu einer lockeren Schlange, dreh sie zu einer Spirale und schieb sie in eine leere Küchenpapierrolle. Ein Ende verschließt Du mit einem Stück Karton und kräftigem Klebeband. Dann füllt das Kind eine Handvoll Reis oder Linsen hinein, und Du klebst auch das zweite Ende zu.
Kippt das Kind die Rolle, rieselt der Reis über die Folie nach unten, und es klingt wie Regen auf dem Dach. Für Zweijährige ist das Mitbauen die halbe Freude: Reis einfüllen, beim Zukleben zuschauen, die Rolle mit buntem Klebeband umwickeln. Erst danach wird gelauscht.
- 1 leere Küchenpapierrolle
- 1 langer Streifen Alufolie
- 1 Handvoll Reis oder Linsen
- 2 Stücke Karton für die Enden
- Kräftiges Klebeband
- Buntes Klebeband oder Stifte zum Verzieren
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind merkt, dass es den Klang selbst steuern kann: Je flacher es die Rolle hält, desto länger rieselt es. Dafür muss es sie ruhig führen und genau zuhören, sonst entgeht ihm der Unterschied. Viele Kinder werden dabei auffallend still, weil das Geräusch so leise ist.
Ein Regenmacher gehört zu den wenigen Spielsachen, die nach Ruhe klingen. Manche Familien legen ihn deshalb nicht zu den anderen Instrumenten, sondern dorthin, wo vorgelesen oder ausgeruht wird. Mit der Zeit wird er so zu einem Zeichen, das ohne Worte auskommt: Jetzt wird es leiser.
Wenn es zu leicht wird: Baut zwei Regenmacher, einen mit Reis und einen mit getrockneten Erbsen. Das Kind hört, dass die schwereren Körner lauter und gröber klingen, und kann sie mit geschlossenen Augen auseinanderhalten.
Riechen
Die Nase kleiner Kinder ist schon fein, nur fehlen ihnen die Wörter dafür. Hier riechen sie an Dingen, die sie kennen, und Du gibst dem Geruch einen Namen.
Die Knete, die nach Zimt riecht

Verrühr eine Tasse Mehl, eine halbe Tasse Salz, einen Esslöffel Öl und ungefähr eine halbe Tasse warmes Wasser zu einem glatten Teig und teil ihn in drei Portionen. In die erste knetest Du zwei Teelöffel Zimt, in die zweite einen Esslöffel Kakao, in die dritte etwas abgeriebene Zitronenschale und einen Spritzer Saft.
Leg die Kugeln nebeneinander und lass das Kind erst riechen, bevor es knetet. Oft ist das Gesicht dabei das Schönste: Zimt wird mit großen Augen begrüßt, Zitrone mit einem Naserümpfen. Die Knete ist so salzig, dass kaum ein Kind zweimal probiert; essen sollte es sie trotzdem nicht. Im Schraubglas im Kühlschrank hält sie etwa eine Woche.
- 1 Tasse Mehl
- ½ Tasse Salz
- 1 EL Öl
- Etwa ½ Tasse warmes Wasser
- 2 TL Zimt
- 1 EL Kakaopulver
- 1 unbehandelte Zitrone, davon die abgeriebene Schale und ein Spritzer Saft
- Ein kleines Nudelholz und ein paar Ausstecher
- 3 Schraubgläser zum Aufbewahren
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind verbindet einen Geruch mit einer Farbe und einem Namen: Die hellbraune riecht nach Zimt, die dunkle nach Kakao, die gelbliche nach Zitrone. Nach ein paar Tagen findet es die richtige Knete oft schon mit geschlossenen Augen. Zuordnen über die Nase wird sonst kaum geübt.
Gerüche bleiben auf eine besondere Art im Gedächtnis, oft länger als das, was man gesehen hat. Was ein Kind jetzt beim Kneten riecht, erkennt es vielleicht Jahre später beim Plätzchenbacken wieder. Du musst daraus nichts machen. Es genügt, dass der Duft da ist und Du ihn beim Namen nennst.
Wenn es zu leicht wird: Stell drei kleine Schälchen mit etwas Zimt, Kakao und Zitronenschale dazu. Das Kind riecht daran und legt die passende Knetkugel neben jedes Schälchen.
Erst riechen, dann kosten: Obst mit der Nase finden

Schneide drei oder vier Obstsorten klein, die Dein Kind schon kennt, und leg von jeder ein Stück in ein eigenes Schälchen: Banane, Orange, Apfel, Erdbeere, oder was die Jahreszeit gerade hergibt. Hinter jedes Schälchen legst Du die ganze Frucht oder eine Hälfte davon.
Dann mischst Du die Schälchen. Das Kind riecht an einem Stück, schaut sich die Früchte an und zeigt auf die, zu der es passt. Danach darf es kosten. Wer mag, macht beim zweiten Durchgang die Augen zu; viele Zweijährige wollen das nicht, und das ist völlig in Ordnung. Am Ende wird ohnehin alles aufgegessen.
- 3 bis 4 Obstsorten, die Dein Kind kennt, zum Beispiel Banane, Orange, Apfel, Erdbeere
- 1 Schälchen pro Sorte
- Ein Messer und ein Brett, nur für Dich
- Ein Tuch zum Augenzuhalten, wenn das Kind mag
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind lernt, sich auf die Nase zu verlassen, wenn die Augen nicht weiterhelfen. Ein Stück Apfel und ein Stück Birne sehen geschält fast gleich aus, der Geruch verrät sie. Es übt, einen Sinneseindruck einem bekannten Ding zuzuordnen, und merkt dabei, wie viel seine Nase schon weiß.
Kinder, die bei neuem Essen vorsichtig sind, bekommen hier einen Zwischenschritt geschenkt. Riechen kommt vor dem Probieren, und niemand verlangt, dass gegessen wird. Legst Du irgendwann eine unbekannte Frucht dazu, darf auch die erst einmal nur berochen werden. Für manche Kinder ist genau das der Unterschied zwischen „mag ich nicht“ und „ich probier mal“.
Wenn es zu leicht wird: Nimm Dinge dazu, die nicht nach Obst riechen: eine Gurkenscheibe, ein Basilikumblatt, ein Zitronenschnitz. Die Zitrone ist für viele Kinder die größte Überraschung, weil sie so gut riecht und so sauer schmeckt.
Die Kräutersuppe in der Matschküche

Stell eine Schüssel mit lauwarmem Wasser auf ein Tablett, daneben Schälchen mit Kräutern aus dem Garten oder vom Balkon: Minze, Zitronenmelisse, Rosmarin, ein paar Lavendelzweige, Rosenblätter, wenn welche da sind. Dazu kommen eine Kelle, eine Kinderschere mit runder Spitze und zwei, drei Becher.
Das Kind zupft, schneidet, rührt und schöpft. Im warmen Wasser geben die Blätter ihren Duft ab, und mit jedem Umrühren riecht die Suppe ein bisschen anders. Frag zwischendurch, wonach sie gerade riecht. Die Antworten sind oft treffender, als man denkt: „Nach Zahnpasta“ ist für Minze genau richtig.
- 1 Schüssel mit lauwarmem Wasser
- Je 1 Handvoll Minze, Zitronenmelisse und Rosmarin
- Ein paar Lavendelzweige, dazu Rosenblätter, wenn welche da sind
- Kleine Schälchen für die Kräuter
- 1 Suppenkelle
- 2 bis 3 Becher oder kleine Töpfe
- Eine Kinderschere mit runder Spitze
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind merkt, dass Blätter erst richtig duften, wenn man sie zerreibt, zerzupft oder ins warme Wasser legt. Es lernt also nicht nur Gerüche kennen, sondern auch, wie man sie hervorlockt. Das Zupfen schult die Fingerspitzen, das Schöpfen von der Schüssel in den Becher die ruhige Hand.
In der Matschküche wird gekocht wie bei den Großen, und das Kind übernimmt eine Rolle, die es aus dem Alltag kennt. Es serviert Dir die Suppe, und Du riechst und sagst, was Du riechst. Ganz nebenbei lernt es die Kräuter beim Namen kennen und findet die Minze beim nächsten Mal selbst im Beet.
Wenn es zu leicht wird: Lass das Kind die Kräuter vorher selbst im Garten oder auf dem Markt aussuchen. Ältere Kinder kochen nach „Rezept“: drei Minzblätter, ein Rosmarinzweig, umrühren, riechen.
Sehen
Glitzer, der langsam nach unten schwebt, Farben, die auseinanderlaufen, ein Knopf, der im Reis auftaucht und wieder verschwindet: Diese Spiele halten den Blick fest, manchmal erstaunlich lange.
Die Glitzerflasche zum Zuschauen

Nimm eine durchsichtige Plastikflasche mit glatten Wänden und festem Schraubdeckel. Füll sie zu zwei Dritteln mit warmem Wasser, gib einen kräftigen Schuss durchsichtigen Bastelkleber oder Glycerin dazu, dann Glitzer, ein paar Pailletten und, wenn Du magst, einen Tropfen Lebensmittelfarbe. Je mehr Kleber oder Glycerin, desto langsamer sinkt alles.
Füll den Rest mit Wasser auf, streich das Gewinde mit Heißkleber ein und dreh den Deckel fest zu. Das ist wichtig, denn der Inhalt ist nichts für Einjährige, die Flasche dafür umso mehr. Sie rollen sie, schütteln sie, halten sie gegen das Licht und schauen dann zu, wie alles langsam nach unten schwebt.
- 1 durchsichtige Plastikflasche mit glatten Wänden und festem Schraubdeckel
- Warmes Wasser, erst zwei Drittel, dann bis oben
- 1 kräftiger Schuss durchsichtiger Bastelkleber oder Glycerin aus der Apotheke
- Glitzer, ein paar Pailletten oder kleine Perlen
- 1 Tropfen Lebensmittelfarbe, wenn Du magst
- Heißkleber fürs Gewinde, nur für Dich
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind folgt mit den Augen einer langsamen Bewegung, und das über längere Zeit. Diese Blickfolge ist anstrengender, als es aussieht, und übt, bei einer Sache zu bleiben. Einjährige schütteln wieder und wieder, Dreijährige warten oft schon ab, bis wirklich alles unten angekommen ist.
In vielen Familien und Kitas wird die Flasche zur Hilfe für aufgewühlte Momente: Wer wütend oder traurig ist, schüttelt sie und schaut zu, bis sich der Glitzer gelegt hat, und atmet dabei meist von selbst ruhiger. Das funktioniert nur, wenn sie ein Angebot bleibt und nie eine Strafe wird. Sie steht einfach da, und das Kind darf sie holen.
Wenn es zu leicht wird: Mach eine zweite Flasche mit Speiseöl und blau gefärbtem Wasser. Nach dem Schütteln trennen sich die beiden Schichten wieder, und das Kind sieht zu, wie die Tropfen nach oben und unten wandern.
Die Suchflasche mit Reis

Sammle zehn bis fünfzehn kleine Dinge, die Dein Kind benennen kann: einen Knopf, eine Büroklammer, einen Radiergummi, eine Murmel, ein kleines Spielzeugauto, eine Perle. Steck sie in eine durchsichtige Flasche mit weiter Öffnung, füll sie zu drei Vierteln mit Reis und kleb den Deckel fest zu. Das letzte Viertel muss leer bleiben, sonst bewegt sich nichts.
Das Kind dreht und schüttelt, und mal taucht hier ein Knopf auf, mal dort ein Auto. Mit zwei Jahren reicht es, wenn es zeigt und benennt, was es gerade sieht. Für Dreijährige fotografierst Du die Dinge vorher zusammen und druckst das Bild aus; auf alles Gefundene legt das Kind ein Steinchen. Die Kleinteile sind nur sicher, solange der Deckel wirklich festgeklebt ist.
- 1 durchsichtige Plastikflasche mit weiter Öffnung
- Reis, Grieß oder Linsen für drei Viertel der Flasche
- 10 bis 15 kleine Dinge, die Dein Kind benennen kann: Knopf, Büroklammer, Murmel, Perle
- Heißkleber für den Deckel, nur für Dich
- Ab drei Jahren: ein ausgedrucktes Foto aller Dinge und ein paar Steinchen
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind lernt, ein Ding vor einem unruhigen Hintergrund zu erkennen, auch wenn nur ein Stück davon herausschaut. Eine halbe Murmel, die Ecke eines Radiergummis: Den Rest muss es sich dazudenken. Diese Art des Sehens braucht es später wieder, etwa wenn es auf einer vollen Wimmelbuchseite etwas Bestimmtes sucht.
Die Flasche gibt ihre Schätze nicht auf Kommando her. Wer die Murmel finden will, muss dranbleiben, drehen, warten, wieder drehen. Das Kind erlebt, dass sich Geduld auszahlt, und weil niemand drängt, ist das eine sehr entspannte Art, sie zu üben.
Wenn es zu leicht wird: Füll eine zweite Flasche nur mit Dingen in einer einzigen Farbe, zum Beispiel lauter roten. Dann hilft die Farbe nicht mehr beim Suchen, und das Kind muss sich ganz an die Form halten.
Farben, die in der Milch davonlaufen

Gieß Vollmilch in einen tiefen Teller, gerade so viel, dass der Boden bedeckt ist. Dann tropfst Du oder das Kind ein paar Tropfen Lebensmittelfarbe hinein, in die Mitte und nicht zu weit auseinander. Ein Wattestäbchen wird in Spülmittel getunkt und ans Kind weitergereicht.
Sobald es die Milch berührt, schießen die Farben auseinander, wirbeln umeinander und mischen sich an den Rändern. Es lohnt sich, das Stäbchen eine Weile still zu halten, denn die Bewegung geht noch lange weiter. Wenn sie aufhört, wird neu getunkt. Danach kommt die Milch in den Ausguss, nicht ins Glas.
- Vollmilch, so viel, dass der Tellerboden bedeckt ist
- 1 tiefer Teller oder flache Schale
- Lebensmittelfarbe in drei Farben, zum Beispiel Rot, Gelb und Blau
- 1 Schälchen mit etwas Spülmittel
- Ein paar Wattestäbchen
Das übt Dein Kind dabei
Das Kind sieht, wie aus Rot und Gelb an den Rändern Orange wird und aus Blau und Gelb Grün. Es erlebt Farbmischung nicht als Regel, sondern als Bewegung, die es selbst ausgelöst hat. Dreijährige beginnen dann oft, bestimmte Farben absichtlich nebeneinanderzutropfen, um zu sehen, was herauskommt.
Das Stäbchen stillzuhalten und nur zuzuschauen, fällt Zweijährigen schwer, sie wollen rühren. Gerade darin liegt die Übung: Das Schönste passiert, wenn man nichts tut. Die meisten Kinder wollen das Ganze wieder und wieder machen, und mit jedem Mal fällt das Abwarten etwas leichter.
Wenn es zu leicht wird: Leg ein Blatt saugfähiges Papier vorsichtig auf die bunte Milch und heb es nach ein paar Sekunden wieder ab. Das Muster bleibt auf dem Papier, und das Kind hat ein Bild, das es behalten kann.
Was beim Sinnesspielen im Alltag hilft
Biete eine Sache auf einmal an. Ein Tablett mit Glitzerflasche, Knete und Regenmacher daneben ist für ein Kleinkind zu viel, es springt dann von einem zum nächsten und bleibt nirgends. Liegt nur der Knisterkorb da, wird er gründlich untersucht. Das Tablett hilft dabei: Was darauf steht, gehört zusammen, und wenn es leer ist, ist das Spiel vorbei.
Rechne mit Sauerei und bereite Dich darauf vor, statt sie zu verhindern. Eine alte Tischdecke oder ein Duschvorhang unter dem Tisch, ein Handtuch in Reichweite, ärmellose Kleidung oder einfach nur Windel bei warmem Wetter. Bei Matschspielen wie Speisestärke oder Chia-Schleim ist der Balkon oder die Badewanne oft der entspannteste Ort. Und gib dem Kind einen Lappen dazu: Abwischen gehört zum Spiel.
Bei Einjährigen landet fast alles im Mund. Das ist kein Fehlverhalten, sondern ihre gründlichste Art zu untersuchen. Wähle für diese Altersgruppe deshalb Dinge, die essbar sind oder sicher verschlossen, und bleib dabei. Kleinteile, Luftballons und Salzknete sind etwas für die Zeit, in der Dein Kind verstanden hat, dass nicht alles gegessen wird.
Manche Kinder ekeln sich vor klebrigen Händen oder erschrecken bei lauten Geräuschen. Drängen hilft dann nicht. Leg einen Löffel oder ein Stäbchen dazu, mit dem es aus sicherer Entfernung forschen kann, oder fang selbst an und lass es zuschauen. Oft dauert es ein paar Tage, bis die erste Fingerspitze im Matsch landet.
Sprich mit, aber erkläre nicht zu viel. „Das ist kalt“, „das knistert“, „das riecht nach Zitrone“ reicht. Kinder brauchen die Wörter für das, was sie gerade spüren, aber keinen Vortrag darüber. Und wenn Dein Kind ganz versunken ist, darfst Du auch einfach still daneben sitzen.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter sind Sinnesspiele sinnvoll?
Von Anfang an, nur sehen sie je nach Alter anders aus. Ein Baby erlebt Sinnesreize beim Wickeln, Baden und Getragenwerden. Ab etwa einem Jahr, wenn Kinder sicher sitzen und gezielt greifen, kannst Du ihnen kleine Spiele wie den Knisterkorb oder die Glitzerflasche anbieten. Matsch, Knete und Suchspiele werden mit zwei bis drei Jahren interessant.
Was mache ich, wenn mein Kind alles in den Mund steckt?
Das ist bis ins zweite Lebensjahr ganz normal. Nimm in dieser Zeit Spiele, bei denen Probieren nicht schadet, etwa Chia-Schleim, Obst oder das Topforchester, und verschließe Flaschen mit Heißkleber. Bleib in der Nähe, statt ständig „nicht in den Mund“ zu sagen. Mit der Zeit wird das Kind die Hände und Augen mehr nutzen und den Mund weniger.
Wie oft sollte ich ein neues Sinnesspiel anbieten?
Seltener, als man denkt. Kleinkinder lieben Wiederholung und wollen dasselbe Spiel oft tagelang. Solange Dein Kind gern damit spielt, lass es stehen. Wenn es nur noch kurz hinschaut oder anfängt, das Material durch die Gegend zu werfen, ist es Zeit für etwas Neues. Viele Spiele werden ein paar Wochen später wieder spannend.
Sind gekaufte Sinnesmaterialien besser als selbstgemachte?
Nicht für Kleinkinder. Die klassischen Montessori-Sinnesmaterialien wie Geräuschdosen oder Tastbretter sind sehr genau gearbeitet und für Kinder ab etwa drei Jahren gedacht. Jüngere Kinder brauchen vor allem Gelegenheiten, viele verschiedene Dinge anzufassen, zu hören und zu riechen. Dafür reicht, was Du zu Hause hast.
Mein Kind will Matsch und Schleim nicht anfassen. Ist das ein Problem?
Meistens nicht. Viele Kinder sind bei neuen Materialien vorsichtig, und das ist eine gesunde Reaktion. Gib ihm einen Löffel oder ein Spielzeug zum Hineinstecken, mach selbst mit und lass ihm Zeit. Hält die Abneigung sehr lange an und betrifft auch Kleidung, Essen oder Körperpflege, kannst Du das bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung ansprechen.